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3.6.2019

Im Fokus: Finanzierung Kultureller Bildung

(© kallejipp/ photocase.de)


Die Bedeutung kultureller Bildung für gesellschaftliche Entwicklungsprozesse und die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen ist in Politik und Gesellschaft inzwischen weithin anerkannt. Sowohl eigenes künstlerisches Gestalten als auch das Lernen in und über Kultur gehören zur kulturellen Bildung. Sie reicht von Zeichenkursen über Theaterworkshops, Musikunterricht und Tanzprojekte bis hin zu Seminaren über Musikgeschichte oder Kunstvermittlung in Ausstellungen. Durch das gemeinsame künstlerische Tun von Menschen verschiedener Herkunft, mit verschiedenen Fähigkeiten und unterschiedlichen Alters bietet sie große Chancen für gelingendes Zusammenleben und Inklusion. Kulturelle Bildung ermöglicht Orientierung und die eigene Verortung und macht Selbstwirksamkeit erfahrbar. Außerschulische Lernorte wie Kunst- und Musikschulen, Kulturzentren, Vereine, Museen, Theater, Kinos und Konzerthäuser erreichen mit ihren Angeboten viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene und ermuntern sie zur kreativen Tätigkeit und zur Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur. Dabei verbinden sich Ansätze und Inhalte von kultureller und politischer Bildung.

"Wir arbeiten häufig an der Schnittstelle von Kultur und Politik, von ästhetischer Bildung und politischer Bildung. Wir spüren, dass das unheimlich viel miteinander zu tun hat. Es gibt wichtige Fragen, die sich aufdrängen, auch bei jungen Leuten, und denen versuchen wir eine Form, ein Gesicht zu geben. Dieses ist immer mit einer konkreten gestalterischen oder künstlerischen Produktion verbunden", sagt Barbara Meyer, Geschäftsführerin des Berliner Kunst- und Kulturhauses Schlesische27 (ausführliches Interview hier). Sie erzählt, dass solche Fragen zum Beispiel bei Gesprächen am Mittagstisch entstehen können, wie etwa beim Projekt 'Weltstadt'[1]. Kursteilnehmer hätten häufig von ihren Häusern in der Heimat erzählt, die zerstört wurden oder die sie verlassen mussten, oder von Unterkünften während ihrer Flucht. Die erste Frage danach, wie diese Häuser ausgesehen hätten, sei dann praktisch beantwortet worden, indem in den Werkstätten maßstabsgerechte Modellhäuser angefertigt wurden, und es wurden mehr und mehr. So entstand die Idee, eine ganze Installation aus erinnerten Häusern zu entwickeln. Die Frage erweiterte sich: "Wie kann aus einem Häusermeer eine Weltstadt entstehen, in der alle gerne leben?". So gelangten die Teilnehmenden von persönlichen Erinnerungen hin zu politischen Diskussionen über gesellschaftliches Zusammenleben, die Voraussetzungen und Grenzen und ihre Träume für die Zukunft.

Projekt "Weltstadt". (© Schlesische 27 )


Kooperationen von Trägern der politischen Bildung oder sozialer Einrichtungen mit Künstlerinnen und Künstlern oder mit Anbietern kultureller Bildung können spannende inhaltliche Impulse für beide Seiten geben - und unter Umständen auch weitere Finanzierungsquellen erschließen.

Finanzierung – Öffentliche Verantwortung, Schwerpunkt: Länder

Die Finanzierungsmöglichkeiten für kulturelle Bildungsangebote sind vielfältig. Der deutsche Staat hat eine öffentliche Verantwortung sowohl für die Bildungs- als auch für Jugend- und Kulturfinanzierung – mit allen drei Bereichen ist die kulturelle Bildung eng verknüpft. Es gibt dabei verpflichtende und freiwillige Aufgaben, die Verantwortung ist auf kommunale, Landes- oder Bundesebene verteilt. Hinzu kommen Fördermittel auf EU-Ebene.

Erste Ansprechpartner für lokal oder regional angelegte Vorhaben kultureller Bildung sind die Kommunen. Denn hier finden die konkreten Angebote statt, hier können die Bedürfnisse am besten eingeschätzt werden und hier sind die Entscheidungswege kurz. In den vergangenen Jahren haben viele Kommunen und Regionen kommunale oder regionale Gesamtkonzepte für kulturelle Bildung mit neu gestalteten Förderstrukturen entwickelt. Vielfach werden diese Prozesse durch kommunale Koordinierungsstellen und Netzwerke aus zuständigen Ressorts und Akteurinnen und Akteuren begleitet.

Die Bundesländer spielen mit verschiedenen Fonds und Förderprogrammen eine wichtige Rolle bei der Finanzierung kultureller Bildung, dazu gehören zum Beispiel das Kulturkoffer-Programm in Hessen, das Landesprogramm Kultur und Schule in NRW, das Landesförderprogramm kulturelle Bildung und Partizipation in Brandenburg oder der Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung.

Die finanzielle Kulturförderung der Länder ist vom Gesamtumfang weitaus höher als die des Bundes [2]. Dabei fällt auf, dass durch die föderalen Strukturen eine Vielzahl von Förderstrategien existiert, die sich von Land zu Land sehr unterscheiden. Der Bund tritt aufgrund des föderalistischen Prinzips erst nachrangig und nur für bestimmte Projekte als Fördermittelgeber auf. In der Regel, wenn die Projekte von bundesweiter Bedeutung oder in hohem Maße innovativ sind (Modellprojekte). Hier spielen die Bundeskulturstiftung oder verschiedene Sparten-Fonds aus Mitteln des Staatsministeriums für Kultur und Medien (BKM) eine wichtige Rolle, außerdem das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) mit dem Kinder- und Jugendplan sowie das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit dem Programm "Kultur macht stark".

Kunst und Förderanträge – ein Widerspruch?

Künstlerische Arbeit ist oft sehr spontan, offen und kreativ, der Prozess steht im Fokus – das passt nicht immer mit antragsbasierter Fördermittelvergabe von Ministerien oder Stiftungen zusammen, wo Arbeitsschritte und Ziele meist sehr konkret formuliert werden müssen. Für sehr frei arbeitende Organisationen kann das von Nachteil sein. Barbara Meyer rät davon ab, sich im Sinne der Fördergeber zu stark einzuschränken und plädiert für Neugier und Offenheit: "Oft sind die Ausschreibungen zu eng geführt und man muss als Antragsteller anfangen, sich zu verbiegen. Wir versuchen das zu vermeiden und haben recht gute Erfahrungen damit gemacht. Projekte sind aus meiner Sicht gerade dann interessant, wenn sie gar nicht so klare Ziele anstreben", sagt Barbara Meyer. Sie betont, wie wichtig es sei, etwas tatsächlich Neues auszuprobieren – und eben nicht nur Vorgaben zu erfüllen. "Ich empfehle, bei der Antragstellung mutig auf Floskeln zu verzichten und eher in Bildern zu beschreiben, was da passieren kann, auch Überraschendes. Wenn in einem Antrag nur das drinsteht, was Jurymitglieder schon hundertmal gelesen haben, ist es für niemanden interessant." Sie spricht hier aus langjähriger Erfahrung – in ihrer früheren Funktion als Leiterin des Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung hat sie hunderte von Anträgen gelesen.

Eigene Einnahmen und Stiftungsgelder

Neben öffentlichen Geldern sind Teilnahmebeiträge oder Eintrittsgelder ein wichtiger Faktor der Finanzierung. Viele Kultureinrichtungen verfügen zudem über wirtschaftliche Geschäftsbetriebe wie Cafés, vermieten Räume oder erwirtschaften durch Veranstaltungen Gewinne, die dann zum Teil in Bildungsangebote fließen. Auch Stiftungsgelder und private Förderinnen und Förderer spielen eine wichtige Rolle im Finanzierungsmix. Viele der über 10.000 Stiftungen in Deutschland fördern Kultur und Bildung, einige haben explizit einen Förderschwerpunkt kulturelle Bildung, andere stehen dem Bereich zumindest aufgeschlossen gegenüber. [3]

Weitere Informationen: Eine ausführliche inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema kulturelle Bildung in seinen vielen Facetten sowie zahlreiche Praxisbeispiele bietet das Online-Dossier Kulturelle Bildung der bpb: www.bpb.de/kulturellebildung.

Fußnoten

1.
www.schlesische27.de/s27/portfolio/weltstadt-in-goerlitz/
2.
Im Jahr 2015 bestritten die Kommunen mit 4,7 Milliarden Euro (45 %) den größten Teil der öffentlichen Kulturausgaben, die Länder finanzierten den Kulturbereich mit 4,2 Milliarden Euro (40 %) und der Bund mit 1,5 Milliarden Euro (15 %). Je Einwohner/-in wendeten Bund, Länder und Gemeinden 2015 insgesamt 127 Euro für Kultur auf. www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2018/12/PD18_504_216.html
3.
Themenwebsite Kunst und Kultur des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen: www.stiftungen.org/themen/kunst-und-kultur/
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