zurück 
19.4.2012

Deutsche Islam Konferenz verurteilt häusliche Gewalt und Zwangsverheiratung

Die Deutsche Islam Konferenz (DIK) ist gestern (19. April) zu ihrer jährlichen Plenarsitzung zusammengekommen. Im Mittelpunkt stand das Thema "Geschlechtergerechtigkeit". Auch die umstrittene Koranbuch-Verteilung durch radikale Salafisten in deutschen Städten war Thema auf der Konferenz.

An einem Tisch: Die Teilnehmer der Deutschen Islam Konferenz bei ihrer diesjährigen Plenarsitzung. (© picture-alliance/dpa)


Die Deutsche Islam Konferenz (DIK) ist gestern (19. April) zu ihrer jährlichen Plenarsitzung zusammengekommen. Im Mittelpunkt stand das Thema "Geschlechtergerechtigkeit". Auch die umstrittene Koranbuch-Verteilung durch radikale Salafisten in deutschen Städten war Thema auf der Konferenz.

Mitglieder der Deutschen Islam Konferenz haben in einer gemeinsamen Erklärung jegliche Form von häuslicher Gewalt und Zwangsverheiratung verurteilt. "Häusliche Gewalt und Zwangsverheiratung sind Verstöße gegen fundamentale Menschenrechte" heißt es in der Erklärung. Erstmals hätten sich damit Muslime unterschiedlicher Glaubensrichtungen in Deutschland gemeinsam mit staatlichen Vertretern auf einen Text verständigt, der in der Ächtung dieser Praktiken unmissverständlich ist, so Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich, Gastgeber der DIK. Die Erklärung fungiert als Grundlage für die nun kommende praktische Umsetzung, etwa in Form von Aufklärungsarbeit.

Geschlechtergerechtigkeit als Schwerpunkt



Das Thema "Geschlechtergerechtigkeit" bildete den Schwerpunkt der diesjährigen Plenarsitzung. Die DIK-Projektgruppe "Rollenbilder in muslimischen Milieus" hatte dazu im vergangenen Jahr untersucht, wie starre Rollenbilder die Selbstbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe von Frauen und Mädchen beeinflussen. Begleitend dazu wird eine empirische Studie erstellt, die im Frühjahr 2013 vorgestellt werden soll. Ferner wurden die Ergebnisse der Fachtagung "Muslime und Arbeitsmarkt" präsentiert, die unter Leitung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge und in Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit stattfand. Eine Auswertung der Daten zur DIK-Studie "Muslimisches Leben in Deutschland" habe ergeben, dass ein in Deutschland anerkanntes Studium oder eine Ausbildung die eigenen Arbeitsmarktchancen begünstige - unabhängig von der Religionszugehörigkeit.

Salafisten beschäftigen DIK



Für Gesprächsstoff sorgte die Koranbuch-Verteilung durch radikale Salafisten in mehreren deutschen Städten. "Wir sind uns alle einig, dass salafistischer Extremismus nicht akzeptabel ist und nicht in eine freie Gesellschaft, wie wir sie in Deutschland haben, passt", sagte Innenminister Friedrich dazu. Radikale Salafisten seien unter Muslimen in Deutschland nicht mehrheitsfähig, so die Botschaft der DIK. Ziel der 2006 ins Leben gerufenen Konferenz ist es, einen dauerhaften Dialog zu etablieren und die Integration der Muslime in Deutschland zu fördern. Bei der DIK sitzen Vertreter aus Bund, Ländern und Kommunen mit Repräsentanten islamischer Dachverbände und muslimischen Persönlichkeiten an einem Tisch. Nicht anwesend sind der Islamrat und der Zentralrat der Muslime.

Organisationsgrad der Muslime in Deutschland



Die 2008 erstellte DIK-Studie ergibt Folgendes zum Organisationsgrad muslimischen Lebens in Deutschland: Von den etwa vier Millionen Muslimen in Deutschland sind nur 20 Prozent in religiösen Vereinen oder Gemeinden organisiert. Daher kommen die Verfasser der Studie zu dem Schluss, dass die in der DIK vertretenen islamischen Verbände nicht die Mehrheit der Muslime in Deutschland repräsentieren.

Einführung des islamischen Religionsunterrichts



Wichtige Themen der vorangegangenen Konferenzen waren zum Beispiel die Einführung des islamischen Religionsunterrichts als Lehrfach. Als erstes Bundesland wird Nordrhein-Westfalen im Herbst dieses Jahres den islamischen Religionsunterricht einführen. Auch die Imamausbildung und der Bau und Betrieb von Moscheen ist ein Themenfeld der Deutschen Islam Konferenz. Derzeit werden mehr als 100 islamische Gotteshäuser in Deutschland geplant, genehmigt oder befinden sich bereits im Bau.

Kritik von der Jungen Islam Konferenz



Es gibt jedoch auch Kritik an der Institution: Die Zusammensetzung der Deutschen Islam Konferenz sei zu willkürlich, kritisiert Serdar Bulat von der Jungen Islam Konferenz (JIK). Die JIK ist ein Projekt der Stiftung Mercator und der Humboldt-Universität zu Berlin. Die 17- bis 25-jährigen Teilnehmer setzen sich mit zentralen Fragen des täglichen Zusammenlebens insbesondere von Jugendlichen auseinander und wollen damit die Agenda der DIK ergänzen - dieser fehle die jugendliche Perspektive, bemängelt Bulat. Zudem fehle es dem Gremium an Legitimität, da zwei große islamische Gruppen - der Islamrat und der Zentralrat der Muslime - nicht mehr im Boot säßen. Der Islamrat war aus der Konferenz ausgetreten mit der Begründung, dass diese "statt der Partizipation die Ausgrenzung noch weiter vorantreibe." Der Zentralrat der Muslime begründete sein Ausscheiden damit, dass die Islamkonferenz ein "unverbindlicher Debattierclub" sei, der kaum greifbare Ergebnisse zutage fördere.

Im kommenden Arbeitsjahr der DIK stehen die Prävention von Extremismus und gesellschaftlicher Polarisierung im Vordergrund. Dazu wird sich die DIK-Arbeitsgruppe "Präventionsarbeit mit Jugendlichen" mit den Themen Muslimfeindlichkeit, islamistischer Extremismus und Antisemitismus beschäftigen und die Ergebnisse auf der nächsten Islamkonferenz präsentieren.

Mehr zum Thema

Nach oben © Bundeszentrale für politische Bildung Zur klassischen Website von bpb.de wechseln