Mahdi

(arab. mahdī, «der [durch Gott] Rechtgeleitete»). In islam. Eschatologien ist der M. die Figur, die in der muslim. Gemeinschaft vor dem Jüngsten Gericht das Recht wiederherstellt und sie bis zum Anbruch der Endzeit führt. Für die Schiiten wird ihr «Verborgener Imam», bei den Zwölferschiiten der zwölfte Imam, bei den Ismaʿiliten der siebente, als M. erscheinen. Sunniten hingegen haben die Identität des M. nie eindeutig bestimmt. Somit konnten sich verschiedene Führer sozialreligiöser Bewegungen zum M. erklären, darunter der wohl bekannteste, der M. Muḥammad Aḥmad (gest. 1885), der im Sudan gegen die ägypt.-britische Kolonialherrschaft kämpfte. Auch der Gründer der Aḥmadīya, Mīrzā Ghulām Aḥmad (ca. 1839 – 1908), hielt sich für den M., der zur Erneuerung seiner Zeit berufen sei. Auch in neuerer Zeit wurde die M.-Vorstellung propagiert. Etwa behauptete eine Gruppe fundamentalistischer Besetzer der Moschee von Mekka am 20. November 1979, dem Neujahrstag des islamischen Jahres 1400, dass der M. bald komme. Allerdings wurden die etwa 500 Apokalyptiker durch französische Einheiten besiegt. Auch der «Islamische Staat» verwendet Verweise auf den M. – Glauben, um seine Aktionen zu begründen.

Literatur:
Cook, D.: , 2005. – Ourghi, M.: Schiitischer Messianismus und Mahdī-­Glaube in der Neuzeit, 2008.

Autor/Autorinnen:
Prof. Dr. Ralf Elger, Universität Halle, Orientalistik

Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: 6., aktualisierte und erweiterte Auflage 2018.

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