dār al-­islām / dār al-­ḥarb

/ Das Territorium, in dem das islam. Recht Gültigkeit besitzt, wurde traditionell als dār al-­islām (arab. «das Land des Islams») bezeichnet. Angehörige der früheren Of­fen­barungsreligionen, d. h. Juden, Christen, Zoroastrier, erhielten ­darin den Status des dhimmī (arab. «Schutzbefohlener, Schrift­besitzer»), der ihnen Residenzrechte, Religionsfreiheit und eigene Rechtsprechung zubilligte, sie andererseits zur Zahlung einer Kopfsteuer (arab. jizya) verpflichtete. Außerhalb liegende Gebiete galten als dār al-­ḥarb (arab. «das Land des Krieges»). Entsprechend der Doktrin des Jihad galt es, den Bereich des Islams auf Kosten des dār al-­ḥarb zu erweitern. Menschen aus dem dār al-­ḥarb wurden als «ḥarbī» oder «ahl al-­ḥarb» bezeichnet. Für Personen, die sich nur zeitweise im dār al-­islām aufhalten, sieht das islam. Recht einen speziellen Schutzstatus vor (amān). Auch wenn die Muslime weitgehend von der Zweiteilung der Welt abgerückt sind, wird sie in modernen islam. Ideologien unter dem Schlagwort «Westen versus Orient/Islam» weiterhin bemüht; so auch in der Diskussion um das Konzept der umma (Panislamismus). Extrem radikale Kreise betrachten den Jihad weiterhin als Mittel zur Ausweitung des dār al-­islām.

Autor/Autorinnen:
Christian Szyska, M. A., Bonn, Orientalistik

Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: 6., aktualisierte und erweiterte Auflage 2018.

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