Koranübersetzung

Der Koran ist eng an seine sprachliche ­Gestalt gebunden, und sein spezifischer Stil ist oft unübersetzbar. Friedrich Rückert ist die beste Annäherung an das Original geglückt; seine Übertragung ist unübertroffen, will man einen Eindruck von der ästhet. Wirkung des Korans erhalten. Das Übersetzungsproblem ist aber nicht nur eine Stilfrage: Viele Passagen im Koran sind zwei- oder mehrdeutig, was in der Übersetzung unweigerlich verloren geht. Nichtarab. Muslime rezitieren den Koran zwar auf Arabisch, verstehen aber dessen Bedeutung nicht oder nur ungefähr. Zu diesem Zweck wurden Interlinearübersetzungen in alle Islamsprachen angefertigt, zuerst für das Persische, später auch für die Turksprachen und das Chinesische. In Europa wurde die erste latein. Fassung 1142/43 durch Robert von Ketton hergestellt, die allerdings nicht direkt auf dem Original beruhte. Die erste direkte Übersetzung in eine europäische Volkssprache stammt von André du Ryer (gest. 1688), der den Koran ins Französische übertrug; die erste deutsche Ausgabe erschien 1772 in Frankfurt am Main. Verlässliche neuere deutsche Übersetzungen stammen von M. Henning, A. Th. Khoury, R. Paret und H. Zirker; von islam. Seite sind besonders die von der Aḥmadīya seit 1954 heraus­gegebene deutsche Fassung sowie die Übertragung durch A. von Denffer zu nennen. Koran, Koranexegese

Literatur:
Bobzin, H.: Der Koran im Zeitalter der Reformation, 1995. – Ders.: Koran-­Lesebuch, 2005. – Henning, M.: Der Koran. Einleitung und Anmerkungen von A. Schimmel, 1991. – Khoury, A. T.: Der Koran, 1992. – Paret, R.: Der Koran, 1975. – Rückert, F.: Der Koran, hg. v. Bobzin, H./Fischer, W., 1996. – Zirker, H.: Der Koran, 2007. – Der Koran. Die wichtigsten Texte, ausgewählt und erklärt von H. u. K. Bobzin, 2015.

Autor/Autorinnen:
Prof. Dr. Marco Schöller, Universität Münster, Orientalistik

Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: 6., aktualisierte und erweiterte Auflage 2018.

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