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28.1.2016

Das Ende der Apartheid-Gesetze

Für Südafrika markiert der 1. Februar 1991 eine wichtige Etappe auf dem Weg zur Überwindung der Apartheid. Präsident Frederik Willem de Klerk machte im Parlament eine wegweisende Ankündigung.

In der südafrikanischen Stadt Carletonville, etwa 50 Kilometer südwestlich von Johannesburg, kennzeichnet ein Schild am 1. März 1989 ein Gebiet, das nur für Weiße reserviert ist. (© picture-alliance/dpa)


Vor 25 Jahren läutete Südafrikas damaliger Präsident Frederik Willem de Klerk das endgültige Ende der Apartheid ein. Jahrzehntelang war die schwarze Bevölkerung in Südafrika diskriminiert und verfolgt worden. Vor allem seit der Regierungsübernahme der National Party im Jahr 1948 herrschte eine Politik der sogenannten Rassentrennung, die die schwarze Bevölkerung ihrer Grund- und Menschenrechte beraubte und brutal unterdrückte. In seiner ersten Rede des Jahres 1991 vor dem von Weißen dominierten Parlament in Kapstadt versprach de Klerk, die letzten noch geltenden Gesetze der sogenannten Rassentrennung abzuschaffen.

Nelson Mandela kommt frei



Bereits ein Jahr zuvor, am 2. Februar 1990, hatte de Klerk Südafrika und die Welt überrascht: In seiner Rede vor dem Parlament verkündete er, das Verbot des African National Congress‘ (ANC), des Pan Africanist Congress‘, der Kommunistischen Partei Südafrikas sowie einer Vielzahl anderer gegen die Apartheid kämpfender Organisationen aufzuheben, alle politischen Gefangenen freizulassen und die Apartheid zu beenden. Neun Tage später kam Nelson Mandela nach 27 Jahren Haft frei.

De Klerk zählte eigentlich zum konservativen Flügel der seit mehr als 40 Jahren regierenden National Party, er war lange ein Befürworter der Apartheid. Doch der seit den 1980er Jahren vorherrschende innen- und außenpolitische Druck, der sich sowohl in Massendemonstrationen als auch in der Verurteilung des Apartheidregimes und den wirtschaftlichen Sanktionen seitens der internationalen Gemeinschaft zeigte, veranlasste ihn, grundlegende Reformen auf den Weg zu bringen.

Ausbeutung und Unterdrückung per Gesetz



So wurde de Klerk zu einem der Wegbereiter des demokratischen Wandels in Südafrika. Am 1. Februar 1991 wiederholte er sein Ziel, ein neues Südafrika mit gleichen Rechten für alle aufzubauen. Dafür sollten die letzten noch geltenden Gesetze der sogenannten Rassentrennung abgeschafft werden: die Land Acts von 1913 und 1936, der Group Areas Act und der Population of Registration Act.

Der durch das südafrikanische Parlament bereits 1913 beschlossene Natives’ Land Act hatte die territoriale Segregation festgeschrieben. Der schwarzen südafrikanischen Bevölkerung war es von nun an untersagt, Land in einem für Weiße ausgewiesenen Gebiet zu kaufen oder zu pachten und umgekehrt. Ein Großteil des südafrikanischen Bodens wurde für die weiße Bevölkerung reserviert, nur rund 7 Prozent der gesamten Fläche durfte die schwarze Bevölkerung bewohnen und bewirtschaften. 1936 wurde der Anteil mit dem Native Trust and Land Act auf knapp 13 Prozent hochgesetzt. Dadurch hatten nur wenige Schwarze Zugang zu Boden und zu Landwirtschaft, und viele waren gezwungen, sich als Wanderarbeiter unter ausbeuterischen Bedingungen in einer Mine oder Fabrik zu verdingen. Die weiße Bevölkerung, in deren Besitz die Betriebe waren, profitierte so doppelt vom Natives’ Land Act – durch die Landrechte und die billigen Arbeitskräfte.

3,5 Millionen Zwangsumsiedlungen



Der 1950 verabschiedete Group Areas Act teilte Städte in Gebiete für Weiße und Nicht-Weiße auf. Die besseren Gegenden, meist im Zentrum, waren für die weiße Bevölkerung reserviert, während den Angehörigen anderer Ethnien die abgelegenen, weniger attraktiven Stadtteile zugewiesen wurden. Durch das Gesetz verloren Millionen Schwarze ihren Wohnort, ihren Arbeitsplatz und ihre Bewegungsfreiheit. Schätzungen zufolge wurden 3,5 Millionen Menschen zwangsumgesiedelt. Nur für jene, die im Dienste Weißer standen, etwa als Hausangestellte, galten Ausnahmen. Sie wohnten oft auf dem Grundstück ihres Arbeitgebers und konnten dadurch ihre Familien und Freunde über lange Zeiträume hinweg nicht sehen.

Mit dem Population of Registration Act, ebenfalls von 1950, wurde festgeschrieben, dass jede Südafrikanerin und jeder Südafrikaner im Melderegister einer von drei "Rassen" zuzuordnen sei: "Weiße", "Schwarze" oder "Coloureds". Später wurde mit "Asiaten" eine vierte Kategorie ergänzt. Die Kategorie, der man zugeordnet wurde, bestimmte das ganze Leben: wo man leben durfte, wen man heiraten durfte, welche Schulen man besuchen durfte, welche Jobs man ausüben durfte und vieles mehr.

Der Weg zu den ersten freien Wahlen



Am 17. Juni 1991 wurden de Klerks Versprechen aus dem Februar Realität und das Parlament erklärte die Gesetze für ungültig.

Es folgten lange Verhandlungen zwischen de Klerks National Party und dem von Nelson Mandela angeführten ANC über Machttransfers, Machtteilung, die politische Zukunft und das politische System des neuen Südafrikas. Dabei stand de Klerk unter dem Druck rechter weißer Nationalisten, die sich nicht mit dem Ende der Apartheid abfinden wollten. Doch in einem nur weißen Bürgern vorbehaltenen Referendum im März 1992 sprachen sich zwei Drittel für de Klerks Weg und eine neue Verfassung aus. Deren vorläufige Version wurde 1993 verabschiedet und trat am 27. April 1994 in Kraft, zeitgleich zu den ersten freien Wahlen Südafrikas. Bei diesen errang der ANC die absolute Mehrheit, Nelson Mandela wurde der erste schwarze Staatspräsident und Chef einer Regierung der nationalen Einheit mit der National Party und der Inkatha Freedom Party. 1997 gab sich das Land seine endgültige Verfassung.

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