Propheten

(arab. al-­anbiyāʾ, sg. an-­nabī). Im Koran finden sich wiederholt Prophetenlisten (Suren 4:163 ff., 6:83 ff.). Neben den bedeutenden P. der Thora (Abraham, Moses) und Jesus kennt der Islam drei arab. P.: Hūd, Shuʿaib und Ṣāliḥ; Noah gilt als erster Strafprophet (Sure 11:36). Nach islam. Verständnis wurden P. an alle Völker ausgesandt (Suren 13:7, 35:24). Bedeutende jüd. P. wie Amos, Elias, Jeremia, Jesaja und Ezechiel werden im Koran nicht erwähnt. Die arab. und alttestamentlichen P. sowie Jesus besaßen für Muḥammad eine wichtige Modellfunktion: Sie waren seine Vorgänger, und Muḥammad selbst steht am Ende dieser langen Kette als ihr Beglaubiger, als «Siegel der P.» (Sure 33:40). Auch der anfängliche Misserfolg der Sendung Muḥammads wurde typolog. mit den Schicksalen früherer P. in Beziehung gesetzt (Sure 5:70). Die islam. Tradition enthält reiches Material besonders zu den P. der Thora. Dieses wurde in einer eigenständigen arab. Literaturgattung gesammelt, den «Geschichten von den P.» (arab. qiṣaṣ al-­anbiyāʾ).

Literatur:
Hagemann, L.: Propheten. Zeugen des Glaubens. Koranische und biblische Deutungen, 1985.

Autor/Autorinnen:
Prof. Dr. Marco Schöller, Universität Münster, Orientalistik

Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: 6., aktualisierte und erweiterte Auflage 2018.

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