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28.1.2016

Demokratieentwicklung

Der Grad an Demokratisierung lässt sich nur schwer quantifizieren. Der Polity-IV-Index berücksichtigt mehrere Dimensionen und versucht so die jeweilige Staatsform eines Landes zu bewerten.

Während wir bei den meisten Indikatoren des Lebensstandards vergleichsweise stabile Aufwärtstrends beobachten, ist die Entwicklung hin zur Demokratie von deutlichen Brüchen und erheblichen Länderunterschieden gekennzeichnet. Das groß angelegte Projekt "Polity IV" hat einen Demokratieindex geschätzt, der eine große Anzahl von Komponenten in die Betrachtung einschließt und so die Staatsform in dem jeweiligen Land bewertet. Neben den klassischen Komponenten wie dem allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrecht wird in diesem Index auch berücksichtigt, ob beispielsweise jede Bevölkerungsgruppe sich in allen Parteien engagieren darf und wie die Spitzengruppen dieser Parteien gebildet werden. Der Umfang dieses Index ist gleichzeitig die Quelle von Kritik gewesen: Wenn viele Komponenten berücksichtigt werden, kann der Leser nicht so leicht erschließen, wofür ein Wechsel von einer Zahl (zum Beispiel von 5 auf 6) genau steht. Dennoch ist der Polity-IV-Index einer der wenigen Versuche, die Entwicklung der demokratischen Qualität für eine große Zahl von Ländern über die Zeit nachzuvollziehen.

Tabelle 9: Demokratie Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Zu Beginn unserer Betrachtungsperiode, in den 1840er Jahren, wurde das volle Spektrum von – 10 (nahezu völlige Autokratie) bis + 10 (weitgehende Demokratie) ausgeschöpft. Nach den Kriterien der Polity-IV-Autoren wiesen Japan und Deutschland kaum demokratische Merkmale auf, während die USA recht hohe Werte zeigten (und nach der Abschaffung der Sklaverei in den 1860er Jahren sogar schon den besten Wert). Im Mittelfeld waren Frankreich und Großbritannien. Für Italien stehen Werte ab den 1870er Jahren bereit, die das Land zunächst auch noch deutlich im autokratischen Lager sehen, wobei aber in den 1900er und 1910er Jahren günstigere Werte erreicht werden konnten. Ab den 1880er Jahren erreichten Frankreich und Großbritannien sehr günstige Werte, und auch für Japan, Deutschland und Italien ist eine allmähliche Verbesserung nach diesen Kriterien festzustellen (natürlich unterbrochen von der NS-Diktatur und anderen undemokratischen Regierungen der 20er und 30er Jahre). (siehe Tab 9)
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Jörg Baten, Herman J. de Jong

Jörg Baten

Prof. Dr., Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Eberhard Karls Universität Tübingen - Internationale Vergleiche


Herman J. de Jong

Prof. Dr., Faculty of Economics and Business, University of Groningen - Internationale Vergleiche


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