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28.1.2016

Verwendung des BIP

Es gibt 3 Arten die Höhe des BIPs zu ermitteln. Die Verwendungsseite bspw. berücksichtigt die gesamtwirtschaftliche Nachfrage. Damit gemeint sind u.a. private und staatliche Konsumausgaben.

Tabelle 5: Nachfragekomponenten des Bruttoinlandsprodukts Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Bislang hat sich die Darstellung ausführlich mit der gesamtwirtschaftlichen Produktion und ihrer sektoralen Entstehung, also dem Angebot an Gütern und Dienstleistungen befasst. Im Folgenden liegt der Fokus darauf, wie und von wem das, was produziert wird, verwendet wird. Die produzierten Güter und Dienstleistungen können konsumiert, investiert oder exportiert werden. Während der Konsum volkswirtschaftlich eine letzte Verwendung von Waren und Dienstleistungen und damit ihre Vernichtung bedeutet, zielen Investitionen auf die Erneuerung und den Ausbau der Produktionsanlagen. Soweit sie die Abschreibungen übersteigen, führen sie zu einer Erhöhung des Kapitalbestandes, der das Produktionspotenzial einer Volkswirtschaft bestimmt und Ausdruck des technischen Fortschritts ist. Obwohl in diesem Zusammenhang vor allem die Nettoinvestitionen von Interesse sind, wurden ab 1950 die Werte für die Bruttoinvestitionen verwendet. Die folgende Darstellung beschränkt sich auf den Konsum, die Investitionen sowie auf die Ex- und Importe, die in laufenden Preisen erfasst und in Tabelle 5 als prozentuale Anteile am BIP dargestellt sind.[1] (siehe Tab 5, Abb 5, Abb 6)

Abbildung 5: Nachfragekomponenten des BIP in jeweiligen Preisen Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Abbildung 5 und 6 zeigen die einzelnen Nachfragekomponenten und ihren Anteil am BIP. Den größten Anteil an dieser Nachfrage hatte und hat der private Konsum, obwohl die private Konsumquote von etwa 85 Prozent im Jahr 1850 auf knapp 60 Prozent im Jahr 2012 zurückgegangen ist. Die privaten Konsumausgaben betragen im Jahr 2012 1 521,6 Milliarden Euro. Die nach dem privaten Konsum größte Komponente ist seit einigen Jahren der Export. Im Jahr 2012 beträgt der Wert der exportierten Waren und Dienstleistungen 1 362,6 Milliarden Euro, der der Importe bei 1 210,9 Milliarden Euro. Schaut man zurück in die Geschichte, dann sieht man, dass Im- und Export seit etwa 1880 in ihrer Größenordnung ungefähr den Investitionen [2] entsprechen, seit der Wiedervereinigung jedoch sehr viel stärker zugenommen haben als alle anderen Nachfragekomponenten. Im 20. Jahrhundert integriert sich Deutschland immer mehr in den globalen Welthandel, Im- und Export werden also für die deutsche Wirtschaft immer wichtiger. Auch der Konsum des Staates ist eine Nachfragekomponente, die im Betrachtungszeitraum stark zugenommen hat. Betrachtet man die private und staatliche Konsumquote in Abbildung 6, dann drängt sich der Eindruck auf, dass das, was der private Konsum verloren hat, durch den staatlichen Konsum kompensiert wurde. Offensichtlich werden die Konsumbedürfnisse der Menschen immer mehr über öffentliche Güter befriedigt. Eine absolut außergewöhnliche Situation zeigt sich in den 1920er / 1930er Jahren, in denen die privaten zugunsten der staatlichen Konsumausgaben drastisch zurückgedrängt werden.

Abbildung 6: Die Nachfragekomponenten des BIP - in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Als letzte Nachfragekomponente bleiben die Investitionen. Sie sind, wie bereits oben erwähnt, entscheidend für das Produktionspotenzial einer Volkswirtschaft und damit für die Produktivität und die internationale Wettbewerbsfähigkeit. In der langfristigen Entwicklung der Investitionen lassen sich mehrere Epochen erkennen. Bis 1913 zeigt sich ein deutlicher Anstieg, der sich ab 1879 verstetigt. Nach 1929 brechen die Investitionen dramatisch ein, sie sind 1931 und 1932 sogar negativ, weshalb in der Abbildung für diese Jahre eine Lücke ist. Nach 1950 verzeichnen sie einen neuerlichen Anstieg, der aber spätestens 1980 deutlich weniger steil verläuft. Im Jahr 2012 haben die Investitionen in etwa die Größenordnung des staatlichen Konsums. So kann man in den vergangenen Jahrzehnten für Deutschland nicht nur eine Wachstumsschwäche, sondern auch eine Investitionsschwäche konstatieren, und dies, obwohl die Zinsen, also die Kosten der Investitionen, gegenwärtig so niedrig sind, wie noch nie in den vergangenen 200 Jahren (Vgl. den Beitrag zu Geld und Kredit von Richard Tilly in diesem Band).
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Fußnoten

1.
Auf eine Aufschlüsselung der Aggregate, beispielsweise beim privaten Konsum, auf die oben genannten Warengruppen wird hier verzichtet. Diese Aspekte werden im Kapitel "Arbeit, Einkommen und Lebensstandard" ausführlicher dargestellt.
2.
Da es dafür keine theoretische Erklärung gibt, ist das eine zufällige Koinzidenz.

Rainer Metz

Rainer Metz

Prof. Dr., Leiter des Arbeitsbereichs Datenservice Historische Studien bei GESIS – Leibniz Institut für Sozialwissenschaften in Köln und Titularprofessor an der Universität St. Gallen - Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen / Preise


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