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30.3.2016

Vor 25 Jahren: Ende des Warschauer Paktes

Mit dem Zusammenbruch des kommunistischen Ostblocks verlor das 1955 gegründete Militärbündnis "Warschauer Pakt" seine politische Grundlage und löste sich auf. Fast alle Staaten des Bündnisses traten später der NATO bei.

Auf einer Sondersitzung des Beratenden Politischen Ausschusses am 25. Februar 1991 in Budapest/Ungarn beschlossen die sechs Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts die Auflösung ihres Militärbündnisses zum 31. März 1991. (© picture-alliance/dpa)


Fast 36 Jahre nach seiner Unterzeichnung lösten die Mitgliedstaaten zum 31. März 1991 die militärischen Strukturen des Warschauer "Vertrags über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand" auf. Zum 1. Juli desselben Jahres wurde der Vertrag schließlich gänzlich aufgelöst und damit der Kalte Krieg formell beendet. Das als Warschauer Pakt bezeichnete Bündnis war am 14. Mai 1955 von acht Staaten des sozialistischen Ostblocks in Warschau gegründet worden. 1985 beschlossen die Mitgliedstaaten, den Vertrag um 20 Jahre zu verlängern. Dem Bündnis gehörten neben der Sowjetunion (UdSSR) die sozialistischen Staaten Rumänien, Polen, Bulgarien, Tschechoslowakei (ČSSR), Ungarn, die DDR sowie Albanien an. Albanien trat 1968 aus dem Warschauer Vertrag aus.

Reaktion auf NATO-Beitritt der Bundesrepublik



Die Ostblockstaaten unter Führung der Sowjetunion hatten mit dem Warschauer Pakt auf die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik und ihre Aufnahme in die NATO 1955 reagiert. Das westliche Verteidigungsbündnis NATO war 1949 gegründet worden.

Im Artikel 4 des Warschauer Vertrags verpflichteten sich die Bündnispartner, "im Falle eines bewaffneten Überfalles in Europa auf einen oder mehrere Teilnehmerstaaten des Vertrages" gegenseitigen militärischen Beistand zu leisten. Dabei erhielt die Sowjetunion im Vertrag eine dominierende Rolle: So stand das "Vereinte Oberkommando" stets unter Befehl eines sowjetischen Marschalls, der gleichzeitig der erste Stellvertreter des sowjetischen Verteidigungsministers war. Das Vereinte Oberkommando führte sowjetische Streitkräfte in der ČSSR, Polen, Ungarn und der DDR. Auch die Streitkräfte der Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR, die gesamte Luftverteidigung der Bündnispartner und die Flottenverbände in der Ostsee waren unter sowjetischem Kommando.

Die Hegemonie der Sowjetunion



Im Oktober 1956 fahren sowjetische Panzer durch Budapest. (© picture-alliance/akg)

Die dominante Rolle der UdSSR im Warschauer Pakt wurde 1956 offenbar, als sowjetische Truppen in Ungarn einmarschierten. Sie schlugen einen ungarischen Volksaufstand nieder und setzten die reformkommunistische Regierung ab, die am 1. November den Austritt aus dem Warschauer Pakt beschlossen und ihre Neutralität erklärt hatte.

Auch die Reformbewegung in der Tschechoslowakei wurde im August 1968 mit dem Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes in die ČSSR beantwortet.

Sowjetischer Panzer in den Straßen des Altstädter Rings in Prag im August 1968. (© picture alliance / UPI)

Verbände der UdSSR, Polens, Ungarns und Bulgariens beendeten gewaltsam den "Prager Frühling". Damit erstickten sie die Reformansätze des ersten Sekretärs der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei, Alexander Dubček, im Keim. Albanien trat aus Protest gegen diese Intervention 1968 aus dem Pakt aus.

Im gleichen Jahr wurde die sogenannte Breschnew-Doktrin verkündet: Sie sah vor, dass die Sowjetunion im Falle einer "Gefährdung des Sozialismus" in einem der Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts intervenieren würde. Die Souveränität der Mitgliedstaaten war somit eingeschränkt.

Die Breschnew-Doktrin

Aus der Rede Leonid Breschnews auf dem V. Parteitag der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei, 12. November 1968:
Von 1964 bis 1972 wurden zudem etliche bilaterale Abkommen zwischen den Mitgliedstaaten geschlossen, die vor allem die Stationierung sowjetischer Truppen in diesen Ländern regelten und die Vormachtstellung der Sowjetunion weiter ausbauten.

Zugleich waren es die Staaten des Warschauer Paktes, die in den 1960er Jahren eine europäische Sicherheitskonferenz vorschlugen, um die politische Zusammenarbeit zwischen den konkurrierenden Blöcken zu regeln. Bei der NATO stieß dies zunächst auf Ablehnung. Doch durch den Abschluss der Ostverträge (Warschauer und Moskauer Vertrag, 1970) und des Vier-Mächte-Abkommens über den Status Berlins (1971) kam schließlich 1973 die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) in Helsinki zustande, die 1975 in der Schlussakte von Helsinki mündete. Aus Sicht der Staaten des Warschauer Paktes bestätigte die Schlussakte die territoriale Integrität sowie die Unverletzlichkeit ihrer Grenzen.

Systemkollaps, Truppenabzug und NATO-Erweiterung



Die durch Michail Gorbatschow in den 1980er Jahren in der UdSSR eingeleiteten Reformen führen nicht zur erhofften Stabilisierung des sozialistischen Systems. 1989 setzten politische Umwälzungen in den vielen Ländern Osteuropas ein. 1990 unterzeichneten die Mitgliedstaaten der NATO sowie des Warschauer Paktes den Vertrag über konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE-Vertrag), der 1992 in Kraft trat. Er reduzierte bis zum Ende der 1990er Jahre in großem Umfang die konventionellen Waffensysteme in West- und Osteuropa.

Ebenfalls im Jahr 1990 begannen die sowjetischen Truppen, aus den Staaten des Warschauer Paktes abzuziehen. 1994 verließen die letzten, nunmehr russischen Truppen das wiedervereinigte Deutschland. Inzwischen sind alle Gründungsstaaten des Warschauer Paktes (außer Russland, der Nachfolgestaat der UdSSR) dem einst gegnerischen NATO-Bündnis beigetreten, ebenso wie die ehemaligen Sowjetrepubliken Lettland, Estland und Litauen. Diese "Osterweiterung" führt bis heute zu Auseinandersetzungen zwischen der NATO und Russland.

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