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10.8.2016

75 Jahre Atlantik-Charta

14. August 1941: Der britische Premierminister Winston Churchill und US-Präsident Franklin D. Roosevelt erklären ihre gemeinsamen Prinzipien und Vorstellungen für eine Nachkriegsordnung. Die sogenannte Atlantik-Charta gilt als wichtiger Schritt auf dem Weg zur Gründung der Vereinten Nationen

Das Treffen auf einem Kriegsschiff vor der Küste Neufundlands war streng geheim. Erst als sich Winston Churchill und Franklin D. Roosevelt mit dem Ergebnis ihrer Beratungen an die Presse wandten, wurde die Zusammenkunft der beiden Regierungschefs bekannt. Sie hatten sich getroffen, um ihr Bündnis gegen das Deutsche Reich zu besiegeln, das knapp zwei Jahre zuvor mit dem Überfall auf Polen den zweiten Weltkrieg begonnen hatte.

US-Präsident Franklin D. Roosevelt und der britische Premierminister Winston Churchill beim Atlantik-Charta-Treffen auf hoher See. (© picture-alliance/dpa)



Der 14. August 1941 markierte damit einen Wendepunkt in der US-Außenpolitik. Die USA beriefen sich im Vorfeld des Treffens auf ihre Neutralität und waren offiziell noch nicht in den Krieg eingetreten.

Grundpfeiler des internationalen Rechts



Bereits einige Monate zuvor hatten Vertreter mehrerer Exilregierungen in London die Erklärung von St. James abgegeben.

Atlantik-Charta 1941 (© picture-alliance/dpa)

Darin äußerten sie ihren Wunsch nach einem internationalen Bündnis, das sich Frieden und Wohlstand für alle Völker zum Ziel setzt. Voraussetzung eines dauerhaften Friedens sei "die Bereitschaft freier Völker zur Zusammenarbeit in einer von der Bedrohung der Aggression befreiten Welt, in der alle wirtschaftliche und soziale Sicherheit genießen können".

Auch Churchills und Roosevelts Erklärung im August 1941 griff den Gedanken der Weltorganisation auf. In der Atlantik-Charta wurden zudem gemeinsame Prinzipien und Grundpfeiler des internationalen Rechts im Angesicht des Weltkriegs formuliert.

Großbritannien und die USA hätten nicht das Ziel, neue Territorien zu besetzen, heißt es gleich im ersten Punkt. Sie plädierten dagegen für das Selbstbestimmungsrecht eines Volkes, sei es bei einer Veränderung oder Erweiterung eines Staatsgebiets oder auch bei der Wahl einer Regierung. Aggressorstaaten müssten entwaffnet werden, um einen dauerhaften Weltfrieden zu ermöglichen.

Die beiden Staatschefs sprachen sich auch beim Welthandel für eine Zusammenarbeit aller Nationen aus. Alle Menschen sollten dadurch an besseren Arbeitsbedingungen, wirtschaftlichem Fortschritt und sozialer Sicherheit teilhaben können. Völker müssten gleichberechtigt Zugang zu Handel und zu Rohstoffen erhalten.


Angriff der japanischen Streitkräfte auf die US-Pazifikflotte in Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 (© picture-alliance/dpa)



Vier Monate später, im Dezember 1941, traten die USA auf Seiten der Alliierten in den Krieg gegen die Achsenmächte Deutschland, Italien und Japan ein. Zuvor hatten japanische Flugzeuge den amerikanischen Marinestützpunkt Pearl Harbor angegriffen.

Erster Originalentwurf der Charta, 1. Seite, mit handschriftlichen Anmerkungen. (© picture-alliance/dpa)



Von der Atlantik-Charta zur UN



Die Atlantik-Charta wird allgemein als Beginn der internationalen Führungsrolle der USA angesehen. Gleichzeitig war sie ein Schritt auf dem Weg zu einer neuen Weltorganisation, den Vereinten Nationen.

Schon im Januar 1942 verpflichteten sich die USA, Großbritannien, die Sowjetunion und China sowie weitere 22 Nationen auf die Prinzipien der Atlantik-Charta.

Unterzeichnung der Charta der Vereinten Nationen auf der Konferenz in San Francisco 1945. (© picture-alliance/dpa)

Das kurze Dokument wurde als "Erklärung der Vereinten Nationen" bekannt. Drei Jahre später, im Juni 1945, unterzeichneten schließlich die Repräsentanten von 50 Staaten die Gründungsurkunde der heutigen Organisation der Vereinten Nationen. Polen folgte als 51. Gründungsmitglied Mitte Oktober. Mit In-Kraft-Treten des Dokuments am 24. Oktober 1945 war die UNO offiziell gegründet.


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