30 Jahre Mauerfall Mehr erfahren

Bundesrepublik Deutschland (DEU)

1) (BRD 1949–90) Nach Ende des Zweiten Weltkrieges (1945) und der Teilung in vier Besatzungszonen führte der Ost-West-Konflikt (»Kalter Krieg«) in DEU zu zwei getrennten politischen Ordnungssystemen: die drei Westzonen einerseits und die sowjetische Besatzungszone (SBZ) andererseits. Der Konflikt um die im Westen und im Osten getrennt durchgeführte Währungsreform beschleunigte die Staatsgründungen: Am 8.5.1949 wurde vom Parlamentarischen Rat der Westzonen das Grundgesetz (GG) für die Bundesrepublik Deutschland (BRD) verabschiedet und am 23.5.1949 verkündet. Außenpolitisch strebte die BRD eine Integration in das westliche Bündnis- und Wirtschaftssystem an und suchte über eine Politik der Stärke die rasche Wiedervereinigung mit dem ostdeutschen Staat. 1955 wurde die BRD in die Westeuropäische Union und die NATO aufgenommen. Der Deutschlandvertrag und die Pariser Verträge brachten ihr die nahezu vollständige staatliche Souveränität. Der wirtschaftliche Aufbau und die Entwicklung der sozialen Marktwirtschaft verliefen in den 1950er-Jahren sehr erfolgreich. 1961 wurde die Trennung zwischen ostdeutschem und westdeutschem Staat durch den Bau der Berliner Mauer besiegelt; die Mauer trennte fortan die westliche (demokratisch-kapitalistische) und die östliche (marxistisch-kommunistische) Welt. Erst die neue Ostpolitik der Bonner sozialliberalen Koalition führte seit Ende der 1960er-Jahre wieder zu einer langsamen Entspannung zwischen BRD und Deutschen Demokratischen Republik und 1972 schließlich zum Abschluss des Grundlagenvertrags zwischen beiden Staaten. Nach umfassenden internationalen Entspannungsbemühungen und gegenseitigen vertrauensbildenden Maßnahmen (z. B. Abrüstungsvereinbarungen) führte schließlich die vom sowjetischen Präsidenten M. Gorbatschow durchgesetzte Politik des Glasnost (russ.: Transparenz) letztlich zur Öffnung und Auflösung des Ostblocks, zur Öffnung der Grenze zwischen DDR und BRD und zur dt.-dt. Wiedervereinigung.

2) (DEU seit 1990) Mit dem Vertrag über die Schaffung einer Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion (vom 1.7.1990) war die wesentliche innere Voraussetzung zur Herstellung der staatlichen Einheit von DDR und BRD geschaffen. Der Beitritt der DDR zur BRD erfolgte schließlich am 3.10.1990 nach Art. 23 GG. Die äußeren Bedingungen der Wiedervereinigung legten die Außenminister der vier Siegermächte (FRA, GBR, UdSSR, USA) sowie der BRD und der DDR im sog. Zwei-plus-Vier-Vertrag (unterzeichnet am 12.9.1990 in Moskau) nieder, in dem DEU die uneingeschränkte Souveränität erhielt.

Der wirtschaftliche Aufbau der fünf neuen Bundesländer im Osten DEUs wird durch umfangreiche wirtschaftliche Unterstützung aus West-DEU sowie durch Subventionen der Europäischen Union gefördert, ist aber bis heute nicht abgeschlossen. Außenpolitische Priorität haben im vereinten DEU a) die Fortführung der europäischen Integration, b) die Mitarbeit in internationalen Organisationen (einschließlich des Einsatzes der Bundeswehr bei friedenserhaltenden Maßnahmen, z. B. im ehemaligen Jugoslawien) und c) die Bemühungen um Aufnahme als ständiges Mitglied in den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UN). Neben den wiedervereinigungsbedingten Problemen stehen innenpolitisch die Wirtschaftspolitik und Bildungspolitik und der notwendige strukturpolitische Wandel im Vordergrund, darüber hinaus Fragen der inneren Sicherheit und der Integration ausländischer Mitbürgerinnen und Mitbürger.

80,7 Mio. Einw./2016; Amtssprache: deutsch; Konfessionen: ca. 27 % evangelisch, 29 % katholisch, 4,4 % muslimisch, 36 % Sonstige und Konfessionslose.

BIP/Kopf: 41.936 US-$/2016.

Siehe auch:
Weltkrieg
Parlamentarischer Rat
Grundgesetz (GG)
Wiedervereinigung
Westeuropäische Union (WEU)
NATO (Nordatlantikpakt)
Deutschlandvertrag
Pariser Verträge
Souveränität
Soziale Marktwirtschaft
Ostpolitik
Deutsche Demokratische Republik (DDR)
Staat
Glasnost
Ostblock/Ostblockstaaten
Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion
Zwei-plus-Vier-Vertrag
Bundesland
Subvention
Europäische Union (EU)
Bundeswehr
Jugoslawien
Vereinte Nationen (UN)
Wirtschaftspolitik
Bildungspolitik
Innere Sicherheit
Deutsches Reich/Deutsches Kaiserreich
Nationalsozialismus
Weimarer Republik

Quelle: Schubert, Klaus/Martina Klein: Das Politiklexikon. 7., aktual. u. erw. Aufl. Bonn: Dietz 2018. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.

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