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17.7.2014

20. Juli 1944: Attentat auf Adolf Hitler

Vor 70 Jahren scheiterte die Widerstandsgruppe um Claus Schenk Graf von Stauffenberg mit ihrem Attentatsversuch auf Adolf Hitler. An der Stätte, an der die Nazis Stauffenberg und weitere Attentäter hinrichteten, hat die Gedenkstätte Deutscher Widerstand nun ihre neue Dauerausstellung eröffnet.

Im Bendlerblock in Berlin betrachten Gäste einer Gedenkstunde zum 20. Juli 1944 Portraits von Widerstandskämpfern, darunter das von Claus Schenk Graf von Stauffenberg. (© picture-alliance/dpa)


20. Juli 1944, gegen 12.40 Uhr: Claus Schenk Graf von Stauffenberg stellt seine Aktentasche mit einer Bombe in der Nähe Adolf Hitlers ab und verlässt unter einem Vorwand den Raum. Wenige Minuten später kommt es in der "Wolfsschanze", Hitlers "Führerhauptquartier" in Ostpreußen, zur Explosion. Mindestens vier der vierundzwanzig Anwesenden werden getötet - Hitler überlebt leicht verletzt.

Attentat lange geplant



Attentat und Umsturz waren von langer Hand geplant: von einer heterogenen Gruppe ziviler und militärischer Oppositioneller, unter ihnen Generäle, Offiziere sowie Verwaltungsbeamte. Viele von ihnen hatten Kontakte zum Kreisauer Kreis, der Widerstandsgruppe um Helmuth James Graf von Moltke. Treibende Kraft der Widerstandsgruppe des 20. Juli war Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Offizier der deutschen Wehrmacht. Stauffenberg war zunächst kein ausgesprochener Gegner des NS-Regimes. Doch bald gehörte er zu den Kritikern Hitlers. Dem aktiven Widerstand schloss er sich im September 1942 an. Stauffenberg stand unter dem Eindruck der Massenmorde an Juden, der hohen Verluste der Wehrmacht in Russland und der brutalen Behandlung der Zivilbevölkerung in den besetzten Gebieten.



Die Gruppe um Stauffenberg plante einen militärischen Umsturz mit dem Ziel, Hitler auszuschalten, die nationalsozialistische Herrschaft und den Krieg zu beenden. Im Gegenzug wollten die Verschwörer die militärische Befehlsgewalt und die Regierungsverantwortung übernehmen. Über ein künftiges Staatsmodell waren sie unterschiedlicher Auffassung. Was die Gegner des Nationalsozialismus einte, war der Wille, den Verbrechen der NS-Herrschaft ein Ende zu setzen.

Operation "Walküre"



Für die Zeit nach dem Umsturz existierten bereits konkrete Pläne. General Friedrich Olbricht, Generaloberst Ludwig Beck, Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim, Generalmajor Henning von Tresckow sowie Carl Friedrich Goerdeler - Kopf des zivilen Widerstandes - hatten in monatelanger Konspiration die Operation "Walküre" erarbeitet: Der Plan basierte auf der bereits vorhandenen "Geheimen Kommandosache" der Nationalsozialisten, mit der etwaige Aufstände ausländischer Zwangsarbeiter im deutschen Reich niedergeschlagen werden sollten. Auf dieser Grundlage knüpfte die Gruppe ein Netz an Vertrauensleuten in Wehrkreisen, wichtigen Ämtern und in den Berliner Schaltstellen der Macht. Auch der Entwurf einer Regierungserklärung, die von Beck als provisorischem Staatsoberhaupt und Goerdeler als Kanzler unterzeichnet werden sollte, war bereits ausgearbeitet.

1943 wurde Stauffenberg zum Stabschef beim Befehlshaber des Ersatzheeres (BdE) Friedrich Fromm berufen und erhielt Gelegenheit, an Lagebesprechungen bei Hitler teilzunehmen. Anfang Juli 1944 beschloss er, das Attentat bei einer Lagebesprechung in der "Wolfsschanze" selbst auszuführen. Zuvor waren bereits mehrere Versuche der Widerstandsgruppe gescheitert. Auch das Attentat am 20. Juli schlug fehl - und damit die gesamte Operation "Walküre". Noch in derselben Nacht wurden Stauffenberg und weitere Hauptverantwortliche des Attentats im Hof des Bendlerblocks, der Berliner Zentrale des Umsturzversuches, erschossen. Ludwig Beck wurde zum Selbstmord gezwungen. Henning von Tresckow nahm sich später an der Ostfront das Leben. In den Tagen nach dem Attentatsversuch nahm die Gestapo Tausende von Regimegegnern fest. Anfang August begannen die Prozesse vor dem "Volksgerichtshof", die bis zum Zusammenbruch des NS-Regimes im Mai 1945 andauerten. Hunderte wurden hingerichtet.

Reichsmarschall Hermann Göring (helle Uniform) und der Chef der "Kanzlei des Führers", Martin Bormann (l.), bei der Besichtigung der Zerstörung im Raum der Karten-Baracke im "Führerhauptquartier" Rastenburg nach dem Anschlag Stauffenbergs. (© picture-alliance/dpa)




Bedeutungswandel des 20. Juli in der Nachkriegszeit



70 Jahre nach dem Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 sei die Erinnerung an diese Ereignisse und ihre Akteurinnen und Akteure fester Bestandteil der politischen Kultur der Bundesrepublik Deutschland, schreibt der Politikwissenschaftler Johannes Tuchel. Aber es dauerte viele Jahre, bis die geschichtspolitische Einordnung der Widerstandsgruppe um Stauffenberg nach dem Ende des NS-Regimes einen Bedeutungswandel erfahren hat. Erst vor zehn Jahren, 2004, gab es in einer repräsentativen Befragung der deutschen Bevölkerung erstmals eine überwiegend positive Bewertung des 20. Juli 1944.

Bis in die 1950er Jahre wirkte die NS-Propaganda nach, die den Umsturzversuch als Vaterlandsverrat und Eidbruch durch eine kleine Gruppe ehrgeiziger Offiziere stigmatisierte. Viele Zeitgenossen betrachteten das Hitler-Attentat als Versuch der Militärkaste, ihren eigenen Ruf in letzter Minute zu retten. Auch in der DDR, wo dem kommunistischen Widerstand gegen Hitler eine zentrale Rolle beigemessen wurde, war der 20. Juli 1944 als reaktionärer Junkeraufstand denunziert worden. Wobei diese Sichtweise unterschlägt, dass Stauffenberg mit Vertretern der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung wie Julius Leber und Adolf Reichwein zusammenarbeitete und auch Kontakt zu kommunistischen Widerstandsgruppen suchte.

Erst als die zeitgeschichtliche Forschung in den 1960er Jahren die Motivlage der Widerstandskämpfer herausarbeitete, änderte sich das Bild von Stauffenberg und seinen Mitstreitern. Dennoch wird immer wieder kritisch darauf verwiesen, dass die Widerstandskämpfer um Stauffenberg keine geborenen Gegner des NS-Regimes gewesen seien und ihre Vorstellung einer Nachkriegsordnung keinesfalls auf demokratisch-freiheitlichen Grundsätzen beruhte, wie sie in der Bundesrepublik nach Kriegsende verankert wurden. Der Politikwissenschaftler Tilman Mayer rät jedoch zum Perspektivwechsel: Die Akteure des 20. Juli sollten im historischen Kontext betrachtet werden, denn nur so werde ihre ungeheure Leistung in dürftiger Zeit deutlich.

70 Jahre nach dem 20. Juli 1944 hat die Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin nun eine neue Dauerausstellung eröffnet – im Bendlerblock, erst Zentrum der Widerstandsgruppe, dann Hinrichtungsort für ihre Hauptverantwortlichen. Dort zeigt die Ausstellung die Geschichten verschiedener Widerstandsakteure, nicht nur die der Stauffenberg-Gruppe. Eine Rolle spielen unter anderem der Widerstand von Sinti und Roma, Jugendlichen, Arbeitern und Juden. Am Sonntag (20. Juli 2014) ist Bundespräsident Joachim Gauck Hauptredner der Gedenkveranstaltung von Bundesregierung und Stiftung 20. Juli 1944 im Ehrenhof des Bendlerblocks.

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