Dossier

Deutsche Verhältnisse. Eine Sozialkunde



Zukunftsszenarien für Deutschland

(© picture-alliance/AP)

Im Laufe der Modernisierung richteten die Menschen ihre Handlungen und Entscheidungen immer mehr in die Zukunft aus. Begreiflicherweise wollten die Menschen dann auch die künftigen Handlungsbedingungen kennenlernen, um die Ergebnisse ihres Handelns einschätzen zu können. Dies gilt für individuelle Alltagshandlungen (wie etwa einen Hauskauf) genauso wie für kollektive ökonomische und politische Entscheidungen (zum Beispiel die Reform einer sozialpolitischen Regelung oder die Investition in neue Energiequellen). Deshalb entwickelten die Menschen immer ausgeprägtere Bestrebungen, die Zukunft kennenzulernen.

Freilich ist das Streben nach Zukunftswissen dann nicht sehr ausgeprägt, wenn Zuversicht herrscht, die Zukunft nach eigenem Wollen gestalten zu können. Wer von vornherein an die Realisierbarkeit seiner Wünsche glaubt, meint die Zukunft zu kennen und auf viele Auskünfte darüber verzichten zu können. Verglichen mit dem Gestaltungs- und Planungsoptimismus, der zum Beispiel in Deutschland in den 1970er-Jahren herrschte, ganz zu schweigen von der Realisierungszuversicht früherer kommunistischer oder faschistischer Gesellschaftsutopien, hält sich heute aber die Erwartung in Grenzen, die Zukunft nach eigenen Vorstellungen gestalten zu können. Wir leben nicht in einer Zeit gesellschaftlicher Utopien und Zukunftskonzepte, sondern eher in einer Phase allgemeiner Unsicherheit über die Herausforderungen der Zukunft und oft widersprüchlicher Meinungen, auf welche Weise ihnen begegnet werden kann. Diese Ungewissheit stärkt das Verlangen nach viel Wissen über die Zukunft: Wenn das Kommende nur bedingt oder teilweise gestaltbar erscheint, weil viele Entwicklungen und Aktionen anderer dem entgegenstehen können, dann möchten die Handelnden über die zukünftigen Bedingungen ihres Handelns so weit wie möglich Bescheid wissen, um sich rechtzeitig darauf einstellen zu können.

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