Zinsen

Zu den am meisten diskutierten Fragen islam. Gelehrter in Bezug auf eine der Scharia gemäße Wirtschaftsordnung zählt das Problem der Erhebung von Z. Dabei geht es um den koran. erwähnten Begriff ribā (arab. «Z.» oder «Wucher»). Im Koran taucht der Terminus ribā mehrfach auf (Suren 2:275 – 280, 3:130, 4:161). Hintergrund des Verbots waren vermutlich die im vorislam. Mekka üblichen horrenden Zinspraktiken. Aufgrund des Zinsverbots wurden Geldgeschäfte in der islam. Geschichte häufig von nicht-­muslim. Minderheiten, also Juden oder Christen, abgewickelt. Bereits im islam. Mittelalter hatte man allerdings Rechtskniffe ersonnen, um das Zinsverbot zu umgehen. Die Diskussion modernist. islam. Gelehrter geht davon aus, dass das ribā-­Verbot sich ausdrücklich auf unrechtmäßige und überhöhte Z. bezieht, bei anderen Transaktionen also eine finanzielle Kompensation gestattet sein kann. Die Mehrheitsmeinung lehnt jedoch Z. jeglicher Art strikt ab. Die islam. Banken der Gegenwart, die sich ausdrücklich auf islam. Grundregeln beziehen, arbeiten offiziell ohne Z. Stattdessen werden den Kunden Gewinn- und Verlustbeteiligungen angeboten.

Literatur:
Hassan, K./Lewis, M.: Handbook of Islamic Banking, 2007. – Saeed, A.: ­Islamic Banking and Interest: A Study of Prohibition of Riba and its Contemporary Interpretation, 1996.

Autor/Autorinnen:
Dr. Renate Dieterich, DAAD Bonn, Orientalistik

Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: 6., aktualisierte und erweiterte Auflage 2018.

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