Kleidung

Abgesehen von regionalen Unterschieden zeichnet sich traditionelle K. in islam. Ländern meist durch lange, den Körper fließend umhüllende Gewänder und Kopfbedeckungen aus, die klimat. Bedingungen und islam. Moralvorstellungen gleichermaßen Rechnung tragen. Seit dem 19. Jh. veränderten sowohl die Übernahme westlicher Modevorstellungen in den Städten als auch staatliche Vorschriften die Kleidungsgewohnheiten. Die zunehmende polit. Einflussnahme Europas, der Import von industriell gefertigten Geweben sowie ein Wandel der Wertvorstellungen erfassten im 20. Jh. auch die ländlichen Gebiete und veränderten die bis dahin kaum betroffene K. der Frauen. Oft werden auch traditionelle mit europäischen Stilen kombiniert. Heute versteht man unter «islam. K.» keinen Rückgriff auf die Tradition, sondern das Ergebnis einer Anpassung europäisierter Kleidungsformen an islam. Moralvorstellungen. Islam. Frauenkleidung muss Arme und Beine vollständig bedecken und so weit sein, dass der Körper sich nicht abzeichnet. Ein langer Mantel europäischen Typs kann den Vorschriften nicht entsprechende K. außerhalb des Hauses verdecken. Zu dem Mantel wird ein bis auf die Schultern reichendes Kopftuch getragen (Schleier). Männer verleihen ihrer Frömmigkeit durch Aufsetzen eines runden weißen Käppchens Ausdruck, das der Kopfbedeckung des Propheten nachempfunden ist. Dazu gehört auch das Tragen eines Vollbarts. Die Krawatte wird als Symbol des Westens in einigen Ländern (z. B. in Iran) abgelehnt und durch ein Stehkragenhemd ersetzt. Mit der Zunahme islamist.-fundamentalist. Ideologien (Fundamentalismus) ist die K. unter Muslimen, v. a. unter muslim. Frauen, in früher nicht gekanntem Ausmaß zum Kennzeichen religiös-­polit. Gesinnung geworden.

Literatur:
Rugh, A.: Reveal and Conceal. Dress in Contemporary Egypt, 1987. – Stillman, Y. K.: Arab Dress. A Short History. From the Dawn of Islam to Modern Times, 2000.

Autor/Autorinnen:
Dr. Friederike Stolleis, Berlin

Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: 6., aktualisierte und erweiterte Auflage 2018.

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