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9.6.2017

Internationaler Tag gegen Kinderarbeit

Etwa 168 Millionen Kinder müssen weltweit arbeiten gehen. Der Internationale Tag gegen Kinderarbeit, der von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) 2002 ins Leben gerufen wurde und jedes Jahr am 12. Juni stattfindet, soll ein kritisches Bewusstsein für diese Ausbeutung von Kindern schaffen.

In Bangladesch arbeitet ein achtjähriger Junge in einer Ziegelei. Oft sind Familien darauf angewiesen, dass jedes Familienmitglied arbeitet, um das Überleben zu sichern. (© picture alliance/ZUMA Press)




In diesem Jahr liegt der Fokus darauf, wie Konflikte und Katastrophen Kinderarbeit beeinflussen. Kriege und Umweltkatastrophen bedrohen die Grundrechte der Menschen. Insbesondere Kinder sind davon betroffen: Ihnen fehlt oft der Zugang zu Bildung oder sie verlieren ihre Familie. Dadurch werden sie häufig in die Kinderarbeit hineingetrieben – eine signifikante Zahl der arbeitenden Kinder lebt in konfliktgeprägten Regionen.

Arten der Kinderarbeit



Nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) von 2012 gibt es weltweit 168 Millionen Kinder, die arbeiten - das entspricht einem Anteil von 11 Prozent aller Kinder auf der Welt. Die ILO unterscheidet in ihrer Erhebung drei Arten von Arbeit: Kinder in Beschäftigung (children in employment), Kinderarbeit (child labour) und gefährliche Arbeit (hazardous work). Die Kategorie Kinder in Beschäftigung ist das umfangreichste Konzept von Kinderarbeit. Sie umfasst alle wirtschaftlichen Tätigkeiten, die ein Kind mehr als eine Stunde pro Woche innerhalb oder außerhalb des eigenen Haushalts ausübt. Diese Arbeit kann entlohnt oder nicht entlohnt sein und umfasst sowohl die Herstellung von Waren als auch die Ausführung von Dienstleistungen.

Der Begriff der Kinderarbeit ist enger gefasst. Leichte Arbeiten, die zugelassen sind und von Kindern ausgeführt werden, die das Mindestalter* erreicht haben, sind nicht in der Definition enthalten und gehören zum Bereich "Beschäftigung". Kinderarbeit umfasst sowohl die Beschäftigung von Kindern unter dem Mindestalter als auch gefährliche Formen von Arbeit, die wiederum eine eigene Kategorie bilden.

Dieses dritte Konzept der "gefährlichen Arbeit" bezieht sich auf Tätigkeiten, die sich nachteilig auf die Sicherheit, Gesundheit und die psychische Entwicklung von Kindern auswirken. Hierzu zählen lange Arbeitstage, Nachtarbeit, Arbeit mit gefährlichen Maschinen und Werkzeugen, schwere Transporte, Arbeit mit gefährlichen Stoffen und generell Arbeit in Umgebungen, in denen Kinder physischer, psychischer und sexueller Misshandlung ausgesetzt sind. Knapp die Hälfte der arbeitenden Kinder (85 Millionen) verrichtete 2012 gefährliche Arbeiten. Zwar ist verglichen mit dem Jahr 2000 ein deutlicher Rückgang der gefährlichen Arbeit von 171 auf 85 Millionen zu verzeichnen – gleichzeitig aber sind die als "gefährliche Arbeit" eingestuften Tätigkeiten auch diejenigen, die statistisch kaum erfassbar sind, etwa in Fällen von Zwangsprostitution oder von Zwangsrekrutierung in bewaffneten Konflikten.


*Die ILO Konvention Nr. 138 legt Altersgrenzen für verschiedene Formen von Beschäftigung fest. Leichte Arbeit ist mit 13-15 Jahren erlaubt.

Die Grafik zeigt die Zahlen arbeitender Kinder weltweit in den drei definierten Bereichen im zeitlichen Vergleich. (© bpb)




Kinderarbeit nach Weltregionen, Schätzungen von 2012



In Asien und dem Pazifikraum gibt es 77,7 Millionen arbeitende Kinder. In absoluten Zahlen kommen damit die meisten betroffenen Kinder aus dieser Region. Mit 21,4 Prozent ist der prozentuale Anteil an Kinderarbeitern jedoch in Subsahara-Afrika am höchsten. Dort muss jedes fünfte Kind arbeiten.

Die Grafik zeigt die Aufteilung der arbeitenden Kinder nach Region. (© bpb)




Arbeitsbereiche



Am häufigsten wird Kinderarbeit im Bereich der Landwirtschaft geleistet. 2012 waren 59 Prozent aller Kinder in Kinderarbeit in diesem Sektor beschäftigt, das entspricht einer Zahl von 98 Millionen Kindern. Aber auch die Zahl der arbeitenden Kinder im Industrie- und im Dienstleistungssektor ist nicht zu vernachlässigen. 12 Millionen Kinder verrichten industrielle Tätigkeiten und 54 Millionen sind im Dienstleistungssektor beschäftigt, wobei 7 Prozent davon auf Hausarbeit entfallen. Im Vergleich zur letzten Erhebung der ILO ist ein Anstieg von Kinderarbeit im Dienstleistungsbereich zu verzeichnen, sowohl insgesamt als auch für Hausarbeit – einer Art von Arbeit, die abgeschirmt von der Öffentlichkeit passiert, keinen Kontrollen unterliegt und Kinder deshalb besonders verletzlich für Ausbeutung und Missbrauch macht.

Die Grafik zeigt die Verteilung von Kinderarbeit auf die Sektoren Landwirtschaft, Industrie und Dienstleistungen im zeitlichen Vergleich. (© bpb)




Kinderarbeit nach Altersgruppen



Zwischen 2000 und 2012 ist der Anteil der 5- bis14-jährigen Kinder, die arbeiten, gesunken. Waren im Jahr 2000 17,6 Prozent aller Kinder dieser Altersgruppe betroffen, so sind es im Jahr 2012 noch 11,8 Prozent. Vor allem im Bereich der gefährlichen Arbeit hat es eine positive Entwicklung gegeben, dort sank der Anteil von 9,3 auf 3,1 Prozent. Auch in der Gruppe der 15- bis 17-Jährigen ist die Zahl der Kinder in Beschäftigung zurückgegangen – von 140,9 Millionen im Jahr 2000 auf 120,4 Millionen im Jahr 2012.

Die Grafik zeigt die Entwicklung von Kinderarbeit bei den 5- bis 14-Jährigen sowie den 15- bis 17-Jährigen im zeitlichen Vergleich. (© bpb)




Entwicklung der Kinderarbeit von 2000 bis 2012 (nach Geschlecht)



2012 wurden weltweit 99,8 Millionen Jungen als Kinderarbeiter beschäftigt. Ihre Zahl übersteigt die der Mädchen, die bei 68,2 Millionen liegt. Im Zeitraum zwischen 2000 und 2012 hat sich vor allem die Zahl der Mädchen in Kinderarbeit stark verringert – sie sank von 113,3 auf 68,2 Millionen und damit um 40 Prozent. Zwar ging auch die Zahl der Jungen zurück, jedoch mit 25 Prozent nicht so stark wie die der Mädchen. Der einzige Bereich, in dem mehr Mädchen als Jungen Arbeit verrichten müssen, ist der Hausarbeitssektor.

Die Grafik zeigt die Entwicklung der Kinderarbeit bei Mädchen und Jungen im zeitlichen Vergleich. (© bpb)




Entwicklung der Kinderarbeit von 2000 bis 2012



Obwohl das Ziel der internationalen Gemeinschaft, bis 2016 die schlimmsten Formen von Kinderarbeit zu beseitigen, nicht umgesetzt werden konnte, wurden in den vergangenen Jahren Teilerfolge verzeichnet: Seit 2000 ist die Zahl der arbeitenden Kinder um fast ein Drittel gesunken. Auch die Zahl der Kinder, die gefährliche Arbeiten verrichten müssen, ist signifikant gesunken. Während sie im Jahr 2000 170,5 Millionen betrug, waren es im Jahr 2012 noch 85,3 Millionen.

Die Grafik zeigt die Entwicklung der Kinderarbeit weltweit. (© bpb)




2015 beschlossen mehr als 150 Staats- und Regierungschefs als Teil der UN-Entwicklungsziele, schnelle und effektive Maßnahmen zu ergreifen, damit bis zum Jahr 2025 die schlimmsten Formen der Kinderarbeit abgeschafft und verboten werden.

Quelle: International Labour Office (ILO). Marking Progress against Child Labour. Global Estimates and Trends 2000-2012
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