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10.9.2019

Brandenburg: Akteure und Organisation der Präventionsarbeit

In Brandenburg gibt es keine landeseigene Präventionsstrategie. Für die Vernetzung und Koordinierung der zivilgesellschaftlichen (Präventions-)Arbeit spielt die Koordinierungsstelle "Tolerantes Brandenburg" eine zentrale Rolle.

1. Gibt es eine landeseigene Präventionsstrategie in Brandenburg?

In Brandenburg gibt es keine landeseigene Präventionsstrategie für den Bereich Islamismus/Salafismus. Das Handlungskonzept "Tolerantes Brandenburg – für eine starke und lebendige Demokratie"fokussiert sich seit 1998 auf Rechtsextremismus. Zuständig für das Handlungskonzept ist die Koordinierungsstelle"Tolerantes Brandenburg”.

Im Juni 2018 kündigte die Brandenburgische Landesregierung an, dass die Koordinierungsstelle mit Unterstützung des Bundesprogramms "Demokratie leben!" und des "Nationalen Präventionsprogramms gegen islamistischen Extremismus" der Bundesregierung ein neues Handlungskonzept erarbeiten soll. Dieses soll vorhandene staatliche und zivilgesellschaftliche Akteurinnen und Akteure zusammenführen und Ressourcen bündeln.[1] Das Konzept soll im Sommer 2019 vorgestellt werden (Stand: Juni 2019).

2. Wie ist die Präventionsarbeit in Brandenburg organisiert?

Eine von staatlicher Seite institutionalisierte Präventionsstrategie im Bereich Islamismus/Salafismus gibt es in Brandenburg derzeit nicht. Aus historischen Gründen liegt in Brandenburg der Fokus der politischen Bildungs- und Präventionsarbeit auf der extremen Rechten. So ging der Verfassungsschutz Brandenburg 2017 und 2018 davon aus, dass Brandenburg im Vergleich zu anderen Bundesländern ein eher geringes islamistisch-extremistisches Personenpotenzial aufweise; dieses umfasse 2017 aber dennoch etwa 130 Personen.[2] Dies stand einem extrem rechten Potenzial von damals 1.540 Personen gegenüber.[3] Für das Jahr 2019 machte der Minister des Innern und für Kommunales für die islamistische Szene eine "steigende Tendenz" aus und fügte hinzu, dass "ungefähr die Hälfte der Islamisten [...] als gewaltbereit" gelten würden.[4]

Das Handlungskonzept "Tolerantes Brandenburg – für eine starke und lebendige Demokratie" wurde 1998 von der brandenburgischen Landesregierung beschlossen. Es sieht sich als breites öffentliches Bündnis gegen rechte Gewalt.[5] Eine institutionalisierte Auseinandersetzung mit dem Thema Islamismus/Salafismus findet derzeit in dem Handlungskonzept nicht statt. Die im Kampf gegen Rechtsextremismus gesammelten Erfahrungen des Beratungsnetzwerks sollen jedoch in das neue Handlungskonzept einfließen. An der Erarbeitung des Konzepts ist die Koordinierungsstelle "Tolerantes Brandenburg" beteiligt.[6]

Obwohl Islamismus/Salafismus in Brandenburg eine geringere Bedeutung als Rechtsextremismus zukommt, finden sich auch in Brandenburg staatliche und zivilgesellschaftliche Akteure, die Präventions- und Deradikalisierungsarbeit in diesem Themenbereich leisten.

Staatlicherseits befassen sich die Koordinierungsstelle “Tolerantes Brandenburg” sowie eine Arbeitsgruppe im Landespräventionsrat mit Prävention im Bereich Islamismus/Salafismus – jedoch nicht schwerpunktmäßig. Daneben stehen zivilgesellschaftliche Initiativen, die sich in den Feldern Primärprävention, Fortbildung und Beratung bewegen sowie Präventions- und Interventionsarbeit im Strafvollzug und Bewährungshilfe leisten.

2.1 Koordinierungsstelle "Tolerantes Brandenburg"

Die Koordinierungsstelle "Tolerantes Brandenburg" bündelt und überwacht die Maßnahmen zur Umsetzung des gleichnamigen Handlungskonzepts. Sie ist in der Staatskanzlei des Landes Brandenburgs angesiedelt. Der Fokus der Arbeit der Koordinierungsstelle liegt in der Auseinandersetzung mit der extremen Rechten.

Neben der Beratung und Steuerung staatlicher Vorhaben hat die Koordinierungsstelle "Tolerantes Brandenburg" das Ziel, zivilgesellschaftliches Engagement zu fördern und mit staatlichen Institutionen und Programmen, wie den Bundesprogrammen "Zusammenhalt durch Teilhabe" und "Demokratie leben!", zu vernetzen.[7] Im letztgenannten Bundesprogramm bildet die Koordinierungsstelle zugleich auch das Landes-Demokratiezentrum.[8]

2.2 Landespräventionsrat

Unter dem Gesichtspunkt der Prävention von politisch motivierter Kriminalität wird durch den Landespräventionsrat im Ministerium des Innern und für Kommunales auch Präventionsarbeit gegen Islamismus koordiniert. Der Leiter der Geschäftsstelle des Landespräventionsrates Brandenburg ist zugleich der Präventionsbeauftragte des Landes Brandenburg. Als solcher ist er unter anderem auch in der Interministeriellen Arbeitsgruppe "Islamistischer Extremismus" vertreten.

Im Landespräventionsrat setzt sich vor allem die Arbeitsgruppe 2 "Politischer Extremismus und Förderung von Integration und Willkommenskultur" mit Prävention im Themenfeld Islamismus/Salafismus auseinander. Geleitet wird die Arbeitsgruppe vom Leiter der Verfassungsschutzbehörde in Brandenburg. In der Arbeitsgruppe treffen sich Vertreterinnen und Vertreter von …
  • … Landesministerien,
  • … Polizei,
  • … der Koordinierungsstelle "Tolerantes Brandenburg / Bündnis für Brandenburg",
  • … der Zivilgesellschaft (z. B. Brandenburgische Sportjugend, Deutscher Gewerkschaftsbund, Arbeitslosenverband) sowie
  • … der Wissenschaft (z. B. Potsdamer Forschungsinstitut Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien). [9]
Das Gremium traf sich 2017 zweimal und behandelte den Bereich Islamismus lediglich als eines von mehreren Themen.[10] In diesem Feld konkret durch den Landespräventionsrat gefördert wurde im Jahr 2017 kein Projekt.[11] Im Jahr 2018 tagte die Arbeitsgruppe einmal und setzte sich dabei unter anderem mit islamistischen und salafistischen Bestrebungen in Brandenburg auseinander.

2.3 IMAG "Islamistischer Extremismus"

In der Koordinierungsstelle "Tolerantes Brandenburg" wurde im Mai 2018 die Interministerielle Arbeitsgruppe (IMAG) "Islamistischer Extremismus" gegründet. [12] Die Koordinierungsstelle beruft die mehrmals jährlich stattfindenden Treffen der IMAG "Islamistischer Extremismus" ein, bereitet diese vor und führt sie durch. Die Treffen sind meist anlassbezogen.

Die IMAG "Islamistischer Extremismus" dient in erster Linie der Kommunikation zwischen den Mitgliedern, der Vernetzung und der Abstimmung der Präventionsarbeit der staatlichen Akteure Brandenburgs im Bereich Islamismus/Salafismus. Teil der IMAG sind Vertreterinnen und Vertreter ...
  • … aller Landesministerien,
  • … der Koordinierungsstelle “Tolerantes Brandenburg”,
  • … der Brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung sowie
  • der Integrationsbeauftragte des Landes Brandenburg, und
  • der Präventionsbeauftragte des Landes Brandenburg, der auch Leiter der Geschäftsstelle des Landespräventionsrates Brandenburg ist.
2.4 Bündnis für Brandenburg

Neben "Tolerantes Brandenburg" steht als weiteres Programm das 2015 gegründete "Bündnis für Brandenburg". Dies wurde von Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) im November 2015 als Reaktion auf die steigende Anzahl Geflüchteter initiiert.[13] Ziel des Bündnisses es, verschiedene gesellschaftliche Akteure zu vernetzen, um gemeinsam an der Integration nach Brandenburg Geflüchteter zu arbeiten. [14] Integration wird dabei als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden. Das Bündnis soll helfen, Integrationsbemühungen zu bündeln und Konzepte miteinander zu verbinden.[15] Wie "Tolerantes Brandenburg" ist auch das Bündnis für Brandenburg in der Staatskanzlei des Landes Brandenburg angesiedelt.

3. Welche Rolle spielen die Akteure der Bundesebene in Brandenburg?

Die Behörden und besonders die Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern stimmen sich bereits seit 2009 in der Arbeitsgruppe "Deradikalisierung" des gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrum (GTAZ) über islamistischen Extremismus ab. Des Weiteren existieren verschiedene Bund-Länder-Arbeitsgruppen im Rahmen der Ständigen Konferenz der Innenministerinnen und Innenminister sowie Innensenatorinnen und Innensenatoren der Länder (IMK). [16]

3.1 Kooperationsnetzwerk der Beratungsstelle "Radikalisierung" des BAMF

Auch das Kooperationsnetzwerk der Beratungsstelle "Radikalisierung" des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) dient als Plattform für den Austausch zwischen Bund und Ländern. In Brandenburg gibt es jedoch keine sogenannte "Landeskoordinierungsstelle" im Rahmen des BAMF-Netzwerks. Die Beratungsstelle HAYAT ist als zivilgesellschaftlicher "Partner vor Ort" mit der aktiven Fallarbeit befasst. [17]

3.2 Bundesprogramm “Demokratie leben!” des BMFSFJ

Über das Bundesprogramm "Demokratie leben!" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) kofinanziert der Bund einen bedeutenden Teil der Präventionsarbeit auf den Ebenen der Länder und Kommunen. Im Rahmen von "Demokratie leben!" werden in Brandenburg 18 lokale "Partnerschaften für Demokratie" gefördert (Stand: März 2019). In diesen "Partnerschaften für Demokratie" kommen die Verantwortlichen aus der kommunalen Politik und Verwaltung sowie Aktive aus der Zivilgesellschaft zusammen. Anhand der lokalen Gegebenheiten und Problemlagen entwickeln sie gemeinsam eine auf die konkrete Situation vor Ort abgestimmte Strategie. Die geförderten Kommunen werden durch kostenfreie Beratungs- und Coachingangebote begleitet. [18] In jedem Bundesland unterstützen "Landes-Demokratiezentren" die Weiterentwicklung von Konzepten und Strategien zur Förderung von Demokratie und Vielfalt und sorgen für eine Vernetzung der lokalen Aktivitäten – insbesondere der kommunalen Partnerschaften für Demokratie. In Brandenburg ist das Landes-Demokratiezentrum bei der Koordinierungsstelle "Tolerantes Brandenburg" angesiedelt, die in der Staatskanzlei verortet ist.[19] Des Weiteren werden im Rahmen von "Demokratie leben!" Modellprojekte zur Radikalisierungsprävention in den Bereichen "Islamistische Orientierungen und Handlungen" sowie "Prävention und Deradikalisierung in Strafvollzug und Bewährungshilfe"gefördert. In Brandenburg sind das die folgenden Projekte:[20]
  • EXchange Brandenburg – Mobile Maßnahmen zur Prävention und Deradikalisierung in Strafvollzug und Bewährungshilfe (Violence Prevention Network e. V., cultures interactive e. V.)
  • Facetten des Glaubens (ESTAruppin e. V), Kofinanzierung: u. a. "Bündnis für Brandenburg"
  • Fachstelle Islam im Land Brandenburg (RAA Brandenburg – Regionale Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie, Brandenburg), Kofinanzierung "Tolerantes Brandenburg"
  • Integration auf Augenhöhe – Wertediskurs von Geflüchteten für Geflüchtete (Brandenburgisches Institut für Gesellschaft und Sicherheit gGmbH und European Foundation for Democracy)
Weitere Informationen zu den "Strukturen der Präventionsarbeit auf Bundesebene" finden Sie im entsprechenden Beitrag im Infodienst Radikalisierungsprävention.

4. Wie arbeiten die Brandenburger Landesebene und die Bezirksebene zusammen?

Über einen Austausch zwischen der Koordinierungsstelle "Tolerantes Brandenburg" und den kommunalen Partnerschaften für Demokratie im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!" hinaus gibt es bezüglich der Prävention im Bereich Islamismus/Salafismus keine institutionalisierte Zusammenarbeit zwischen Landes- und Kommunalebene. Kommunale Präventionsnetzwerke existieren in Brandenburg nicht.

5. Wie arbeitet das Land Brandenburg mit zivilgesellschaftlichen Akteuren zusammen?

Die Zusammenarbeit des Landes Brandenburg mit zivilgesellschaftlichen Akteuren bewegt sich vor allem auf der Ebene der finanziellen Förderung. Die Koordinierungsstelle "Tolerantes Brandenburg" sieht sich dabei als Schnittstelle zwischen staatlichen und zivilgesellschaftlichen Strukturen. Dort können beispielsweise Projektförderanträge gestellt werden. Ähnliches gilt für das "Bündnis für Brandenburg", sofern das jeweilige Projekt sich mit Flucht oder Geflüchteten auseinandersetzt.

Im Rahmen des Landespräventionsrats, der sich im Kontext der Arbeitsgruppe 2 "Politischer Extremismus und Förderung von Integration und Willkommenskultur" auch mit Prävention im Themenfeld Islamismus/Salafismus auseinandersetzt, sind einzelne zivilgesellschaftliche Akteure eingebunden (s. Abschnitt 2.2).

Zivilgesellschaftlichen Akteuren kommt so vor allem eine ausführende Aufgabe zu, die durch das Land Brandenburg finanziell unterstützt wird.

5.1 Fachstelle Islam im Land Brandenburg

Die zivilgesellschaftliche Unterstützungsagentur "RAA Brandenburg – Regionale Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie, Brandenburg" mit Sitz in der Landeshauptstadt Potsdam beschäftigt sich mit Radikalisierung im Bereich Islamismus/Salafismus. Dort wurde die "Fachstelle Islam im Land Brandenburg" mit einer vorläufigen Projektlaufzeit bis Ende 2020 eingerichtet. Gefördert wird die Fachstelle durch die Koordinierungsstelle "Tolerantes Brandenburg" und das Bundesprogramm "Demokratie leben!".

Die Fachstelle widmet sich den Themen Diversität des Islams, antimuslimischer Rassismus und islamistische Radikalisierung. Die Zielgruppe sind in erster Linie Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, die in Schulen, Kinder- und Jugendhilfe oder in den Verwaltungen mit (jugendlichen) Musliminnen und Muslimen zusammen arbeiten. Darüber hinaus sieht sich die Fachstelle Islam als Ansprechpartnerin in beratender Funktion auch im Feld der Prävention von demokratiefeindlichen Einstellungen bei jungen muslimischen Menschen.[21]

Eigene Präventionsarbeit in Form von primärer Prävention wird vor allem durch die Verbreitung von Informationen über die Diversität des Islam, über islamistische Gruppierungen und weitere Themen auf der Ebene der Multiplikatorinnen und Multiplikatoren vorgenommen. Das Ziel ist es, die Ambiguitätstoleranz sowohl der Mehrheitsgesellschaft als auch bei gläubigen Musliminnen und Muslimen zu fördern.

5.2 Facetten des Glaubens

Der Neuruppiner Verein "ESTAruppin" vertritt im Projekt "Facetten des Glaubens" sowohl primärpräventive als auch fortbildende Ansätze. Es wird von "Demokratie leben!" und dem "Bündnis für Brandenburg" gefördert. Das Konzept beruht weitestgehend auf dem Angebot von Projekttagen und Workshops für Lehrkräfte sowie für Schülerinnen und Schüler. Dabei soll für Radikalisierungsprozesse sensibilisiert werden.

Außerdem soll eine Anlauf- und Beratungsstelle unterstützend wirken, vor allem bei religionsbezogenen Themen, beim Umgang mit Diskriminierungen, bei Hinweisen auf Radikalisierung sowie bei religiös begründeten Problemen in Familien. Die Beratung richtet sich primär an muslimisch gläubige Jugendliche, deren Eltern und Angehörige.[22] Es handelt sich um einen an der muslimischen Bevölkerung orientierten methodischen Ansatz. [23]

5.3 Reflect – Freiheit beginnt im Kopf

Anfang Februar 2019 stellte die Staatskanzlei des Landes Brandenburg das Präventionsprojekt "Reflect – Freiheit beginnt im Kopf" vor, das zu Beginn des Jahres 2019 gestartet ist und zunächst bis Ende des Jahres gefördert wird.[24] Das Projekt wird vom "Bündnis für Brandenburg" gefördert [25] und von der Berliner "Mansour Initiative für Demokratieförderung und Extremismusprävention" (MIND prevention) durchgeführt.[26]

Das primärpräventive Workshop-Projekt richtet sich vor allem an junge Menschen mit Flucht- und Migrationserfahrungen, die Brandenburger Schulen besuchen, vor allem Berufsintegrationsklassen in Berufsschulen stehen dabei im Fokus. Das Projekt wird mit Klassenverbänden durcheführt. Ziel ist es in dieser Maßnahme der Peer-Education, die Teilnehmenden im Gespräch untereinander und mit den pädagogisch-psychologisch geschulten Workshop-Leitenden, über verschiedene "Tabuthemen" debattieren lassen und die Tabus zu reflektieren. Zu den in den Workshops behandelten Themen sollen Antisemitismus, Wertediskurse (inklusive Geschlechterrollen und Männlichkeitsvorstellungen), Identität und patriarchalische Strukturen gehören. [27]

Darüber hinaus sind folgenden Projekte in Brandenburg aktiv, die nicht durch das Land Brandenburg gefördert werden.

5.4 Integration auf Augenhöhe – Wertediskurs von Geflüchteten für Geflüchtete

Das im Rahmen von "Demokratie leben!" geförderte Modellprojekt "Integration auf Augenhöhe – Wertediskurs von Geflüchteten für Geflüchtete" wird von der gemeinnützigen GmbH Brandenburgisches Institut für Gesellschaft und Sicherheit (BIGS) durchgeführt und in Kooperation mit der European Foundation for Democracy (EFD) umgesetzt.[28] Im Peergroup-Konzept sprechen Geflüchtete in Workshops unter- und miteinander auch über kontroverse Themen wie Islamismus. Ziel dabei ist eine "empathische Wertevermittlung", die auch die Ambiguitätstoleranz fördern soll – was wiederum auch pimärpräventiv im Bereich Islamismus/Salafismus wirken soll.

5.5 EXchange Brandenburg – Mobile Maßnahmen zur Prävention und Deradikalisierung in Strafvollzug und Bewährungshilfe

Im Bereich Strafvollzug und Bewährungshilfe führen die zivilgesellschaftlichen Träger "Violence Prevention Network e. V." (VPN) und "cultures interactive e. V." (CI) gemeinsam das Modellprojekt "EXchange Brandenburg" durch. Dieses umfasst je nach Bedarf sowohl Präventions- und Interventions-, als auch Fortbildungsmaßnahmen für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. Gefördert wird EXchange durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) im Rahmen von "Demokratie leben!". Die vorläufige Projektlaufzeit ist von 2017 bis 2019. [29]

6. Welche Besonderheiten gibt es in Brandenburg hinsichtlich der Präventionsarbeit?

Eine Besonderheit Brandenburgs ist, dass Migration aus mehrheitlich muslimischen Ländern ein junges Phänomen ist, sodass in der Mehrheitsgesellschaft wenig Wissen über in Brandenburg lebende Musliminnen und Muslime vorherrscht.[30] Es existiert wenig religiöse muslimische Infrastruktur. Die politische Bildungsarbeit in Brandenburg ist somit vor allem damit beschäftigt, Wissen und Informationen über islamisches Leben, interreligiöse Strömungen und ähnliches zu vermitteln. Das Ziel ist also eher die Ambiguitätstoleranz der Mehrheitsgesellschaft zu fördern. Der Fokus der Präventionsarbeit und die faktische Gefahrenlage in Brandenburg liegen in extrem rechten Strukturen.[31]

7. Weiterführende Links: Quellen, Anlaufstellen und Präventionsprojekte in Brandenburg

7.1 Wichtige Quellen und Websites 7.2 Anlaufstellen und Präventionsprojekte


Die Grafik stellt die zentralen staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteure der Präventionsarbeit in Brandenburg und ihre Beziehungen zueinander dar. Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (Infodienst Radikalisierungsprävention, www.bpb.de/radikalisierungsprävention)


Die Infografik als PDF-Icon PDF zum Herunterladen.

Präventionsarbeit ist ein dynamischer Bereich mit vielen aktuellen Entwicklungen. Die Redaktion freut sich daher über Ihre Hinweise auf Akteure, Aktivitäten oder Zusammenhänge, die in diesem Beitrag bislang nicht berücksichtigt worden sind.
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Fußnoten

1.
Brandenburgische Landesregierung: Bericht der Landesregierung über die Umsetzung des Handlungskonzeptes "Tolerantes Brandenburg" der Landesregierung, Abruf am 17.05.2019; sowie Staatskanzlei des Landes Brandenburg: Pressemitteilung: "Unverändert Handlungsbedarf" – Gorholt stellt Bericht zu 20 Jahre 'Tolerantes Brandenburg' vor. Morgen Festakt in Cottbus mit Bundespräsident und Woidke, Abruf am 17.05.2019; sowie Rundfunk Berlin-Brandenburg: 20 Jahre "Tolerantes Brandenburg". Netzwerk gegen Rechts steht vor neuen Herausforderungen, Abruf am 12.12.2018.
2.
Verfassungsschutz Brandenburg: Verfassungsschutzbericht Brandenburg 2017. Pressefassung, S. 99 f., Abruf am 12.12.2018; sowie vgl. Landtag Brandenburg: Antwort der Landesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Danny Eichelbaum und Björn Lakenmacher (beide CDU-Fraktion), Thema: Bekämpfung des Islamismus und Terrorismus in Brandenburg, S. 1, Abruf am 28.5.2019.
3.
Verfassungsschutz Brandenburg: Verfassungsschutzbericht Brandenburg 2017. Pressefassung, S. 3, Abruf am 12.12.2018.
4.
Landtag Brandenburg: Antwort der Landesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Danny Eichelbaum und Björn Lakenmacher (beide CDU-Fraktion), Thema: Bekämpfung des Islamismus und Terrorismus in Brandenburg, S. 1, Abruf am 28.5.2019; sowie vgl. Marion Kaufmann: Zahl der Islamisten steigt. Wie setzt sich Brandenburgs Islamisten-Szene zusammen?, in: Potsdamer Neueste Nachrichten vom 20.5.2019, Abruf am 28.5.2019.
5.
Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung: Tolerantes Brandenburg, Abruf am 12.12.2018.
6.
Brandenburgische Landesregierung: Bericht der Landesregierung über die Umsetzung des Handlungskonzeptes "Tolerantes Brandenburg" der Landesregierung, S. 49 f., Abruf am 12.12.2018.
7.
Koordinierungsstelle: Aufgaben der Koordinierungsstelle "Tolerantes Brandenburg", Abruf am 11.03.2019.
8.
Demokratie leben!: Brandenburg. Landes-Demokratiezentrum Brandenburg, Abruf am 11.03.2019.
9.
Ministerium des Innern und für Kommunales: Jahresbericht 2017 des Landespräventionsrates Brandenburg, S. 12 f., Abruf am 12.12.2018.
10.
Ministerium des Innern und für Kommunales: Jahresbericht 2017 des Landespräventionsrates Brandenburg, S. 12 f., Abruf am 12.12.2018.
11.
Ministerium des Innern und für Kommunales: Jahresbericht 2017 des Landespräventionsrates Brandenburg, S. 21, Abruf am 12.12.2018.
12.
Brandenburgische Landesregierung: Bericht der Landesregierung über die Umsetzung des Handlungskonzeptes "Tolerantes Brandenburg" der Landesregierung, S. 50.
13.
Dietmar Woidke: Gründungsaufruf für ein "Bündnis für Brandenburg", Abruf am 11.03.2019.
14.
Landesregierung Brandenburg: Bündnis für Brandenburg, Abruf am 11.03.2019.
15.
Bündnis für Brandenburg: Startseite, Abruf am 11.03.2019.
16.
Die Bundesregierung: Strategie der Bundesregierung zur Extremismusprävention und Demokratieförderung, S. 17
17.
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge: Evaluation der Beratungsstelle "Radikalisierung", Abschlussbericht, S. 23 ff.
18.
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Partnerschaften für Demokratie, Abruf am 7.1.2019.
19.
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Landes-Demokratiezentren, Abruf am 7.1.2019.
20.
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Modellprojekte zur Radikalisierungsprävention, Abruf am 7.1.2019.
21.
RAA Brandenburg: Fachstelle Islam im Land Brandenburg, Abruf am 12.12.2018.
22.
ESTAruppin: Facetten des Glaubens, Abruf am 12.12.2018.
23.
Demokratie leben!: Facetten des Glaubens, Abruf am 12.12.2018.
24.
Staatskanzlei des Landes Brandenburg: Pressemitteilung. "Freiheit beginnt im Kopf" – Neues Projekt "Reflect" zur Islamismus-Prävention [sic!] startet an Brandenburgs Schulen, Abruf am 07.03.2019.
25.
Bündnis für Brandenburg: "Reflect". Neues Projekt zur Islamismus-Prävention startet an Brandenburgs Schulen, Abruf am 07.03.2019.
26.
MIND Prevention: Reflect. Freiheit beginnt im Kopf, Abruf am 07.03.2019.
27.
MIND Prevention: Reflect. Freiheit beginnt im Kopf, Abruf am 07.03.2019.
28.
Brandenburgisches Institut für Gesellschaft und Sicherheit gGmbH (BIGS): Aktuelle Projekte. Abruf am 13.5.2019.
29.
Cultures Interactive: EXchange Brandenburg – Modellprojekt, Abruf am 12.12.2018.
30.
Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung: Islamisches Leben in Brandenburg, Abruf am 12.12.2018.
31.
Vgl. Verfassungsschutz Brandenburg: Verfassungsschutzbericht Brandenburg 2017. Pressefassung, S. 99 f., Abruf am 12.12.2018.
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