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1.2.2019

Hamburg: Akteure und Organisation der Präventionsarbeit

Seit 2014 richtet Hamburg seine Präventionsarbeit an einer landeseigenen Strategie aus. Das Konzept wurde im Auftrag der Bürgerschaft vom Senat gemeinsam mit den islamischen Religionsgemeinschaften und der alevitischen Gemeinde erarbeitet. Das Konzept hat sich zwei originäre Ziele gesetzt: Zum einen soll Muslim- und Islamfeindlichkeit und zum anderen religiös motivierter Extremismus und Salafismus bekämpft werden. An der Präventionsarbeit in Hamburg sind vier Landesbehörden beteiligt. Neben den behördlichen Partnern sind zahlreiche zivilgesellschaftliche Akteure feste Partner und Akteure in der Hamburger Präventionsarbeit.

1. Gibt es eine landeseigene Präventionsstrategie Hamburgs?

Seit 2014 richtet Hamburg seine Präventionsarbeit an einer landeseigenen Strategie aus, dem Senatskonzept "Effektive Maßnahmen gegen gewaltbereiten Salafismus und religiösen Extremismus ergreifen". Das Konzept wurde im Auftrag der Bürgerschaft vom Senat gemeinsam mit den islamischen Religionsgemeinschaften und der alevitischen Gemeinde erarbeitet – in Analogie zum Landesprogramm gegen Rechtsextremismus. [1] Das Konzept umfasst nach eigenen Angaben sowohl den Bereich der Prävention als auch der Deradikalisierung. Das Konzept hat sich zwei originäre Ziele gesetzt: Zum einen soll Muslim- und Islamfeindlichkeit und zum anderen religiös motivierter Extremismus und Salafismus bekämpft werden. Beide Phänomene versteht das Konzept als komplementär und sich gegenseitig verstärkend. [2]

Um diese Ziele zu erreichen nennt der Senat verschiedene Handlungsfelder [3]:

1. Präventionsarbeit: Vorurteilen und Anfeindungen im öffentlichen Raum soll begegnet und vorgebeugt werden, Kinder und Jugendliche sollen sensibilisiert und gestärkt werden. Dafür fördern die Hamburger Behörden verschiedene Projekte aus der Zivilgesellschaft und leisten Aufklärungs- und Beratungsarbeit. Präventionsarbeit soll vor allem milieu- und stadtteilspezifisch stattfinden. Die konkrete Arbeit findet überall in Hamburg statt.

2. Betroffenenberatung: Ein mobiles Beratungsteam unterstützt sich radikalisierende Personen und ihr soziales Umfeld. Darüber hinaus berät es Institutionen zum Umgang mit religiös begründetem Extremismus beziehungsweise Salafismus. Seit 2015 wird dies von "Legato – Fach- und Beratungsstelle für religiös begründete Radikalisierung” geleistet. Die behördliche Steuerung der Beratungsstelle obliegt dabei der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) (siehe Abschnitt 2)

3. Vernetzung: Im Rahmen des Senatskonzeptes wurde 2014 das "Beratungsnetzwerk Prävention und Deradikalisierung" geschaffen (siehe Abschnitt 2). Ziel des Netzwerks ist die Verbesserung der Zusammenarbeit von Behörden und Zivilgesellschaft und der gemeinsame Aufbau und Transfer von Fachwissen. Das Netzwerk hat sich auf konkrete Arbeitsbereiche sowohl in der Präventions- als auch in der Interventionsarbeit verständigt, darunter die qualifizierte Beratung von radikalisierten jungen Menschen sowie deren Angehörigen, die Vorbeugung von Ausreisen radikalisierter Personen in Kriegsgebiete oder die Formulierung von Bedarfen für die Präventionsarbeit. Seine Mitglieder – Behörden, islamische Religionsgemeinschaften, die Alevitische Gemeinde, die Nordkirche und private Präventionsprojekte – arbeiten gleichberechtigt zusammen. [4] Die Leitung liegt bei der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI).

In der Praxis orientiert sich das Konzept zudem an fünf Leitlinien:
  1. Prävention als gesamtgesellschaftliche Aufgabe
  2. Beschäftigung mit den Gründen für eine Radikalisierung, anstatt einer reinen Behandlung der Folgen
  3. Handlungsfähigkeit aller beteiligten Akteure
  4. Staatliche Förderung nichtstaatlicher Präventionsprojekte, die neue Ansätze ausprobieren
  5. Zusammenarbeit aller Partner, Erkenntnisaustausch, gemeinschaftliche Weiterentwicklung der konkreten Arbeit
2016 wurde das Konzept evaluiert, weiterentwickelt und fortgeschrieben (siehe Abschnitt 2). [5]

2. Wie ist die Präventionsarbeit in Hamburg organisiert?

An der Präventionsarbeit in Hamburg sind vier Landesbehörden beteiligt. Neben der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI), der die Federführung obliegt, sind das die Behörden für Schule und Berufsbildung (BSB), für Inneres und Sport (BIS) und die Justizbehörde (JB). Auf der lokalen Ebene sind zudem die Bezirksämter der sieben Hamburger Bezirke beteiligt.

Neben den behördlichen Partnern sind zahlreiche zivilgesellschaftliche Akteure feste Partner und Akteure in der Hamburger Präventionsarbeit. Entwickelt wurde das Präventionsprogramm aufgrund eines Ersuchens der Bürgerschaft gegenüber dem Senat. Bereits in dieser Phase war die langfristige Einbindung zivilgesellschaftlicher Partner ein Bestandteil des Konzepts. [6]

Die Maßnahmen des Senatskonzept "Effektive Maßnahmen gegen gewaltbereiten Salafismus und religiösen Extremismus ergreifen" ergänzen die Arbeit der Sicherheitsbehörden. Diese gehen gegen konkrete Gefahren vor, die von gewaltbereiten Salafisten oder anderen religiösen Extremisten ausgehen.

2.1 Zentrale Koordination: Steuerungskreis

Die zentrale Koordination der Präventionsarbeit in Hamburg liegt beim "Steuerungskreis". Ihm obliegt die Umsetzung des Senatskonzepts und er steuert die behördenübergreifenden Aspekte des Konzepts; die Verantwortlichkeit der Behörden und Ämter bleibt dabei unberührt. Die Mitglieder des Steuerungskreises sind die Amtsleitungen der vier oben genannten Landesbehörden sowie der sieben Bezirksämter.

Viermal jährlich trifft sich der Steuerungskreis auf Fachbehördenebene. Einmal pro Jahr nehmen auch die Staatsrätinnen und Staatsräte (vergleichbar mit den Staatssekretär/-innen in anderen Bundesländern) der beteiligten Behörden an diesem Austausch teil. Weiterhin findet einmal jährlich ein Treffen statt, an dem die Staatsrätinnen und Staatsräte sowie die Spitzen der alevitischen und muslimischen Religionsgemeinschaften teilnehmen, um gemeinsam ein Zwischenfazit zu ziehen. [7] Anlassbezogene Treffen sind darüber hinaus jederzeit möglich.

Die BASFI koordiniert den Steuerungskreis. Konkret wird diese Funktion ausgeübt von der "Zentralen Landeskoordinierungsstelle” im Referat "Stärkung der Zivilgesellschaft” in der BASFI. Das Referat erfüllt für Hamburg gleichzeitig auch die Funktion des Landes-Demokratiezentrums im Sinne des Bundesprogramms "Demokratie leben!”.

2.2 Beratungsnetzwerk Prävention und Deradikalisierung

Das "Beratungsnetzwerk Prävention und Deradikalisierung" wurde 2014 geschaffen, um die Zusammenarbeit aller staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteure zu institutionalisieren, die sich in Hamburg in den Themenfeldern Prävention und Deradikalisierung engagieren. Gesteuert wird das Beratungsnetzwerk durch die BASFI. Intention des Netzwerkes ist ein strukturierter Austausch der Partner untereinander über alle Aspekte von religiös begründeter Radikalisierung und Muslimfeindlichkeit sowie der Aufbau von Expertise.

Neben dem Steuerungskreis – also vor allem der BASFI, der BIS, der BSB, der JB sowie den sieben Bezirksämtern – sind folgende Religionsgemeinschaften und zivilgesellschaftlichen Träger/Projekte Mitglieder des Netzwerkes:

Religionsgemeinschaften:
  • Alevitische Gemeinde Deutschland e. V.
  • DITIB – Türkisch Islamische Union der Anstalt für Religion e. V.
  • Evangelisch-lutherische Kirche in Norddeutschland
  • SCHURA e. V. – Rat der Islamischen Gemeinschaften in Hamburg
  • Verband der Islamischen Kulturzentren e. V.
Zivilgesellschaftliche Träger von Präventionsangeboten:
  • Ambulante Maßnahmen Altona e. V. (Mitbetreiber der "Beratungsstelle Legato")
  • Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz Hamburg (ajs e. V.)
  • Basis und Woge e. V.
  • Bündnis Islamischer Gemeinden in Norddeutschland BIG e. V.
  • Fachrat Islamische Studien e. V. FIS
  • Institut für konstruktive Konfliktaustragung und Mediation e. V.
  • Islamisches Wissenschafts- und Bildungsinstitut e. V.
  • Lawaetz-Stiftung
  • Vereinigung Pestalozzi gem. GmbH (Mitbetreiber der "Beratungsstelle Legato")
Weitere Kooperationspartner, wie beispielsweise die Landeszentrale für politische Bildung, werden themenbezogen in die Arbeit des Netzwerkes einbezogen.

Inhaltlich ist das Netzwerk in zwei Arbeitsgruppen organisiert: Die "AG Prävention" und die "AG Intervention" tagen grundsätzlich getrennt. Die AG Prävention legt den Schwerpunkt ihrer Arbeit dabei unter anderem auf die Vorbereitung und Begleitung diverser Präventionsprojekte im Bereich der primären Prävention, sorgt für eine inhaltliche Abstimmung der einzelnen Projekte untereinander, entwickelt die Öffentlichkeitsarbeit weiter und arbeitet an der Sensibilisierung und Qualifizierung pädagogischer Fachkräfte in Hamburg.

Die AG Intervention hingegen begleitet die Arbeit der Beratungsstelle Legato. Bei der konkreten Fallarbeit kümmert sich die AG Intervention um eine stete Verbesserung der Kooperation der jeweils beteiligten Behörden. Dies geschieht beispielsweise durch die Festlegung von behördlichen Abläufen. Darüber hinaus bauen die Mitglieder Fachwissen zum Thema Radikalisierung auf und unterstützen die Betreuung von Strafgefangenen durch Legato.

Die beiden Arbeitsgruppen tauschen ihre Ergebnisse sechsmal im Jahr in gemeinsamen Sitzungen aus.

2.3 Beratungsstelle Legato

Wegen ihrer Bedeutung für die Präventions- und Deradikalisierungsarbeit in Hamburg hat die "Beratungsstelle Legato” innerhalb der zivilgesellschaftlichen Netzwerkpartner eine besondere Position. Sie wird seit 2015 im Auftrag der BASFI gemeinsam von der Vereinigung Pestalozzi gem. GmbH mit dem Verein Ambulante Maßnahmen Altona AMA e. V. geführt. Legato ist eine Fachstelle für religiös begründete Radikalisierung und bietet systemische Ausstiegsberatung an.

Konkret teilt sich die Arbeit der Beratungsstelle in vier Bereiche auf:
  1. Legato berät Angehörige von radikalisierten oder sich radikalisierenden Personen.
  2. Legato bietet Ausstiegsberatung und -begleitung für Betroffene, unter anderem im Rahmen theologischer Gesprächsrunden, die gemeinsam mit der SCHURA durchgeführt werden.
  3. Legato organisiert Selbsthilfegruppen für Eltern und Betroffene.
  4. Legato bietet Fachberatung und Fortbildungen für Fachkräfte und Multiplikatoren an.
Legato ist bundesweit vernetzt und Teil des "Nordverbunds” – einem Netzwerk von Beratungsstellen in den norddeutschen Bundesländern, die in der Islamismusprävention tätig sind (Legato für Hamburg, PROvention für Schleswig-Holstein, beRATen für Niedersachsen und VAJA/Jamil für Bremen).

Die Beratungsstelle Legato wurde im Jahr 2017/18 durch das Institut für Kriminologische Sozialforschung der Universität Hamburg evaluiert. Der Evaluationsbericht kann heruntergeladen werden.

2.4 Sicherheitsbehörden: Aufgaben und Koordination

Das Hamburger Landeskriminalamt (LKA) und das Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) sind als Ämter im Geschäftsbereich der Behörde für Inneres (BIS) Teil des ressortübergreifenden Steuerungskreises und Mitglieder des Beratungsnetzwerks.

Zu den Aufgaben des Landeskriminalamts gehört in erster Linie die Gefahrenabwehr und die Strafverfolgung. Über das Referat "Prävention gewaltzentrierter Ideologien" bringt das LKA zudem Fachkompetenz in das Netzwerk ein und fungiert als direkter polizeilicher Ansprechpartner für alle Beteiligten. [8]

Das Landesamt für Verfassungsschutz unterstützt die Netzwerkarbeit, indem es neue Erkenntnisse über die Strukturen radikalisierter Gruppierungen in Hamburg einbringt und die Netzwerkpartner bei der Bewertung aktueller Entwicklungen unterstützt. [9]

2.5 Schulen: Aufgaben und Koordination

Die zentrale Anlaufstelle für Schulen in Hamburg ist das ”Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung” (LI) der Hamburger Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB). Das LI hat unter anderem ein umfassendes Fortbildungsangebot für Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler zu Islam, Demokratie, Islamfeindlichkeit und Islamismus entwickelt. Im Bereich der primären Prävention bietet das LI Fortbildungen an, die darauf zielen, Schulleitungen, Pädagoginnen und Pädagogen sowie Lehrkräfte im Umgang mit Fällen möglicher Radikalisierung zu stärken und schulinterne Melderoutinen zu entwickeln. [10] Interventionen werden von der "Beratungsstelle Gewaltprävention" für die allgemeinbildenden Schulen und vom "Beratungszentrum berufliche Schulen" für die beruflichen Schulen durchgeführt. Dabei werden je nach Fall unterschiedliche Ansprechpartnerinnen und -partner eingebunden; bei sicherheitsrelevanten Fällen auch die Sicherheitsbehörden.

Das BSB kooperiert intensiv mit der Beratungsstelle Legato.

2.6 Evaluation und Weiterentwicklung

Die Präventionsarbeit wird alle zwei Jahre kritisch geprüft. Im Jahr 2016 hat der Senat erstmals Bilanz gezogen und die Fortführung des Senatskonzepts beschlossen. [11]

Durch den zuvor beschriebenen strukturierten Austausch der zentralen Akteure werden die im Konzept verfolgten Ansätze regelmäßig angepasst und aktualisiert. In den beschriebenen Gremien werden Praxiserfahrungen, Forschung und neue Erkenntnisse aller Beteiligten berücksichtigt.

Die Beratungsstelle Legato wurde zudem im Jahr 2017/18 durch das Institut für Kriminologische Sozialforschung der Universität Hamburg evaluiert. Der Evaluationsbericht kann heruntergeladen werden.

3. Welche Rolle spielen die Akteure der Bundesebene in Hamburg?

Die Abstimmung zwischen Bundesregierung und Bundesländern zur Präventionsarbeit findet unter anderem bei Fachministerkonferenzen statt. Außerdem stimmen sich die Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern bereits seit 2009 in der Arbeitsgruppe "Deradikalisierung” des gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrum (GTAZ) über islamistischen Extremismus ab. Des Weiteren existieren verschiedene Bund-Länder-Arbeitsgruppen im Rahmen der Ständigen Konferenz der Innenministerinnen und Innenminister sowie Innensenatorinnen und Innensenatoren der Länder (IMK). [12]

3.1 Kooperationsnetzwerk der Beratungsstelle "Radikalisierung" des BAMF

Auch das Kooperationsnetzwerk der Beratungsstelle "Radikalisierung" des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) dient als Plattform für den Austausch zwischen Bund und Ländern. In Hamburg übernimmt das Referat "Stärkung der Zivilgesellschaft", angesiedelt bei der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) die Funktion der "Landeskoordinierungsstelle" im Rahmen des BAMF-Netzwerks.

Die "Beratungsstelle Legato” ist als zivilgesellschaftlicher "Partner vor Ort" mit der aktiven Fallarbeit befasst. [13] Sie wird seit 2015 im Auftrag der BASFI gemeinsam von der Vereinigung Pestalozzi gGmbH mit dem Verein Ambulante Maßnahmen Altona AMA e. V. geführt (siehe Abschnitt 2).

3.2 Bundesprogramm "Demokratie leben!"

Über das Bundesprogramm "Demokratie leben!” des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) kofinanziert der Bund einen bedeutenden Teil der Präventionsarbeit auf den Ebenen der Länder und Kommunen.

Im Rahmen von "Demokratie leben!" werden in Hamburg sieben lokale "Partnerschaften für Demokratie" gefördert. In diesen "Partnerschaften für Demokratie" kommen die Verantwortlichen aus der kommunalen Politik und Verwaltung sowie Aktive aus der Zivilgesellschaft zusammen. Anhand der lokalen Gegebenheiten und Problemlagen entwickeln sie gemeinsam eine auf die konkrete Situation vor Ort abgestimmte Strategie. Die geförderten Kommunen werden durch kostenfreie Beratungs- und Coachingangebote begleitet. [14]

In jedem Bundesland unterstützen "Landes-Demokratiezentren" die Weiterentwicklung von Konzepten und Strategien zur Förderung von Demokratie und Vielfalt und sorgen für eine Vernetzung der lokalen Aktivitäten – insbesondere der kommunalen "Partnerschaften für Demokratie". Darüber hinaus koordinieren sie die Arbeit der Beratungs- und Präventionsangebote und fungieren als Ansprechpartner für Hilfesuchende. In Hamburg ist das Landes-Demokratiezentrum ebenfalls beim Referat "Stärkung der Zivilgesellschaft", angesiedelt bei der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI), verortet. [15]

Des Weiteren werden im Rahmen von "Demokratie leben!" Modellprojekte zur Radikalisierungsprävention in den Bereichen "Islamistische Orientierungen und Handlungen" sowie "Prävention und Deradikalisierung in Strafvollzug und Bewährungshilfe" gefördert. In Hamburg sind das die folgenden Projekte: [16]
  • AL WASAT – Die Mitte (Islamisches Wissenschafts- und Bildungsinstitut e. V.); kofinanziert von der BASFI
  • Alternativen aufzeigen! Videos zu Islam, Islamfeindlichkeit und Islamismus für Internet und Unterricht (Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg)
  • Deradikalisierung im Sozialraum (Institut für konstruktive Konfliktaustragung und Mediation e. V.)
  • Kamil – Kulturübergreifend, antirassistisch und Mitten Im Leben (Bündnis der Islamischen Gemeinden in Norddeutschland e. V.)
  • Legato PräJus (Ambulante Maßnahmen Altona e. V.)
  • Think Social Now 2.0 – Verantwortung übernehmen im Internet (Bündnis der Islamischen Gemeinden in Norddeutschland e. V.); kofinanziert von der BASFI
  • SelbstSicherSein (Basis und Woge e. V.); kofinanziert von der BASFI
Weitere Informationen zu den "Strukturen der Präventionsarbeit auf Bundesebene" finden Sie im entsprechenden Beitrag im Infodienst Radikalisierungsprävention.

4. Wie arbeiten Landesebene und kommunale Ebene in Hamburg zusammen?

Hamburg als Stadtstaat kooperiert bei der Umsetzung und Weiterentwicklung des Senatskonzepts sowohl mit den Behörden des Stadtstaats als auch mit den Bezirksämtern der sieben Hamburger Bezirke.

Im Bezirk Harburg besteht zudem ein lokales Netzwerk, das "Dialog-Gremium". Dieses wird koordiniert durch das Projekt "Al Wasat – Die Mitte", welches durch das Bundesprogramm "Demokratie Leben!" gefördert wird. In dem Dialog-Gremium wird die Expertise von allen im Bezirk Harburg aktiven Akteuren zusammengetragen. Al Wasat wird von der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration kofinanziert.

5. Welche zivilgesellschaftlichen Akteure sind in Hamburg aktiv und wie arbeitet das Land Hamburg mit ihnen zusammen?

Zivilgesellschaftliche Präventionsprojekte sind ein fester Bestandteil der Gesamtstrategie Hamburgs und sollen die staatlichen Regelsysteme bewusst ergänzen. Daher gibt es einen regelmäßigen Austausch von zivilgesellschaftlichen und staatlichen Akteuren der Präventionsarbeit im Rahmen des Beratungsnetzwerks Prävention und Deradikalisierung (siehe dazu auch Abschnitt 2). Neben der frühzeitigen Einbindung der Zivilgesellschaft ist auch die Einbindung von Religionsgemeinschaften eine Besonderheit des Hamburger Senatskonzepts.

Hamburg entwickelt das Angebot zivilgesellschaftlicher Anlaufstellen und Projekte stetig weiter. So fördert Hamburg Projekte privater Initiativen. Antragsteller müssen dafür nicht zwingend Vereine sein, auch Privatpersonen können Förderung für ein Präventionsvorhaben beantragen. Darüber hinaus bietet die Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) Angebote für Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit an. Diese können kostenlose Workshops zu Themen wie Demokratie und Islamismus beantragen.

Wegen ihrer Bedeutung für die Präventions- und Deradikalisierungsarbeit in Hamburg hat die "Beratungsstelle Legato” innerhalb der zivilgesellschaftlichen Netzwerkpartner eine besondere Position (siehe Abschnitt 2).

6. Welche Besonderheiten gibt es in Hamburg hinsichtlich der Präventionsarbeit?

Die Präventionsarbeit in Hamburg weist einige Besonderheiten auf. Die aktuelle Präventionsstrategie des Landes – das "Senatskonzept” – geht zurück auf eine Initiative der Bürgerschaft, also des hamburgischen Landesparlaments. Die Bürgerschaft ersuchte im Mai 2014 den Senat, also die Landesregierung, ein Konzept gegen Salafismus und religiösen Extremismus zu entwickeln.

Hamburg verbindet seine Arbeit zur Prävention von Islamismus mit Anstrengungen zur Prävention von Islamfeindlichkeit. Diese Verbindung knüpft Hamburg konkret in seinem Senatskonzept, was im Vergleich mit anderen Ländern eine Ausnahme darstellt. In Niedersachsen verbinden beispielsweise einige an der Präventionsstrategie des Landes beteiligte Institutionen die Prävention von Islamismus mit der Prävention von Islamfeindlichkeit. Eine Verbindung der beiden Felder für die gesamte Präventionsstrategie liegt dort jedoch nicht vor.

Eine weitere Besonderheit ist die sehr starke Einbindung zahlreicher zivilgesellschaftlicher Akteure, auch schon bei der Erarbeitung des Konzepts. Insbesondere gilt das für die Einbindung der Religionsgemeinschaften in die Präventionsarbeit des Landes.

Schließlich besteht eine länderübergreifende Zusammenarbeit im Rahmen des "Nordverbunds" – einem Netzwerk von Beratungsstellen in den norddeutschen Bundesländern, die in der Islamismusprävention tätig sind (Legato für Hamburg, PROvention für Schleswig-Holstein, beRATen für Niedersachsen und VAJA/Jamil für Bremen). International ist Hamburg im Rahmen des Radicalisation Awareness Network (RAN) und des Strong Cities Network vernetzt.

7. Weiterführende Informationen

Wichtige Quellen und Websites Anlaufstellen und Präventionsprojekte in Hamburg


Die Grafik stellt die zentralen staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteure der Präventionsarbeit in Hamburg und ihre Beziehungen zueinander dar. Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (Infodienst Radikalisierungsprävention, www.bpb.de/radikalisierungsprävention)


Die Infografik als PDF-Icon PDF zum Herunterladen.

Präventionsarbeit ist ein dynamischer Bereich mit vielen aktuellen Entwicklungen. Die Redaktion freut sich daher über Ihre Hinweise auf Akteure, Aktivitäten oder Zusammenhänge, die in diesem Beitrag bislang nicht berücksichtigt worden sind.
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Fußnoten

1.
Mitteilung des Senats an die Bürgerschaft vom 28.10.14, Drucksache 20/13460.
2.
Mitteilung des Senats an die Bürgerschaft vom 28.06.16, Drucksache 21/5039.
3.
Mitteilung des Senats an die Bürgerschaft vom 28.10.14, Drucksache 20/13460.
4.
Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration: Beratungsnetzwerk Prävention und Deradikalisierung, Abruf am 4.1.2019.
5.
Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration: Beratungsnetzwerk Prävention und Deradikalisierung, Abruf am 4.1.2019; Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration: Senatskonzept – Hamburgs Strategie zur Vorbeugung und Bekämpfung von Radikalisierung, Abruf am 4.1.2019 sowie Senatsdrucksachen von 2014 und 2016.
6.
Mitteilung des Senats an die Bürgerschaft vom 28.10.14, Drucksache 20/13460.
7.
Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration: Religiös begründeter Extremismus: Ein Jahr Beratungsnetzwerk – Prävention und Deradikalisierung, Abruf am 4.1.2019.
8.
Mitteilung des Senats an die Bürgerschaft vom 28.10.14, Drucksache 20/13460.
9.
Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration: Senatskonzept – Hamburgs Strategie zur Vorbeugung und Bekämpfung von Radikalisierung, Abruf am 4.1.2019.
10.
Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung (LI): Workshops in Schulen zu Islam, Demokratie, Islamfeindlichkeit und Islamismus, Abruf am 4.1.2019.
11.
Mitteilung des Senats an die Bürgerschaft vom 28.06.16, Drucksache 21/5039 sowie Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration: Deradikalisierung – Senat baut erfolgreiche Arbeit gegen gewaltbereiten Salafismus weiter aus, Abruf am 4.1.2019.
12.
Die Bundesregierung: Strategie der Bundesregierung zur Extremismusprävention und Demokratieförderung, S. 17.
13.
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge: Evaluation der Beratungsstelle "Radikalisierung", Abschlussbericht, S. 23 ff.
14.
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Partnerschaften für Demokratie, Abruf am 7.1.2019.
15.
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Landes-Demokratiezentren, Abruf am 7.1.2019.
16.
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Modellprojekte zur Radikalisierungsprävention, Abruf am 7.1.2019.
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