Tourismus

Neben dem T. aus dem westlichen Ausland spielt für viele Staaten der islam. Welt der Binnentourismus und der regionale T. eine große Rolle. Dazu trägt nicht zuletzt ein verändertes und an westlichen Lebensformen orientiertes Freizeitverhalten der oberen und mittleren Schichten bei. Besondere Bedeutung für den Binnen- und den regionalen Tourismus haben Pilgerbewegungen, allen voran die alljährliche Pilgerfahrt nach Mekka, die allein mehr als 3 Mio. Menschen anzieht. Heilige Stätten der Schiiten im Irak (Kerbela) und im Iran sowie in Syrien das vom Iran erbaute Grabmal der Sayyida Zainab, Tochter ʿAlīs, ziehen darüber hinaus schiit. Pilger an. Auch der Medizintourismus spielt eine wachsende Rolle und stärkt den Gesundheitssektor jener Staaten der Region, die über ein gut ausgebildetes Gesundheitssystem auf internatio­nalem Niveau verfügen. Westliche Touristen, die wichtige Devisenbringer in Ländern wie Ägypten oder Tunesien für den Staat sind, reagieren sehr sensibel auf die polit. Situation in der Region und bleiben als Folge von gewalttätigen Auseinandersetzungen phasenweise fern. Der wachsende T. bringt neben den staatlicherseits erwünschten Devisen und den vielfältigen Arbeitsmöglichkeiten für die lokale Bevölkerung oft große Umweltprobleme wie steigenden Wasserverbrauch und Schwierigkeiten bei der Müllentsorgung mit sich. Der Schutz, Erhalt und die Rekonstruktion kulturhistorischer Stätten ist im Kontext regionaler Gewalthandlungen (Syrien, Libyen, Jemen, Irak) und Plünderungen antiker Schätze eine besondere Herausforderung.

Literatur:
Boivin, M./Delage, R.: Devotional Islam in contemporary South Asia: ­shrines, journeys and wanderers, 2016.- Scott, N./Jafari, J.: Tourism in the Muslim World, 2010 – Meyer, G.: Die arabische Welt im Spiegel der Kulturgeographie, 2004.

Autor/Autorinnen:
Dr. Renate Dieterich, DAAD Bonn, Orientalistik

Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: 6., aktualisierte und erweiterte Auflage 2018.

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