Dossier

Deutsche Verteidigungspolitik

Vor 60 Jahren standen erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg wieder deutsche Soldaten unter Waffen. Mit der Gründung der Bundeswehr 1955 wurde eine Armee geschaffen, die anders als ihre Vorläufer auf Demokratie und Rechtsstaat verpflichtet war und als NATO-Partner an vorderster Front des Kalten Krieges stand. Nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes wurde die Bundeswehr auch zu einem außenpolitischen Instrument. Ihr Einsatz in internationalen Konflikten ist bis heute Gegenstand gesellschaftlicher und politischer Debatten. Mit der Neuausrichtung der Bundeswehr, ihrem Wandel von der Wehrpflicht- zur Freiwilligenarmee und den Erfahrungen der Auslandseinsätze haben die Streitkräfte mit neuen inneren und äußeren Herausforderungen zu kämpfen.

Das Dossier befindet sich im Aufbau und wird in Kapiteln fortlaufend ergänzt.

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Auslandseinsätze der Bundeswehr

Aus der Mediathek

Ausgedient

Ein Dokumentarfilm von Michael Richter


Zur Aussetzung der Wehrpflicht

Die Wehrpflicht in Bildern

Beinahe aus der Zeit gefallen: Soldaten laufen am 24. Februar 2011 durchs sächsische Geithain. Am selben Abend legten hier 200 Rekruten wohl zum vorerst letzten Mal ihr Gelöbnis als Wehrpflichtige ab. Im Juni 2011 wurde die allgemeine Wehrpflicht ausgesetzt. 

Die Wehrpflicht hatte bis dahin schon eine lange Geschichte. Wie lang genau, erklärt Peter Steinbach in seinem Beitrag "Die Wehrpflicht. Eine historische Betrachtung".55 Jahre lang galt die Wehrpflicht für jeden volljährigen männlichen Bundesbürger. Zu Anfang ein Jahr, zwischenzeitlich mal 18 Monate und zuletzt sechs Monate dauerte die Grundausbildung.

Im Wehrdienst werden viele junge Menschen erstmals in ihrem Leben mit militärischer Gewalt konfrontiert. Welche gesellschaftlichen Auswirkungen das hat, beschreibt Ute Frevert in ihrem Beitrag "Militär und Zivilgesellschaft".Von der Privatperson zum Soldaten: Noch in ziviler Kleidung heißt es für diese jungen Rekruten Anfang 2011 in der Friedenstein Kaserne Gotha ‚Antreten!‘ 

Aus dem Bürger wird der "Staatsbürger in Uniform" – das Ideal der Bundeswehr. Was das für Gesellschaft und Soldaten selbst bedeutet, erklärt Nina Leonhard in ihrem Beitrag "Soldatenbilder im Wandel" Blick in eine leere Stube der Leopold-Kaserne am Donnnerstag (30.06.2011) in Amberg (Oberpfalz), die am Morgen von zwei der letzten Grundwehrdienstleistenden verlassen wurde. Für mehr als 12 000 junge Männer in der Bundesrepublik endet am 1. Juli 2011 der Grundwehrdienst. Nach 55 Jahren ist die Wehrpflicht in Deutschland ab Freitag Geschichte. Wehr- und Zivildienst werden durch neue Freiwilligendienste ersetzt, die Männern und Frauen offen stehen. Foto: Daniel Karmann dpa/lbyFreizeitschuhe, Sportschuhe und Kampfstiefel stehen am Donnnerstag (30.06.2011) in der Kleidungsausgabe der Bundeswehr in Amberg (Oberpfalz) auf einem Tisch. Die Schuhe gehören, neben der Unterwäsche, zu den Elementen, die jeder Wehrdienstleistende nach seinem Dienst behalten darf. Für mehr als 12 000 junge Männer in der Bundesrepublik endet am 1. Juli 2011 der Grundwehrdienst. Nach 55 Jahren ist die Wehrpflicht in Deutschland ab Freitag Geschichte. Wehr- und Zivildienst werden durch neue Freiwilligendienste ersetzt, die Männern und Frauen offen stehen. Foto: Daniel Karmann dpa/lbyGroß anders sahen die Stiefel auch 1955 nicht aus – zehn Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs begann die Wiederbewaffnung der jungen Bundesrepublik. 

Dieser Schritt war innen- und außenpolitisch hoch brisant. Den Weg zur Wiederbewaffnung zeichnet Detlef Bald in seinem Beitrag "Die Politik der Wiederbewaffnung" nach. Eine Demonstration gegen Wiederaufrüstung und Wehrdienst, veranstaltet von der "Internationale der Kriegsdienstgegner", am 24.03.1956 in München.16 Stunden lang dauerte die Debatte im Bonner Bundestag: An ihrem Ende stand das Wehrpflichtgesetz. 270 Stimmen hatten sich am Morgen des 7. Juli 1956 dafür, 166 dagegen ausgesprochen, 20 Abgeordnete enthielten sich. 

Die Positionen und umstrittenen Fragen in der Parlamentsdebatte haben wir in unserem Hintergrund aktuell zu "60 Jahre Wehrpflichtgesetz" zusammengefasst.Längst nicht alle jungen Männer leisteten Wehrdienst. Über Jahrzehnte gab es weitaus mehr Wehrpflichtige als benötigt. Und ab den 1970er-Jahren stieg die Zahl der Kriegsdienstverweigerer im Zivildienst. 

Dieses Ungleichgewicht wurde von vielen Wehrdienstleistenden als ungerecht empfunden. Warum das 2011 ein wichtiges Argument für die Aussetzung der Wehrpflicht war, erklärt Patrick Bernhard in seinem Text "Wehrgerechtigkeit".Auch die DDR besaß eine Wehrpflicht – allerdings erst seit 1962. Jeder männliche DDR-Bürger durchlief seitdem eine 18 monatige Grundausbildung in der Nationalen Volksarmee (NVA). Der Militärdienst war eng mit dem sozialistischen Staatssystem verwoben: Ziel der NVA-Führung war es, alle Wehrpflichtigen während ihres Wehrdienstes zu "sozialistischen Soldatenpersönlichkeiten" zu erziehen. Und das von klein auf, z.B. durch Wehrunterricht an Schulen oder die Freizeiten der Gesellschaft für Sport und Technik (GST). Das Bild zeigt den NVA-Stand bei den 22. Arbeiterfestspielen in Frankfurt (Oder) im Juni 1988.Mit der Wiedervereinigung stand Deutschland auch vor der Herausforderung, zwei Armeen zu einer zu formen. Der "2+4-Vertrag" von 1990/91 gab die Höchstgrenze von 370.000 Soldaten vor – auf beiden Seiten musste Personal abgebaut und die Strukturen aneinander angepasst werden. Das Foto zeigt das erste Bundeswehrgelöbnis in Ostdeutschland im Oktober 1990 in Bad Salzungen. 250 Rekruten der früheren NVA legten ihren Fahneneid auf die Bundesrepublik Deutschland ab.Feldjäger der Bundeswehr versuchen am 20.7.1999 während der Gelöbnisfeier im Bendlerblock in Berlin, einen mit einem Schirm "bewaffneten" Demonstranten festzunehmen. Auf dem Schirm steht "Tucholsky hat Recht".Junge Rekruten sprechen am 16.10.1999 auf dem Marktplatz in Frankfurt (Oder) die Gelöbnisformel. Sie stehen in mehreren Reihen hintereinander und tragen grüne Flecktarnuniform und rote Barette.

Geschichte der Bundeswehr

Grundlagen der Verteidigungspolitik

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