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Wunder

Man unterscheidet die Zeichenwunder (arab. āya) Gottes, die Machtwunder (arab. muʿjiza) der Propheten und die Huldwunder (arab. karāma) der Heiligen (Gottesfreunde) und hervor­ragender Muslime; die beiden letzteren sind Manifestation eines ­besonderen Charismas. Theologisch gesehen durchbrechen von Menschen gewirkte W. die «gewohnte Ordnung» der Dinge, was den Geschöpfen selbst nicht möglich ist, sondern nur mit Gottes Willen geschehen kann. Machtwunder dienen der Beglaubigung der prophet. Sendung, während Huldwunder ohne den Anspruch auf Prophetentum geschehen. Zahlreiche Machtwunder der biblischen Propheten finden sich auch in der islamischen Tradition. Das einzige Machtwunder Muḥammads hingegen, das der Koran gelten lässt, ist der Korantext selbst, der als unnachahmlich gilt. Im Widerspruch dazu schreibt die spätere Tradition Muḥammad zahlreiche weitere W. zu: So wird etwa die im Koran (54: 1 – 2) als Zeichen der Endzeit erwähnte Spaltung des Mondes in ein W. umgedeutet (siehe auch Himmelsreise). In der reichen hagiograph. Literatur finden sich viele Motive aus anderen Religionen. Viele Sufis haben dagegen die Legitimität des Wunderwirkens bezweifelt und W. als Blendwerk bezeichnet (Mystik). Viele Modernisten lehnen Heiligenwunder ebenso wie Prophetenwunder als volkstümlichen Irrtum ab. (Heiliges)

Literatur:
Gramlich, R.: Die Wunder der Freunde Gottes, 1987. – Schimmel, A.: Die mystischen Dimensionen des Islams, 1995. – Gril, D.: Art. «Miracles», Encyclopaedia of the Qurʾān.

Autor/Autorinnen:
Prof. Dr. Gottfried Hagen, University of Michigan, Turkish Studies

Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: 6., aktualisierte und erweiterte Auflage 2018.

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