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26.6.2015

Unterzeichnung der Charta der Vereinten Nationen

Vor 70 Jahren unterzeichneten 50 Staaten die Charta der Vereinten Nationen. Sie wollten damit ein Staatenbündnis schaffen, das Kriege verhindert und Kooperation gewährleistet. Heute gehören der Organisation 193 Staaten an.

Auf der Konferenz von San Francisco wird im Juni 1945 die Charta der Vereinten Nationen unterzeichnet. Hier leistet der Vertreter Chiles die Unterschrift für sein Land. (© picture-alliance/akg)


Vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkrieges mit seinen verheerenden Folgen versammelten sich am 25. April 1945 Vertreter aus 50 Staaten in San Francisco, um über eine neue Weltordnung zu beraten. Nach langen Verhandlungen unterzeichneten sie dort am 26. Juni 1945 die Charta der Vereinten Nationen. Da Polen an der Gründungskonferenz nicht teilnehmen konnte, trat es später als 51. Gründungsstaat hinzu.

Das Hauptziel der Charta war und ist es den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu wahren. Nur wenige Monate nach ihrer Unterzeichnung trat sie am 24. Oktober in Kraft und die Vereinten Nationen (United Nations, UN) wurden gegründet.

Nicht der erste Versuch



Bereits nach Ende des Ersten Weltkrieges hatten die Siegermächte 1919 versucht mit dem Völkerbund eine Organisation zu schaffen, die es den Staaten ermöglichen sollte, sich friedlich zu verständigen und Kriege zu verhindern. Doch die Statuten des Völkerbundes sahen weder ein absolutes Gewaltverbot vor, noch besaßen sie Möglichkeiten, Verstöße gegen das eingeschränkte Gewaltverbot zu sanktionieren. Zudem konnte US-Präsident Woodrow Wilson, der sich für den globalen Staatenbund starkgemacht hatte, im eigenen Land keine Mehrheit für einen Beitritt erreichen. Letztlich fehlte dem Völkerbund eine umfassende Anerkennung. Zu keinem Zeitpunkt konnte er mehr als zwei Drittel aller Staaten hinter sich versammeln und wurde 1946 aufgelöst.

Die Charta und ihre Ziele



Erste Entwürfe für eine neue Weltordnung entstanden bereits in den frühen Kriegsjahren, wie beispielsweise die Atlantik-Charta des US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt und des britischen Premiers Winston Churchill aus dem Jahr 1941. Unter Einbeziehung der Sowjetunion nahmen diese Entwürfe in den Konferenzen von Moskau und Teheran (1943), Dumbarton Oaks in Washington D.C. (1944) und Jalta (Februar 1945) immer mehr Gestalt an. Die Grundlagen für die Charta einer neuen Weltorganisation waren daher insbesondere von den Vorstellungen der USA, der Sowjetunion und des Vereinigten Königreichs geprägt.

Neben der Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit sind in der UN-Charta die folgenden Ziele festgeschrieben:

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Charta der Vereinten Nationen – Präambel

"WIR, DIE VÖLKER DER VEREINTEN NATIONEN - FEST ENTSCHLOSSEN,

künftige Geschlechter vor der Geißel des Krieges zu bewahren, die zweimal zu unseren Lebzeiten unsagbares Leid über die Menschheit gebracht hat, unseren Glauben an die Grundrechte des Menschen, an Würde und Wert der menschlichen Persönlichkeit, an die Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie von allen Nationen, ob groß oder klein, erneut zu bekräftigen, Bedingungen zu schaffen, unter denen Gerechtigkeit und die Achtung vor den Verpflichtungen aus Verträgen und anderen Quellen des Völkerrechts gewahrt werden können, den sozialen Fortschritt und einen besseren Lebensstandard in größerer Freiheit zu fördern,

UND FÜR DIESE ZWECKE

Duldsamkeit zu üben und als gute Nachbarn in Frieden miteinander zu leben, unsere Kräfte zu vereinen, um den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu wahren, Grundsätze anzunehmen und Verfahren einzuführen, die gewährleisten, daß Waffengewalt nur noch im gemeinsamen Interesse angewendet wird, und internationale Einrichtungen in Anspruch zu nehmen, um den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt aller Völker zu fördern -

HABEN BESCHLOSSEN, IN UNSEREM BEMÜHEN UM DIE ERREICHUNG DIESER ZIELE ZUSAMMENZUWIRKEN.

Dementsprechend haben unsere Regierungen durch ihre in der Stadt San Franzisko versammelten Vertreter, deren Vollmachten vorgelegt und in guter und gehöriger Form befunden wurden, diese Charta der Vereinten Nationen angenommen und errichten hiermit eine internationale Organisation, die den Namen "Vereinte Nationen" führen soll."

Quelle: Charta der Vereinten Nationen

Struktur der UN



Die UN besitzen sechs Hauptorgane: Die Generalversammlung, den Sicherheitsrat, den Wirtschafts- und Sozialrat, den Treuhandrat, das Sekretariat mit dem Generalsekretär an der Spitze und den Internationalen Gerichtshof. Zusätzlich existiert eine Vielzahl von Nebenorganen – Programme und Fonds, wie beispielsweise das Flüchtlingskommissariat oder das Welternährungsprogramm und Sonderorganisationen, wie die Weltgesundheitsorganisation.

Sonderorganisationen der Vereinten Nationen. Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/



Gegenwärtig haben die UN 193 Mitglieder. 2011 trat der Südsudan als bisher letzter Mitgliedsstaat bei. Der Vatikanstaat sowie eine kleine Anzahl von Staaten, die lediglich von einer Minderheit der UN-Staaten anerkannt sind, zum Beispiel Taiwan, der Kosovo und die Türkische Republik Nordzypern, sind nach wie vor keine Mitglieder der UN. Als Generalsekretär amtiert seit 2007 der Südkoreaner Ban Ki-moon.

Blockierung des Sicherheitsrats



Laut Artikel 24 der Charta trägt der Sicherheitsrat "die Hauptverantwortung für die Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit". Allerdings gibt es bis heute innerhalb des Sicherheitsrates Probleme, gemeinsame Beschlüsse zu fassen und durchzusetzen. Seine Zusammensetzung spiegelt die globalen Machtverhältnisse zu Ende des Zweiten Weltkriegs wider: die USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien sind ständige Mitglieder des Rates. Mit ihrem Vetorecht können sie verhindern, dass gemeinsame Beschlüsse gefasst werden. Aufgrund der äußerst unterschiedlichen Interessen der Vetomächte kann die UN in den gegenwärtigen Konflikten in Syrien und in der Ukraine keine zentrale, friedensstiftende Rolle spielen.

Kritik und Reformversuche



Mit der Zeit ist sowohl die Zahl der Mitgliedsstaaten der UN enorm gewachsen, als auch die Zahl der Aufgaben, denen sie sich widmet und hierfür immer neue Organisationseinheiten benötigt. Dies hat die Komplexität des UN-Systems erheblich gesteigert und ihm immer wieder den Vorwurf der Unübersichtlichkeit und der partiellen Ineffizienz eingetragen.

Indien, Brasilien, Japan und Deutschland setzen sich seit Langem für eine Reform des Sicherheitsrates ein. Aus ihrer Perspektive ist es nötig, die Zusammensetzung des Sicherheitsrates an die globalen Realitäten von heute anzupassen. Bereits im Jahr 2005 hatten sie daher vorgeschlagen, den Sicherheitsrat um sechs ständige Mitglieder (je zwei Sitze für Asien und Afrika und je einen Sitz für die Westliche Gruppe und die Lateinamerikanisch-Karibische Gruppe) und vier nichtständige Mitglieder (je einen Sitz für Afrika, Asien, Lateinamerika und Karibik sowie Osteuropa) zu erweitern. Im selben Jahr scheiterten diese Bemühungen vorerst und sind seitdem nicht vorangekommen.

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