zurück 
26.11.2019

Vor 30 Jahren: Ermordung von Alfred Herrhausen

Am 30. November 1989 wurde Alfred Herrhausen, der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, bei einem Bombenattentat ermordet. Zu der Tat bekannte sich die RAF. Bis heute sind die Täter nicht ermittelt.

Polizeibeamte stehen am Wrack der Herrhausen-Limousine in Bad Homburg. Bei dem Attentat wurde der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, getötet. (© picture-alliance/dpa)


Der Bankmanager Alfred Herrhausen wurde am Morgen des 30. November 1989 durch ein Sprengstoffattentat getötet, als er in seinem gepanzerten Dienstwagen von seinem Wohnhaus in Bad Homburg zur Arbeit gefahren wurde. Ein sieben Kilogramm schwerer Sprengsatz war auf dem Gepäckträger eines Fahrrads am Straßenrand befestigt worden. Er wurde laut Ermittlungen durch eine Lichtschranke gezündet, als die Limousine des Vorstandsprechers der Deutschen Bank die Straße passierte. Herrhausen verblutete im Wagen. Sein Fahrer wurde bei dem Attentat schwer verletzt.


Keine vollständige Aufklärung

Der Mord konnte nicht vollständig aufgeklärt werden. Doch die Ermittler fanden am Tatort ein Blatt Papier mit dem Emblem der „Rote Armee Fraktion“ (RAF) sowie den Worten: "Kommando Wolfgang Beer". Beer war ein mutmaßlicher RAF-Terrorist, der 1980 bei einem Autounfall ums Leben gekommen war.

Fünf Tage nach dem Attentat erhielten Nachrichtenagenturen ein ausführlicheres Bekennerschreiben, in dem sich die RAF zum Mord an Herrhausen bekannte. Im Juli 1991 legte ein ehemaliger Informant des hessischen Verfassungsschutzes ein Geständnis seiner Beteiligung an dem Attentat ab, widerrief dieses aber später.

Die bis heute ausstehende Aufklärung des Attentats auf Herrhausen und seinen Fahrer, aber auch das umstrittene Vorgehen der Ermittlungsbehörden, führten zu Kritik und Mutmaßungen über eine Beteiligung der DDR-Staatssicherheit oder Angehöriger des hessischen Verfassungsschutzes.

i

Die Rote Armee Fraktion (RAF)

Die Mitglieder derRote Armee Fraktion (RAF) versuchten, durch gezielte terroristische Anschläge die politische und soziale Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland gewaltsam zu verändern.

Mit der "Offensive '77" erreicht der Terror der RAF im Jahr 1977 seinen Höhepunkt: im April verübte die RAF einen Mordanschlag auf den Generalbundesanwalt Siegfried Buback sowie dessen Fahrer Wolfgang Göbel. Bei einem misslungenen Entführungsversuch im Juli erschossen die Terroristen Dresdner-Bank-Chef Jürgen Ponto und Anfang September entführten RAF-Mitglieder den Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer und erschossen dabei die Polizisten Reinhold Brändle, Helmut Ulmer und Roland Pieler sowie Schleyers Fahrer Heinz Marcisz. Die Geschehnisse während der 44 Tage andauernden Geiselnahme Schleyers, die mit dessen Ermordung endet, wurden als der "Deutsche Herbst" zur größten innenpolitischen Herausforderung in der Geschichte der alten Bundesrepublik. 


Der Politikwissenschaftler Christopher Daase unterscheidet drei Phasen, in denen die RAF agierte. Die erste Generation der RAF wird zwischen 1970 und 1975 rund um die Hauptfiguren Andreas Baader, Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin datiert. Beim Prozess von Stammheim muss sich die erste Generation für ihre Verbrechen während der "Mai-Offensive" verantworten.
Die zweite Generation (1975-1981) brachte eine neue Qualität des Terrorismus nach Deutschland. Die Ermordung "Unbeteiligter" nahm sie billigend in Kauf. Sie wird verantwortlich gemacht für eine Reihe von radikalen Aktionen, die ihren Höhepunkt im sogenannten Deutschen Herbst 1977 fanden. Die dritte RAF-Generation (1982-1998) ist laut Daase durch eine Internationalisierung ihrer Aktionen charakterisiert.


Wer war Alfred Herrhausen? 



Alfred Herrhausen galt als einer der einflussreichsten Manager der Bundesrepublik und zugleich als eine der gefährdetsten Personen des Landes. Er arbeitete seit 1969 bei der Deutschen Bank und wurde 1985 einer von zwei Vorstandsprechern der, ab 1988 führte er die Bank.

Einer breiten Öffentlichkeit wurde Herrhausen in der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre bekannt, als er vorschlug, armen Ländern teilweise ihre Schulden zu erlassen. Die Schuldenkrise der Entwicklungsländer bedrohe den Frieden und die ökonomische Wohlfahrt der gesamten Menschheit, sagte Herrhausen. In der Finanzbranche stießen die Vorschläge auf heftige Kritik. Am Tag nach seiner Ermordung zogen zehntausend Menschen in einem Schweigemarsch durch das Frankfurter Bankenviertel.

Die dritte Generation der RAF

Herrhausen war eines von insgesamt 34 Opfern, zu deren Ermordung sich die RAF in den Jahren 1971 bis 1993 bekannte oder die ihr zugeschrieben werden. Sein Tod fällt in die Wirkungsphase der sogenannten dritten Generation der RAF, die zu Beginn der 1980er-Jahre verstärkt auf die internationale Zusammenarbeit mit ausländischen Gruppen setzte. So ermordeten Mitglieder der RAF 1985 in Abstimmung mit der französischen Untergrundorganisation „Action Directe“ (AD) den französischen General René Audran und den deutschen Industriellen Ernst Zimmermann. Auch der Anschlag auf die US-Airbase in Frankfurt am Main im August 1985, bei dem zwei Menschen starben und mehr als 20 verletzt wurden, wird der RAF und der AD zugeschrieben. Das letzte prominente Opfer der RAF war im Jahr 1991 Detlev Karsten Rohwedder, der Vorstandsvorsitzende der Treuhandanstalt.


Im Jahr 1998 gab die RAF ihre Selbstauflösung bekannt: Sie schrieb, dass die "Stadtguerilla in Form der RAF [...] nun Geschichte" sei.

Mehr zum Thema:

Nach oben © Bundeszentrale für politische Bildung Zur klassischen Website von bpb.de wechseln