zurück 
28.1.2016

Datengrundlage

Eine erste Zahlungsbilanz wurde erstmals 1924 vom Statistischen Reichsamt publiziert. Heutzutage erstellt die Deutsche Bundesbank diese Statistiken. Grundlage bilden dabei vor allem die VGR.

Die Zahlungsbilanz ist eine Tertiärstatistik, die auf der Zusammenstellung zahlreicher anderer Statistiken basiert. Allem voran sind hier die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR, siehe Kapitel 13) und die Außenhandelsstatistik (siehe Kapitel 20) zu nennen. Eine vollständige Zahlungsbilanz für das Deutsche Reich wurde erstmals 1924 vom Statistischen Reichsamt vorgelegt, mit dem Jahr 1935 wurde deren Erscheinen aber auch bereits wieder eingestellt. In der Bundes­republik übernahm 1949 die deutsche Notenbank diese Aufgabe (zunächst die Bank deutscher Länder, ab 1957 Deutsche Bundesbank). Die Deutsche Bundesbank erstellte 1999 eine vergleichbare Zahlungs­bilanz für das Gebiet der DDR für die Zeit 1975 bis 1989, ab Juli 1990 liegt schließlich ­eine gesamtdeutsche Zahlungsbilanz vor. Zusammenfassende Übersichten der Zahlungsbilanz der Bundesrepublik und des vereinten Deutschland finden sich in den Gutachten und statistischen Übersichten des Sach­ver­ständigenrats. Für die Periode 1950 bis 1993 wurden hier die Zusammen­stellungen nach dem Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung verwendet.[1] Für die Periode 1994 bis 2011 wurde die Zusammenstellung im Internet verwendet.[2] Für die deutsche Zahlungsbilanz vor 1949 / 50 sind dagegen die amt­lichen Angaben unvollständig, sie wurde von Wirtschaftshistorikern geschätzt. Die Zahlungsbilanz für das Deutsche Reich für den Zeitraum ­1883 bis 1913 wurde aus Angaben der Handelsbilanz, Daten zum Handel mit Edelmetallen und aus einigen wenigen Angaben über den Kapital­verkehr mit dem Ausland geschätzt. Grundlegend sind dazu die Arbeiten von Walther G. Hoffmann [3] und Cornelius Torp.[4] Insbesondere die dort vorgelegten Schätzungen zur Dienstleistungsbilanz unterliegen großer ­Unsicherheit, weil sie als Saldo aus der Handelsbilanz und wiederum geschätzten Daten der Kapital- und Devisenbilanz ermittelt wurden.

Die Zahlungsbilanz für die Zeit zwischen den Weltkriegen wurde von der amtlichen Statistik nur bis 1935 veröffentlicht. Die Daten für die Zeit nach 1935 hat Albrecht Ritschl auf Grundlage der Bestände des Bundesarchivs detailliert nachgezeichnet.[5]

Zum Weiterlesen empfohlen

Werner Abelshauser: Deutsche Wirtschaftsgeschichte seit 1945. Bundeszentrale für Politische Bildung, Schriftenreihe Bd. 460, Bonn 2004.

Peter Bernholz: Die Bundesbank und die Währungsintegration in Europa, in: Deutsche Bundesbank, Fünfzig Jahre Deutsche Mark, München 1998, S. 773 – 833.

Christoph Buchheim: Die deutsch-französischen Wirtschaftsbeziehungen im Spiegel der Zahlungsbilanz, 1945 –1970, in: Francia, Beihefte, Bd. 42, 1997, S. 85 –100.

Deutsche Bundesbank: Monatsberichte, Januar 1991. Die längerfristige Entwicklung der deutschen Zahlungsbilanz nach Regionen, Frankfurt am Main 1991.

Deutsche Bundesbank: Die Zahlungsbilanz der ehemaligen DDR 1975 bis 1989, Frankfurt am Main, 1999.

Herbert Giersch / Karl-Heinz Paque / Holger Schmieding: The Fading Miracle. Four decades of market economy in Germany, Cambridge 1992.

Volker Hentschel: Die Europäische Zahlungsunion und die deutschen Devisenkrisen 1950 / 51, in: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, 37 (1989), 4, S. 715 –758.

Cornelius Torp: Die Herausforderung der Globalisierung: Wirtschaft und Politik in Deutschland 1860 –1914, Göttingen 2005.

Albrecht Ritschl: Deutschlands Krise und Konjunktur 1924 –1934. Binnenkonjunktur, Auslandsverschuldung und Reparationsproblem zwischen Dawes-Plan und Transfersperre, Berlin 2002.

Direkt- und Portfolio­investitionen
Beides sind Formen von Auslands­investitionen. Direktinvestitionen sind Vermögensanlagen, bei denen Einfluss und Kontrolle auf die Geschäftstätigkeit genommen wird. In der Regel fließen dabei nicht nur Kapital, sondern auch Wissen und Technologie. Portfolioinvestitionen sind Vermögensanlagen mit dem vorrangigen Zweck, Gewinne zu erwirtschaften ohne direkten Einfluss auf Unternehmen auszuüben. Beispiele sind der Erwerb ausländischer Wertpapiere wie Aktien, festverzinsliche Wert­papiere sowie Investmentzertifikate.

Deutsch-Russischer Handelskrieg
Scharfer zollpolitischer Konflikt zwischen dem Deutschen Reich und Russland um 1900. Russische Agrar­exporte führten zur Forderung nach Schutzzöllen in der deutschen Landwirtschaft, worauf Russland mit hohen Zöllen auf deutsche Importe reagierte. Erst der deutsch-russische Handelsvertrag von 1904 konnte den Konflikt entschärfen.

GATT
Steht für das General Agreement of Tariffs and Trade, den Vorläufer der heutigen World Trade Organization.

Währungssystem von Bretton Woods
Internationales Währungssystem mit fixen Wechselkursen und einem Währungsfonds, das 1944 im US-Skiressort von Bretton Woods vereinbart wurde.

Terms of Trade
Tauschbedingungen im internationalen Handel, gegeben durch die re­lativen Preise der handelbaren Güter. Eine Verschlechterung der Terms of Trade bedeutet, dass das Inland ­weniger Importgüter pro Einheit der Exportgüter erwerben kann als zuvor. Unter sonst gleichen Bedingungen führt dies zu einer negativen (passiven) Handelsbilanz und Leistungs­bilanz.
Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 3.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht.
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.

Fußnoten

1.
Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (Hrsg.): Jahresgutachten 1994/95. Den Aufschwung sichern – Arbeitsplätze schaffen, Stuttgart 1994.
2.
www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de/zr_deutschland.html (16.10.2014).
3.
Walther G. Hoffmann: Das Wachstum der deutschen Wirtschaft seit Mitte des 19. Jahrhunderts, Berlin u.a. 1965, S.816–824.
4.
Torp (Anm. 1), S. 67– 73.
5.
Ritschl (Anm. 5), sowie ders.: Deutschlands Krise und Konjunktur 1924–1934. Binnenkonjunktur, Auslandsverschuldung und Reparationsproblem zwischen Dawes-Plan und Transfersperre, Berlin 2002.

Nikolaus Wolf

Nikolaus Wolf

Prof. Dr., Institut für Wirtschaftsgeschichte, Humboldt Universität zu Berlin - Binnenhandel und Außenhandel / Zahlungsbilanz


Nach oben © Bundeszentrale für politische Bildung Zur klassischen Website von bpb.de wechseln