zurück 
6.11.2014

Als die Mauer fiel - der 9. November 1989


Vor 25 Jahren, in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989, fiel die Mauer. Der Weg zur deutschen Wiedervereinigung war frei. 


In der Nacht vom 9. November auf den 10. November 1989 steigen Menschen auf die Berliner Mauer vor dem Brandenburger Tor und feiern die Öffnung der Grenzübergänge. (© picture-alliance/dpa)


Der 9. November 1989 und die folgende Nacht bedeuteten das Ende für die Mauer. Jener innerdeutschen Grenze, die den Osten und den Westen Deutschlands seit dem 13. August 1961 geteilt hatte und für die der Ausdruck "die Mauer" Sinnbild wurde.


Gorbatschow stößt Reformprozess an



So unerwartet die Ereignisse an jenem Abend kamen, sie waren eingebettet in die Entwicklungen in Osteuropa und der Sowjetunion. Michail Gorbatschow hatte nach seiner Ernennung zum Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) 1985 einen Reform- und Öffnungsprozess in Gang gesetzt, der auf viele Partnerstaaten der UdSSR ausgestrahlt hatte.

Die richtungsweisenden Veränderungen in Ungarn, die im Frühling 1989 durch das politische Tauwetter in Gang gesetzt wurden, betrafen unmittelbar die DDR: Als Budapest im Mai 1989 die Grenzsicherungsanlagen zu Österreich abbauen ließ, nutzte eine steigende Zahl von DDR-Bürgern diese offene Grenze für die Flucht in den Westen. Wenig später wurden westliche Botschaften in Prag, Budapest, Warschau und Ost-Berlin zu Zufluchtsstätten Ausreisewilliger. Allein im Sommer 1989 stellten 120.000 DDR-Bürger einen Ausreiseantrag.


SED lehnt Reformkurs ab





Die DDR-Staatsführung lehnte den Kurs der Reformen von Gorbatschow ab. In weiten Teilen der Bevölkerung gärte es: Massenhafte Ausreisen, die Montagsdemonstrationen ab dem 4. September, Demonstrationen gegen das Regime und den Ein-Parteien-Staat am 6. Oktober, im Vorfeld des 40. Jahrestages der DDR-Gründung, schließlich der Druck der Massen auf die Öffnung der Grenzen am 9. November ließen alle Dämme brechen. Hinzu kam: Die DDR war im Zuge eines drastischen wirtschaftlichen Niedergangs schlichtweg bankrott.


9. November: Reisegesetz im Fokus 





Der 9. November war der zweite Tag eines Treffens des Zentralkomitees (ZK) der SED. Auf der Agenda stand auch das geplante Reisegesetz. Nach dem Sturz des langjährigen Parteichefs Erich Honecker Mitte Oktober hoffte die neue SED-Führungsriege um Egon Krenz und Hans Modrow, die Situation in der DDR mit dem Gesetzesentwurf wieder stabilisieren zu können. Schon am 6. November war ein Entwurf öffentlich geworden und hatte für heftige Proteste gesorgt, weil er den Bürgern eine nur mit erheblichen Einschränkungen versehene Reisefreiheit in Aussicht stellte.


SED-Generalsekretär Krenz erläuterte dem Zentralkomitee am Nachmittag des 9. November die von der Regierung vorgesehene Änderungen am Reisegesetz und gab kurz vor 18 Uhr ein entsprechendes Papier an den neuen ZK-Sekretär für Information, Günter Schabowski, damit dieser die Medien bei der anschließenden Pressekonferenz informieren konnte. Jene Pressekonferenz ist legendär geworden.

Eine legendäre Pressekonferenz




In ihrem Zentrum stand zunächst gar nicht das geplante Reisegesetz. Die Nachfrage eines Journalisten veranlassten Schabowski zu Ausführungen, dass Anträge auf Reisen ins Ausland ohne Vorbedingungen gestellt werden könnten, dass jeder DDR-Bürger ab dem kommenden Morgen um 8 Uhr ein Visum erhalten könne und dass die Behörden angewiesen seien, Pässe und Visa "schnell und unbürokratisch" auszustellen. Die neue Reiseregelung für DDR-Bürger trete "sofort" in Kraft.

Nachrichtenagenturen und Fernsehsender wie die ARD in der Tagesschau verbreiteten, dass die DDR mit sofortiger Wirkung ihre Grenzen öffne.

Grenze geöffnet





Daraufhin strömten tausende Ostberliner an die Grenzübergänge ihrer Stadt. Gegen 23.30 Uhr gaben die Diensthabenden am Übergang Bornholmer Straße in Berlin-Wedding dem Drängen nach und öffneten die Grenze. Kurz nach Mitternacht standen alle Grenzübergänge in Berlin offen. Was heute, 25 Jahre später, Alltag ist - ein paar Schritte von Ost nach West oder umgekehrt -, das ließ die Menschen in der Nacht vom 9. auf den 10. November in Freudentränen ausbrechen, löste Jubelgeschrei und stürmische Umarmungen aus. Am Brandenburger Tor begannen Menschen, auf die Berliner Mauer zu steigen.


Schon weniger als ein Jahr später, am 3. Oktober 1990, war die DDR Geschichte, die Deutschen feierten die Vereinigung ihrer beiden Staaten. Seither ist die Angleichung der Lebensverhältnisse in Ost und West ein wichtiges Ziel der Politik. Eine Annäherung sei weitgehend gelungen, aber der Aufholprozess habe sich abgeschwächt: Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Jahresbericht der Bundesregierung zum Stand der Deutschen Einheit.

i

Der 9. November in der deutschen Geschichte

1848, 1918, 1923, 1938, 1989: Der 9. November gilt als "Schicksalstag" in der deutschen Geschichte. Jedes Jahr fallen an diesem Tag Feier- und Gedenkstunden zusammen.

Mehr zum Thema

Nach oben © Bundeszentrale für politische Bildung Zur klassischen Website von bpb.de wechseln