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7.3.2019

8. März: Internationaler Frauentag

Am 8. März ist Internationaler Frauentag. Weltweit wird an diesem Tag auf Gewalt gegen und Benachteiligung von Frauen aufmerksam gemacht. Und das bereits seit mehr als 100 Jahren. 2019 hat Berlin als erstes Bundesland den Tag zum gesetzlichen Feiertag erklärt.

Am 8. März ist Weltfrauentag (© picture-alliance, NurPhoto)


Die Geschichte des Frauentags begann 1908 in den USA, er verbreitete sich in den Folgejahren in Europa und wurde 1975 weltweit von der UNO institutionalisiert – als Internationaler Frauentag (IWD).

Am 19. Dezember 1908 rief die Frauenorganisation der Sozialistischen Partei Amerikas (SPA) erstmals einen "Frauentag“ ins Leben, um eine "nationale sozialistische Demonstration“ für das Frauenwahlrecht zu veranstalten. Er sollte an jedem letzten Sonntag im Februar stattfinden, erstmals am 28.2.1909. Der Sonntag wurde gewählt, weil Frauen dann nicht arbeiten mussten.

Der Tag sollte zugleich auch an einen Streik von 20.000 Hemden-Näherinnen in New York 1908 erinnern, die gegen ihre Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie protestiert hatten. Die Proteste waren niedergeschlagen worden.[1]

1910 übernahm die Frauenkonferenz der Sozialistischen Internationale in Kopenhagen den Gedanken des Frauentags, zunächst ohne ein festes Datum damit zu verbinden. 100 Frauen aus 17 Ländern stimmten für einen Vorschlag von zwölf deutschen Delegierten, mit einem Frauentag den Kampf für Frauenrechte und für das Frauenwahlrecht zu unterstreichen. Mit der Forderung "Keine Sonderrechte, sondern Menschenrechte" für Frauen hatte die deutsche Sozialistin Clara Zetkin auf dem Kongress für Zustimmung geworben. Unter den Teilnehmerinnen waren auch die ersten drei in ein Parlament gewählten Frauen aus Finnland.

"Unser Märzentag“ war schließlich ein Aufruf in der Zeitschrift "Die Gleichheit“ vom 13. März 1911 überschrieben. Unter dem Motto "Heraus mit dem Frauenwahlrecht“ folgten am 19. März 1911 etwa eine Millionen Menschen in Deutschland, Österreich, Dänemark und der Schweiz einem ersten Aufruf von Gewerkschaften, Sozialdemokraten und Sozialisten zu einem "Ehrentag“ für Frauen. Sie forderten gleiche Rechte wie Männer im Arbeitsleben, das Wahlrecht für Frauen und mehr politische Teilhabe. Außer in Finnland, geregelt durch die Landtagsordnung von 1906, durften zu diesem Zeitpunkt in keinem europäischen Land Frauen wählen oder gewählt werden. In Deutschland wurde Frauen dieses Recht erst 1918 zugestanden.

1913 und 1914 wandelte sich der Internationale Frauentag auch zum Protesttag gegen Krieg. Auch Frauen in Russland beteiligten sich und riefen den letzten Sonntag im Februar zum jährlichen Frauentag aus. Angesichts der wachsenden Hungerkatastrophe infolge des Ersten Weltkriegs wählten sie 1917 das Motto "Für Brot und Frieden“. Der Streik von Frauen des Petrograder Rüstungsbetriebs Putilow mit dieser Parole gilt als Auftakt der russischen "Februarrevolution", obwohl die Demonstration nach heutiger Zeitrechnung nicht am 23. Februar, sondern nach gregorianischem Kalender erst am 8. März 1917 stattfand.

Dieses Datum, den 8. März, erklärte die UNO im Rahmen des "Internationalen Frauenjahrs“ 1975, zum "International Women’s Day“ (IWD). Zwei Jahre später, im Dezember 1977, proklamierte ihn die UNO-Generalversammlung offiziell als "Tag für die Rechte der Frau und den Weltfrieden" und forderte, dass er künftig jährlich in jedem Mitgliedsland begangen werden soll. In einigen Staaten wurde der 8. März sogar zum gesetzlichen Feiertag – darunter sind heute Russland, Belarus, Ukraine, Georgien und die Republik Moldau.

Entwicklung in Deutschland

Die Nationalsozialisten verboten den Frauentag 1933 wegen seiner sozialistischen Tradition. In der Sowjetzone und der späteren DDR kam ihm dagegen nach dem Zweiten Weltkrieg eine erhebliche propagandistische Bedeutung zu. Hier galt die gleichberechtigte und vollzeitbeschäftigte Frau und Mutter als gesellschaftliches und politisches Leitbild. Anders als in anderen sozialistischen Staaten wurde der 8. März in der DDR jedoch nicht zu einem gesetzlichen Feiertag.

In Westdeutschland gewann der 8. März durch die Frauenbewegung Ende der 1960er Jahre an Bedeutung. Den Teilnehmenden an Protestmärschen ging es nicht nur darum, dass Frauen gleichberechtigt in der Gesellschaft mitentscheiden, ohne Bedrohung durch Gewalt und Diskriminierung leben und ohne Zustimmung des Ehegatten eine Erwerbsarbeit aufnehmen dürfen. Ebenso im Fokus stand das Recht der Selbstbestimmung über den eigenen Körper, um beispielsweise legal abtreiben zu dürfen. Zuletzt sorgte das Berliner Abgeordnetenhaus für Aufsehen, das den 8. März zum jährlich arbeitsfreien Feiertag erklärte: Am 24. Januar 2019 wurde eine entsprechende Änderung des Sonn- und Feiertagsgesetzes verabschiedet. Daher ist 2019 der 8. März in Berlin erstmals offizieller Feiertag.

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Frauentag 2019

2019 steht der Internationale Frauentag unter dem Motto "Gleich denken, intelligent bauen, offen für Veränderungen sein". Dabei soll es nach Angaben von "UN Women" um "innovative Wege zur Gleichstellung der Geschlechter" gehen. Thematische Schwerpunkte sind etwa eine bessere Absicherung von Frauen innerhalb staatlicher Sozialsysteme sowie der Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen und nachhaltiger Infrastruktur.

Frauen weltweit nach wie vor stark benachteiligt

Frauen werden weltweit noch immer – zum Teil massiv – benachteiligt. Von den 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen hatten Anfang 2018 nur 143 die Gleichstellung von Mann und Frau in ihre Verfassung aufgenommen. Dabei sind Frauen und Mädchen meist weit stärker von Armut , Video-Icon Hunger und unzureichender Gesundheitsversorgung betroffen als Männer und Jungen. Auch in westlichen Ländern, in denen Frauen gesetzlich gleichgestellt sind, werden sie im praktischen Leben, etwa im Beruf, oft benachteiligt und diskriminiert.

Gewalt gegen Frauen

Noch immer werden Frauen häufig Opfer von Gewalt in verschiedensten Formen – oft ist der Täter der eigene Partner. "Mehr als eine Milliarde Frauen weltweit haben keinen Zugang zu rechtlichem Schutz vor häuslicher sexueller Gewalt", kritisierte UN-Generalsekretär António Guterres im vergangenen Jahr[2]. Die Formen der Gewalt sind vielfältig: Neben Schlägen oder sexuellen Übergriffen sind Zwangsheirat, Mord an weiblichen Neugeborenen, Frauenhandel oder sogenannte "Ehrenmorde" zu nennen. Einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus dem Jahr 2013 zufolge haben 35 Prozent aller Frauen weltweit mindestens einmal körperliche oder sexuelle Gewalt erfahren. Mindestens 200 Millionen Frauen lebten 2018 laut Vereinten Nationen mit einer Genitalverstümmelung.

Einer 2014 veröffentlichten EU-Studie zufolge musste eine von drei Frauen in der Europäischen Union bereits einmal körperliche oder sexuelle Gewalt oder beides erleiden. Dazu wurden damals europaweit 42.000 Frauen befragt. In Deutschland erfasst die jährliche Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) den Tatbestand Partnerschaftsgewalt. 2017 wurden insgesamt 138.893 Personen erfasst, die Opfer von Partnerschaftsgewalt wurden. Knapp 113.965 Opfer waren weiblich. Bei Vergewaltigung und sexueller Nötigung in Partnerschaften seien die Opfer zu fast 100 Prozent weiblich.[3] Einer Dunkelfeldstudie aus dem Jahr 2004 zufolge, wurde in Deutschland jede vierte Frau einmal Opfer von Gewalt– neuere repräsentative Untersuchungen fehlen. Die Europäische Kommission bereitet momentan eine “Eurostat task force on the development of a survey on Gender-Based Violence (GBV)” vor.[4]

Reproduktive Rechte von Frauen

In vielen Ländern der Welt werden außerdem die reproduktiven Rechte von Frauen, wie sie von den Vereinten Nationen 1994 formuliert wurden, nicht hinreichend beachtet. Zu ihnen gehört etwa das Recht auf ein selbstbestimmtes Sexualleben, auf den Zugang zu effektiven Verhütungsmitteln sowie auf Gesundheitsvorsorge für eine sichere Schwangerschaft und Geburt . Die Folgen sind ungewollte Schwangerschaften, eine hohe Müttersterblichkeit und sexuell übertragbare Infektionen wie HIV.

Frauen in Bildung, Arbeitswelt und Politik

Frauen werden in vielen Ländern von Bildung ferngehalten. Gut 15 Millionen Mädchen im Grundschulalter werden nach Angaben der Vereinten Nationen zufolge nie die Chance haben, lesen oder schreiben zu lernen. Das sind 50 Prozent mehr als bei gleichaltrigen Jungen.

Frauen werden in vielen Staaten im Arbeitsleben immer noch massiv benachteiligt. Die Vereinten Nationen teilten im März 2018 mit, dass das globale geschlechtsspezifische Lohngefälle bei 23 Prozent liege – im ländlichen Raum sogar bei bis zu 40 Prozent. In Deutschland belief sich der sogenannte "Gender-Gap" auf 21 Prozent. In den Spitzenjobs in der Wirtschaft sind Frauen hierzulande noch immer eine Seltenheit. Der Frauenanteil in den Vorstandsetagen der DAX-, MDax- und SDax-Unternehmen lag im vergangenen Jahr bei 8,6 Prozent.

Gleiches gilt für die Politik: In nationalen Parlamenten waren 2018 weltweit weniger als ein Viertel der Abgeordneten Frauen. Und in Deutschland ist der Anteil der weiblichen Bundestagsabgeordneten mit aktuell 30,9 Prozent aktuell so niedrig wie seit 1998 nicht mehr.

Mädchen, die in Armut hineingeboren werden, haben einem Bericht der Vereinten Nationen zufolge fast keine Chance, ihr zu entkommen. Die Politik, so fordert UN Women, müsse dafür sorgen, dass dieser Teufelskreis durchbrochen werde. Ein Schlüssel, so der 2018 veröffentlichte Bericht, seien Investitionen in Bildung und in Kinderbetreuung. Zudem bedürfe es wirksamer Antidiskriminierungsgesetze.

Mehr zum Thema:

Fußnoten

1.
Es gibt insgesamt drei Rekonstruktionsstränge über die Ursprünge des Frauentags: https://frauen.verdi.de/++file++52256c22890e9b5b05000163/download/Frauentagbroschuere_Web.pdf Und: https://womenwatch.unwomen.org/international-womens-day
2.
Siehe: https://www.unric.org/de/pressemitteilungen/28275-un-generalsekretaer-antonio-guterres-erklaerung-zum-weltfrauentag-8-maerz-2018
3.
Quelle: https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/gleichstellung/frauen-vor-gewalt-schuetzen/haeusliche-gewalt/haeusliche-gewalt/80642
4.
Siehe: https://circabc.europa.eu/sd/a/2bad7c1a-435f-4231-8fee-d282f27ce3c2/DRAFT%20minutes%20TF%20GBV%200708%2003%202018.pdf
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