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26.1.2018

27. Januar: Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Vor 73 Jahren befreiten sowjetische Soldaten das Vernichtungslager Auschwitz. Hier ermordeten die Nationalsozialisten zwischen 1940 und 1945 mehr als eine Million Menschen. Seit 1996 gedenkt Deutschland am 27. Januar offiziell der Opfer des Nationalsozialismus.

In der heutigen Gedenkstätte Auschwitz im polnischen Oświęcim hängen in einem Gang der Ausstellung Bilder ehemaliger KZ-Häftlinge. (© picture alliance / NurPhoto)


Am 27. Januar 1945 befreiten sowjetische Soldaten das Vernichtungslager Auschwitz im besetzten Polen. Im Hauptlager in Auschwitz (Oświęcim), das auf einem ehemaligen Barackengelände der polnischen Armee errichtet wurde, belief sich die Zahl der Insassen zeitweise auf mehr als 20.000. Dazu kamen mehr als 90.000 Häftlinge, die in dem noch größeren Lager im drei Kilometer entfernten Birkenau (Brzezinka) untergebracht waren. Auf dem später auch Auschwitz II genannten Gelände ließ Hitlers Schutzstaffel (SS) Anfang 1942 die ersten Gaskammern errichten. In den Lagern von Auschwitz wurden insgesamt schätzungsweise mehr als eine Million Menschen umgebracht.

Erinnerung und Wachsamkeit



Im Januar 1996 richtete sich der damalige Bundespräsident Roman Herzog, der am 10. Januar dieses Jahres verstarb, mit einem klaren Appell an die Deutschen: "Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen." Mit diesen Worten erklärte Herzog den 27. Januar zum zentralen Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus. 2005 beschloss die Generalversammlung der Vereinten Nationen, den Tag auch international zum Holocaust-Gedenktag zu machen.

Die Generation der Opfer – wie auch der Täter – stirbt aus und mit ihr die persönlichen Bezüge zu diesem Abschnitt der deutschen Geschichte. An jedem Jahrestag der Auschwitz-Befreiung gibt es weniger Überlebende, die ihre Erfahrungen weitergeben können. Daher fordert die UN-Resolution zum Holocaust-Gedenktag Staaten weltweit auch dazu auf, Erziehungsprogramme zu entwickeln, damit die Erinnerung lebendig gehalten wird und sich Auschwitz nicht wiederholt.

Auschwitz – Ort und Symbol der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie. Der Name der südpolnischen Stadt steht für den millionenfachen Mord an Juden, Sinti und Roma und Menschen, die nach der NS-Rassenideologie nicht zur „Volksgemeinschaft“ gehörten. Der Bombay Flying Club hat dazu eine Webdocumentary für die bpb umgesetzt. Grundlage sind Fotos von Martin Blume. (© 2015 Bundeszentrale für politische Bildung)

In zahlreichen Städten wird mit Gedenkveranstaltungen an die Millionen Menschen erinnert, die unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft entrechtet, verfolgt und ermordet wurden. Wie jedes Jahr wehen die Flaggen öffentlicher Gebäude in Deutschland an diesem Tag auf Halbmast.

Gedenken im Bundestag



Auch der Bundestag gedenkt in diesem Jahr am 31. Januar in einer Sonderveranstaltung den Opfern des Nationalsozialismus. Als Ehrengast und Rednerin wird Anita Lasker-Wallfisch vor dem Abgeordneten sprechen. 1925 in Breslau geboren, ist die heute 92-Jährige deutsch-britische Cellistin eine der letzten Überlebenden des Mädchen- und Frauenorchesters von Auschwitz-Birkenau. 1943 hatte die SS das Orchester als "Arbeitskommando" im Vernichtungslager gegründet. Neben dem Frauenorchester gab es auch ein Männerorchester, in dem männliche KZ-Häftlinge spielen mussten. Die Orchester mussten Konzerte für Lageraufseher oder zu offiziellen Anlässen geben.

Im Frauenorchester von Auschwitz-Birkenau: 1943 bis 1944 (© 2016 Archiv "Zwangsarbeit 1939-1945")



Anita Lasker-Wallfisch überlebte die Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau und Bergen Belsen. Nach der Befreiung und dem Ende des Zweiten Weltkriegs wanderte sie 1946 nach Großbritannien aus. Dort gründete sie u.a. das English Chamber Orchestra.

Musik wird auch in der Gedenkstunde im Bundestag eine Rolle spielen. Raphael Wallfisch, Anita Lasker-Wallfischs Sohn, wird gemeinsam mit John York das Cello und Klavier-Stück „Prayer“ aus „From Jewish Life“ des jüdischen Komponisten Ernest Bloch (1880-1959) vortragen. Unter den Anwesenden werden auch mehr als 70 Jugendliche aus Deutschland, Polen, Frankreich, Afghanistan, Israel, den Niederlanden, Österreich, Pakistan, Russland, Syrien, Tschechien und Weißrussland sein. Sie nehmen an einer mehrtägigen Jugendbegegnung in Dachau, München und Berlin teil, zu der der Bundestag seit 1997 jedes Jahr einlädt. Dieses Jahr steht die Begegnung unter dem Thema "Widerstand aus Gewissensgründen".

Auch in den sozialen Netzwerken wird dieser Tage der Opfer des Holocaust gedacht: Unter dem Hashtag #WeRemember posten Menschen weltweit Fotos von sich, auf denen sie ein Schild mit den Worten "I remember" bzw. "We remember" hochhalten. Zu dieser Aktion hatte der Jüdische Weltkongress (WJC), der internationale Dachverband von jüdischen Gemeinden, Organisationen und Verbänden, Anfang des Jahres aufgerufen.



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