Unreinheit

muss vor der Verrichtung des Gebets u. a. religiöser Handlungen beseitigt werden, damit diese gültig sind. Unrein wird man durch die Berührung von unreinen Dingen, etwa verbotenen Speisen (Speisegesetze), Wein (Alkohol), tierischen und menschlichen Exkrementen, aber auch Schweinen und in einigen Rechtsschulen von Hunden. Nach einer Verunreinigung müssen Körper und Kleidung gründlich gereinigt werden. Daneben gibt es zwei Arten der rituellen U. des Menschen. Die kleine U. (arab. ­ḥadath) wird hervorgerufen durch Schlaf, Bewusstlosigkeit, die Ausscheidung verschiedener Körperstoffe, aber beim Mann auch durch die Berührung der Haut einer mit ihm nicht nahe verwandten Frau. Diese U. wird durch die kleine Waschung (arab. wuḍūʾ) von Gesicht, Händen und Unterarmen sowie das feuchte Abstreifen von Haaren und Füßen beseitigt. Die große U. (arab. janāba) tritt ein beim Samenerguss des Mannes und der Menstruation der Frau sowie innerhalb von vierzig Tagen nach der Niederkunft. Sie wird durch Waschung des ganzen Körpers (arab. ghusl) beseitigt. Neben diesen erforderlichen Waschungen sind eine Reihe von rituellen Waschungen frommer Brauch, etwa die Ganzkörperwaschung vor dem Freitagsgebet (Bad). Diese werden jedoch in weitaus geringerem Maße praktiziert. Abgesehen von kasuist. Spitzfindigkeiten herrscht in Fragen der rituellen Waschungen Einigkeit unter den verschiedenen Rechtsschulen. Praktizierende Muslime kennen die jeweiligen Bestimmungen zumeist sehr genau.

Autor/Autorinnen:
PD Dr. Christian Müller, Centre National des Recherches Scientifiques, Paris, Arabistik

Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: 6., aktualisierte und erweiterte Auflage 2018.

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