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8.2.2019

Internationaler Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten

Hunderttausende Kinder und Jugendliche auf der ganzen Welt werden dazu missbraucht, als Soldaten in Kriegen und bewaffneten Konflikten zu kämpfen. Auf ihr Schicksal macht jedes Jahr am 12. Februar der Internationale Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten aufmerksam.

Ein Kinder-Soldat der so genannten Union Kongolesischer Patrioten (UPC) posiert mit einer Waffe in der Hand am 19.6.2003 in Bunia (Kongo). (© dpa)


Zur Zahl der als Kindersoldaten missbrauchten Jungen und Mädchen gibt es unterschiedliche Angaben. Schätzungen zufolge, auf die Hilfsorganisationen oder das Bundesentwicklungsministerium verweisen, sind weltweit mindestens 250.000 Minderjährige als Soldaten oder Helfer an bewaffneten Konflikten beteiligt.

Ein großer Teil der Kindersoldaten wird zum Dienst gezwungen, andere melden sich freiwillig, um der Armut zu entkommen, ihre Gemeinden zu verteidigen, aufgrund familiärer Bande oder um Rache für den Tod von Angehörigen zu nehmen. Kindersoldaten üben ihren Dienst nicht unbedingt nur an der Waffe aus, sondern werden auch als Kurier, Spion, Wache, Koch, Bote, Träger usw. eingesetzt. Die Möglichkeit auf eine normale Entwicklung wird diesen Kindern genommen. Neben körperlichen Verletzungen erleiden nicht wenige psychische Traumata. "Viele von ihnen werden zu Gräueltaten gezwungen", heißt es beim Bundesentwicklungsministerium.

Um auf das Schicksal von Kindersoldaten aufmerksam zu machen, haben internationale Nichtregierungsorganisationen wie Amnesty International, Human Rights Watch und Terre des Hommes 2002 den Internationalen Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten ("Red Hand Day") ins Leben gerufen. Er wird seither jedes Jahr am 12. Februar begangen. Die Wahl dieses Datums erfolgte nicht zufällig: An diesem Tag trat im Jahr 2002 ein Zusatzprotokoll über die Beteiligung von Kindern an bewaffneten Konflikten in Kraft, das die UN-Kinderrechtskonvention ergänzt. Es verbietet den Einsatz von Kindern in bewaffneten Konflikten. Über 160 Staaten haben das Zusatzprotokoll bisher unterzeichnet - auch Deutschland.

Kritik an der Bundeswehr



Auch die Wehrpflicht für Minderjährige ist darin prinzipiell untersagt. Länder dürfen allerdings unter bestimmten Bedingungen (u.a. umfassende Aufklärung und Kenntnis der Erziehungsberechtigten) auch Freiwillige anwerben, die noch keine 18 Jahre alt sind. Neben einigen anderen Unterzeichnerstaaten macht auch Deutschland von dieser Ausnahmeregelung Gebrauch. So können mit Einverständnis der Eltern auch 17-Jährige von der Bundeswehr ausgebildet werden.

Beim "Red Hand Day" sammelten in den vergangenen Jahren Menschen in über 50 Ländern Abdrücke von roten Händen, um diese Abgeordneten ihrer jeweiligen Parlamente zu übergeben. Auch in Deutschland übermittelten in den vergangenen Jahren nicht zuletzt Jugendliche Tausende Abdrücke an Bundestagsabgeordnete oder Regierungsvertreter als Zeichen ihres Protests gegen Waffenexporte in Krisenregionen.

Der diesjährige Aktionstag steht nach Angaben der Initiatoren unter dem Motto "Unter 18 nie - keine Rekrutierung von Minderjährigen". Dabei gehe es auch um die Rekrutierungspraxis der Deutschen Bundeswehr, sagt ein Sprecher der Kinderschutzorganisation terre des hommes, die die Öffentlichkeitsarbeit der Kampagne in Deutschland koordiniert. "Natürlich vergleichen wir die Ausbildung 17-Jähriger bei der Bundeswehr nicht mit Kindersoldaten in Afrika oder im Jemen", fügt er hinzu. Aber man wünsche sich auch hier ein Umdenken. Schließlich habe die Bundeswehr beim Kampf gegen Kindersoldaten international "eine wichtige Rolle und muss als Vorbild vorangehen."

Eine Sprecherin des Bundesverteidigungsministeriums rechtfertigt die bestehende Praxis: "Die Entscheidung über die mögliche Berufswahl wird gewöhnlich zum Ende der Schulzeit getroffen." Die Mehrheit der Schulabgänger sei dann noch unter 18 Jahren. "Unserer Auffassung nach darf es bei der Berufswahl keine Nachteile geben, wenn man sich für eine militärische Karriere entscheidet." Sie verweist darauf, dass minderjährige Rekruten besonders geschützt seien. Diese seien vom Wachdienst befreit und dürften die Waffe nur zu Ausbildungszwecken nutzen. Da man geeignete Bewerber mit frühestens 17 Jahren und nur mit Zustimmung der Sorgeberechtigten einstelle, stehe die Rekrutierungspraxis "im vollem Einklang mit den völkerrechtlichen Verpflichtungen Deutschlands, basierend auf der UN- Kinderrechtskonvention".

Im vergangenen Jahr wurden der Sprecherin zufolge 1.679 minderjährige Soldaten eingestellt. Das ist gut ein Fünftel weniger als noch im Jahr 2017 (2.128) - in den Vorjahren war deren Zahl noch deutlich gestiegen.

Kämpferinnen werden oft auch Opfer sexueller Gewalt



Auch das Bundesentwicklungsministerium setzt sich "intensiv gegen den Missbrauch von Kindern als Soldaten ein". Dabei stehe die Situation von Mädchen im Mittelpunkt. "Sie werden nicht nur als Kämpferinnen eingesetzt, sondern häufiger noch in Armeen und Rebellengruppen zu Opfern sexueller Gewalt", so das Ministerium.

In den vergangenen Jahren waren die Bemühungen der Weltgemeinschaft und privater Organisationen groß, die Zahl der Kindersoldaten zu verringern. Und es gab auch Erfolge: Anfang 2018 berichtete Unicef, rund 65.000 ehemalige Kindersoldaten hätten in den vergangenen zehn Jahren befreit werden können - so etwa im Südsudan und mehreren anderen afrikanischen Staaten. Ihre Wiedereingliederung in die Gesellschaft gestaltet sich jedoch oft schwierig. Zudem werden noch immer Kinder und Jugendliche als Soldaten missbraucht - und nicht wenige von ihnen zahlen dafür mit ihrem Leben. "Viele bewaffnete Gruppen setzen die Mädchen und Jungen ein, weil sie leichter zu manipulieren oder schlicht billiger sind als Erwachsene", so Unicef.

Der Bericht des UN-Generalsekretärs zur Situation von Kindern in bewaffneten Konflikten von Juni 2018 nennt zahlreiche Gebiete weltweit, in denen Minderjährige an militärischen Konflikten beteiligt sind. Andere Organisationen wie Unicef listen ebenfalls eine Vielzahl solcher Staaten auf, vor allem auf dem afrikanischen und asiatischen Kontinent. In Syrien und Irak etwa habe der sogenannte "Islamische Staat" gezielt Kinder und Jugendliche rekrutiert. Auch in Jemen, Afghanistan, Pakistan oder Somalia würden Minderjährige als Kindersoldaten missbraucht. Im Südsudan seien allein seit 2013 rund 19.000 Minderjährige als Kindersoldaten herangezogen worden, hieß es in einem Unicef-Beitrag im Februar 2018.

Der Bericht des UN-Generalsekretärs listet für 2017 in der Zentralafrikanischen Republik rund 300 überprüfte Fälle der Rekrutierung und des Einsatzes von Kindern als Soldaten auf - viermal so viele wie im Vorjahr. In der bürgerkriegsgeplagten Demokratischen Republik Kongo habe sich deren Zahl auf 1049 verdoppelt. In Somalia (2.127), Syrien (961) und Jemen (842) habe die Zahl der Fälle 2017 auf "alarmierendem Niveau verharrt", heißt es in dem Bericht - ebenso wie im Südsudan (1.221).

Eine Zunahme der Rekrutierungen und des Einsatzes von Kindern geht laut UN-Generalsekretär häufig mit einem Anstieg schwerster Misshandlungen einher. Bei gewaltsamen Konflikten sind nach Angaben der Vereinten Nationen 2017 weltweit mehr als 10.000 Kinder getötet oder verstümmelt worden - das waren 2.000 mehr als noch ein Jahr zuvor. Sorgen bereiten den Vereinten Nationen besonders, dass in Nigeria immer wieder Kinder von islamistischen Terroristen als Selbstmordattentäter eingesetzt werden.

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