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28.1.2016

Landwirtschaftliche Produktion pro Kopf

Die landwirtschaftliche Produktion pro Kopf stellt im Zeitverlauf die gewachsene Produktivität und die gleichzeitig abnehmende relative Größe des Agrarsektors dar.

Der Indikator für landwirtschaftliche Produktion pro Kopf kann als Maß für eine insgesamt steigende Produktivität der Landwirtschaft und die abnehmende relative Größe dieses Sektors in der Volkswirtschaft betrachtet werden. Die deutsche Beschäftigung in der Landwirtschaft fiel von 45 Prozent 1880 auf weniger als 10 Prozent um 1970 und nahm später sogar weiter ab. Das Vereinigte Königreich ist der extremste Fall mit bereits nur 12 Prozent 1880 und 3 Prozent 1975. Aufgrund der Datenlage wurde von zwei verschiedenen Datenbanken Gebrauch gemacht. Die Daten für die Periode bis zum Zweiten Weltkrieg sind durch Indexwerte basierend auf dem Jahr 1913 (=100) dargestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg bezieht sich die Datenreihe auf einen Index basierend auf dem Jahr 1980 (=100). Es ist somit nicht möglich, die Indexwerte für diese zwei Perioden zu vergleichen.

Tabelle 4: Landwirtschaftliche Produktion pro Kopf Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Während des 19. Jahrhunderts wies das Vereinigte Königreich ein extrem stabiles Volumen der landwirtschaftlichen Produktion auf. Aufgrund seines schnellen Bevölkerungswachstums ging die Produktion (pro Kopf) jedoch rapide zurück. Die britische Gesellschaft wurde mehr und mehr von amerikanischem Getreide und Fleisch abhängig, sodass die Wirtschaft ihre eigenen internationalen komparativen Vorteile[1] in der Industrie und im Finanzwesen ausnutzen konnte. Die deutsche landwirtschaftliche Produktion verdoppelte sich zwischen 1850 und 1913, was, kombiniert mit einem sogar noch stärkeren Bevölkerungswachstum als in Großbritannien, zu einem Anstieg der landwirtschaftlichen Produktion pro Kopf um 25 Prozent führte, der ebenfalls in Frankreich und Italien zu beobachten ist.

Abbildung 4: Landwirtschaftliche Produktion pro Kopf Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Die deutsche landwirtschaftliche Produktion pro Kopf nahm während und nach dem Ersten Weltkrieg auf ein Niveau von weniger als 70 (1913=100) beträchtlich ab und stieg 1938 wieder auf fast 100. Für viele Länder stellte die Zwischenkriegszeit eine Ära dar, in der landwirtschaftliche Selbstversorgung ein wichtiges Ziel wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg umfasste die westdeutsche landwirtschaftliche Produktion nur ca. 40 Prozent des Vorkriegslevels von 1938. Jedoch verdoppelte sich das Produktionsvolumen zwischen 1950 und 1990. Die landwirtschaftliche Produktion (pro Kopf) verdoppelte sich ebenfalls, trotz der extrem starken Abnahme der Beschäftigung in diesem Sektor von 22 Prozent 1950 auf weniger als 5 Prozent in den 1980er Jahren. (siehe Tab 4, Abb 4)
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Fußnoten

1.
Das Konzept der komparativen Vorteile berücksichtigt, dass ein Mensch oder eine Volkswirtschaft nicht alles gleichzeitig tun kann. Zum Beispiel könnte ein Tennisstar sogar schneller seinen Rasen mähen als sein Gärtner, aber weil er relativ besser Tennis spielt, sollte er seine Zeit darauf konzentrieren. Dies lässt sich auf volkswirtschaftliche Spezialisierung übertragen.

Jörg Baten, Herman J. de Jong

Jörg Baten

Prof. Dr., Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Eberhard Karls Universität Tübingen - Internationale Vergleiche


Herman J. de Jong

Prof. Dr., Faculty of Economics and Business, University of Groningen - Internationale Vergleiche


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