Sharīʿatī ʿAlī

(1933 – 1977), Autor und Ideologe der islam. Bewegung in Iran. Studium der Religionsgeschichte und Soziologie in Paris (1960 – 1965). Unter dem Einfluss des militanten alger. Unabhängigkeitskampfes entwickelte S. seine Ideen von einem dynam., polit. und revolutionären Islam, der den Anforderungen der modernen Welt gewachsen ist und insbesondere die Antwort auf die Hegemonie der westlichen Welt über die Länder der Dritten Welt nicht schuldig bleibt. Damit verbunden war seine Kritik an einer in polit. Hinsicht quietist. Interpretation der Religion und am klerikalen Establishment. Er bezog sich in seinen Vorlesungen und ­Essays v. a. auf die zentralen Figuren des frühen Islams und der Schiiten (Muḥammad, sein Vetter und Schwiegersohn ʿAlī, sein Enkel Ḥusain, seine Tochter Fāṭima), die er als politische Kämpfer für soziale Gerechtigkeit deutete. Diesen ursprünglichen, kämpferischen Islam bezeichnete er als «alidisch» (nach ʿAlī), während der «safawidische» (nach der iran. Dynastie der Safawiden) Islam für eine versteinerte, institutionalisierte Religion mit hierarchischem Machtgefüge steht. S. gilt, gerade für junge Intellektuelle, neben Khomeini als einer der wichtigsten Stichwortgeber der Islam. Revolution in Iran (1979).

Literatur:
Chatterjee, K.: ʿAli Shariʾati and the Shaping of Political Islam in Iran, 2011. – Jahanbakhsh, F.: Islam, Democracy and Religious Modernism in Iran (1953 – 2000), 2001. –Kaweh, S.: Ali Schariati interkulturell gelesen, 2005. – Rahnema, A.: An Islamic Utopian, 2000. – Richard, Y.: Der verborgene Imam. Die Geschichte der Schia in Iran, 1989.

Autor/Autorinnen:
PD Dr. Roxane Haag-­Higuchi, Universität Bamberg, Iranistik

Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: 6., aktualisierte und erweiterte Auflage 2018.

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