Kalligraphie

gilt im Islam als die Königin der Künste, als die Kunst schlechthin, deren Erfindung dem Vetter und Schwiegersohn des Propheten Muḥammad, ʿAlī ibn Abī Ṭālib, zugeschrieben wird. Die Namen der großen Kalligraphen wurden von Anbeginn überliefert, und am Hof galt K. als Kunst, die selbst von Herrschern geübt werden konnte. K. hat es offensichtlich bereits in frühester ­islam. Zeit gegeben, für offizielle Inschriften und für Koran-­Hand­schriften. Die Koran-­Fragmente der Moschee von Sanaa, die in die umayyad. Zeit des 7.– 8. Jh. datiert werden, zeigen eine exquisite, fein ausgewogene Schrift im sog. Kūfī-­Duktus. Zu Beginn des 11. Jh. waren sechs Schriftarten verbreitet, die von den Meistern auch für den Koran verwendet wurden. Zu unterscheiden ist dabei die lapidare Schrift, meist ein sog. Kūfī, und die kursive Schrift, die seit dem 11. Jh. auch für Koran-­Exemplare verwendet wurde. Die Entwicklung fester Proportionsregeln für die K., die sich an einem Punktsystem orientieren, werden Yāqūt Mustaʿṣimī (gest. 1298) zugeschrieben. Auch in späterer Zeit galt das Kūfī als «heilige Schrift» und wurde gerne für Koran-­Inschriften in Moscheen gebraucht. Jede Dynastie vertrat ihren eigenen Duktus in der K., die somit einen ikonograph. Gehalt erlangen kann. Heute zeichnet sich v. a. die Schrift der Palästinenser durch einen spezifischen Duktus aus, der gleichzeitig als polit. Manifest verstanden werden muss. (Bilderverbot, arab. Schrift)

Literatur:
Kühnel, E.: Islamische Schriftkunst, 1972. – Schimmel, A.: Calligraphy and Islamic Culture, 1984.

Autor/Autorinnen:
Prof. Dr. Barbara Finster, Universität Bamberg, Islamische Kunst und Archäologie

Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: 6., aktualisierte und erweiterte Auflage 2018.

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