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28.1.2016

Kohlendioxid-Emissionen

Spielte die Umweltverschmutzung durch Kohlendioxid in den Anfängen der industriellen Revolution noch eine untergeordnete Rolle, gilt die Umwelt heute als schützenswertes Gut. Diese Entwicklung lässt sich gut anhand der CO2-Emissionen abbilden.

Neben der menschlichen Lebensqualität ist zunehmend die natürliche Umwelt als schützenswertes Gut anerkannt worden. Selbst wenn dies von den Zeitgenossen, deren Handlungsweisen hier indirekt betrachtet werden, nicht immer in ähnlicher Weise wahrgenommen wurde, ist es doch interessant, ausgewählte Indikatoren in ihrer Entwicklung zu betrachten. Kees Klein Goldewijk und seine Forschungsgruppe haben kürzlich eine Reihe von umweltrelevanten Größen geschätzt, von denen in Tabelle 7 die Emission des Gases Kohlendioxid beispielhaft betrachtet werden sollen.[1]

Tabelle 7: CO₂-Emissionen Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

In den letzten Jahrhunderten wurde besonders durch die Nutzung fossiler Brennstoffe in großem Umfang Kohlendioxid freigesetzt. Zuvor waren bereits durch die Landwirtschaft kleinere Mengen dieses Gases in die Atmosphäre abgegeben worden. Aber erst die umfangreiche Verwendung von Kohle und später Öl und Gas machte Kohlendioxid zu einem erheblichen Umweltproblem. Deshalb wird die Verwendung dieser Energieträger als Basis für die Rekonstruktion des Umfanges von Emissionen verwendet. Kohlendioxid absorbiert in der Atmosphäre Wärme und wird daher als ursächlich für den Treibhauseffekt angesehen, der wiederum zum Anstieg des Meeresspiegels und zu weiteren unerwünschten Wirkungen führt. In der aktuellen Diskussion über die Begrenzung der Emissionen wird von Schwellenländern in Asien und Lateinamerika oft das Argument vorgebracht, dass die Industrieländer bereits in der Vergangenheit sehr viel CO²-Gas emittiert haben. Daher seien sie zu besonderen Anstrengungen verpflichtet, den aktuellen Wert der Kohlendioxidbelastung zu verringern. Nachfolgend sollen die tatsächlichen Emissionen in unseren sechs Ländern nachvollzogen werden.

Zu Beginn des betrachteten Zeitraums war Großbritannien klar für einen großen Teil der Emissionen verantwortlich. Das erste Land, das eine Industrielle Revolution vollzogen hatte, nutzte um 1830 in weit größerem Umfang Kohle und andere Brennstoffe als die weiterhin landwirtschaftlich geprägten anderen fünf Länder. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts verzeichneten die USA einen drastischen Anstieg der Kohlendioxidemissionen und überholten Großbritannien im Jahrzehnt des Ersten Weltkriegs. Bis in die Gegenwart war aber keine deutliche Abnahme zu verzeichnen.

Die CO²-Emissionen werden auch durch den Wandel der Wirtschaftsstruktur beeinflusst. Die allmähliche Umstellung der britischen Wirtschaft von der dominierenden Industrieproduktion zu wichtiger werdenden Dienstleistungen (beispielsweise in der City of London) war hier eine der treibenden Kräfte. Derselbe Faktor mag auch erklären, warum das weiterhin stärker industriell geprägte Deutschland bis in die 1980er Jahre ein fast kontinuierliches Wachstum der Emissionen aufwies, obwohl allmählich ökologische Bedenken laut wurden. Erst in den letzten beiden Jahrzehnten nahmen die Kohlendioxidemissionen insgesamt deutlich ab. Frankreich hatte eine insgesamt sehr ähnliche Entwicklung wie Deutschland, wenn auch auf niedrigerem absoluten Niveau. Italien und Japan hingegen haben erst in den 1960er und 1970er Jahren begonnen, Kohlendioxid in ähnlichen Mengen wie die anderen hier betrachteten Länder zu emittieren. (siehe Tab 7)
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Fußnoten

1.
Nachzulesen auf clio-infra.eu.

Jörg Baten, Herman J. de Jong

Jörg Baten

Prof. Dr., Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Eberhard Karls Universität Tübingen - Internationale Vergleiche


Herman J. de Jong

Prof. Dr., Faculty of Economics and Business, University of Groningen - Internationale Vergleiche


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