Schöpfung

Der Koran ruft den Menschen in zahllosen Versen auf, in der sichtbaren Welt das Wirken eines einzigen Schöpfers zu erkennen (Suren 7:185, 27:59 – 64, 30:17 – 30 u. a.), zumal sie ein planvolles Werk Gottes im Dienste des Menschen ist (Suren 16:1 – 23, 55, Weltbild). Die Anspielungen im Koran – ein Schöpfungsbericht fehlt – reflektieren die Auseinandersetzung mit der biblischen Schöpfungsgeschichte. Danach hat Gott Himmel und Erde in sechs Tagen geschaffen (Suren 41:9 – 12, 57:4, 11:7). Die Theologie unterscheidet zwischen der anfänglichen S. (aus dem Nichts, ex nihilo, arab. ibdāʿ) und den weiteren Schöpfungsakten (wie des Menschen aus dem Lehm, arab. khalq). Ausgehend von der Allmacht Gottes lehrten manche Theologen, dass er die Welt in jedem Moment neu erschaffe. Diese – auch als Occasionalismus bezeichnete – Diskontinuität löst jede Kausalität auf und erklärt somit, dass Gott das Böse erschaffen konnte, ohne selbst böse zu sein (Satan). Phi­losophen und Mystiker entwickelten unterschiedliche Systeme, die die S. als Emanationen aus einem anfänglichen Prinzip erklären. Demzufolge spiegelt alles in der Welt Gott in seiner Weise wider. Die Tatsache der S. begründet, dass die Welt auch ein Ende hat.

Literatur:
Chittick, W.: The Self-­Disclosure of God. Principles of Ibn alʿArabī’s Cosmology, 1998. – Arnaldez, R.: Art. «Khalk», The Encyclopaedia of Islam, second edition. – Gardet, L.: Art. «Ibdāʿ», The Encyclopaedia of Islam, second edition. – Griffel, F.: Al-­Ghazālī’s philosophical theology, 2009.

Autor/Autorinnen:
Prof. Dr. Gottfried Hagen, University of Michigan, Turkish Studies

Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: 6., aktualisierte und erweiterte Auflage 2018.

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