Judentum

Im Koran gelten die Juden neben den Polytheisten als die eigentlichen Widersacher Muḥammads; dennoch genießen sie als Schriftbesitzer den Schutz der Muslime. Muḥammad, der zunächst um eine Annäherung an die Juden bemüht war, änderte, als er dabei auf Widerstand stieß, seine Politik und vertrieb die Juden aus Medina. Im Gegensatz zu den Verhältnissen im mittelalterlichen Europa war die Lage der Juden im Islam im All­gemeinen nicht schlecht. Oft kam es bei ihnen zu kultureller Blüte und wirtschaftlichem Wohlstand; Ghettoisierung, etwa in Marok­­ko, blieb die Ausnahme. Große jüd. Gemeinden gab es in Spanien, Marokko, Tunesien (Djerba), Kairo, Bagdad, Jemen und Iran (Isfahan). Seit der Gründung Israels haben die meisten arab. Juden ihre Heimat verlassen. Der Palästinakonflikt hat die Beziehungen zwischen Islam und J. stark belastet und zu einer Wiederbelebung des frühislam. Antagonismus geführt.

Literatur:
Bouman, J.: Der Koran und die Juden. Die Geschichte einer Tragödie, 1990. – Busse, H.: Die theologischen Beziehungen des Islams zu Judentum und Christentum, 1991. – Cohen, M. R.: Unter Kreuz und Halbmond. Die Juden im Mittelalter, 2005. – Goitein, S. D.: Jews and Arabs. Their Contacts Through the Ages, 1974. – Lewis, B.: Die Juden in der islamischen Welt, 1987. – Stillman, N. A.: The Jews of Arab Lands, 1979.

Autor/Autorinnen:
Prof. Dr. Marco Schöller, Universität Münster, Orientalistik

Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: 6., aktualisierte und erweiterte Auflage 2018.

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