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Internationale Wasserwoche

Weltweit haben über 900 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die internationale Wasserknappheit und die damit verbundenen Probleme werden sich in den nächsten Jahrzehnten weiter verschärfen. Mit diesem Thema beschäftigen sich seit Sonntag (21.08.2011) 2.500 Experten auf der Internationalen Wasserwoche in Stockholm.

1,4 Milliarden Kubikkilometer Wasser gibt es auf der Erde. Allerdings sind nur 2,5 Prozent davon Süßwasser. Von diesen weltweiten Süßwasservorräten ist wiederum nur 1 Prozent für den Menschen nutzbar.

In den vergangenen 50 Jahren hat sich der globale Wasserverbrauch fast verdoppelt. Jeder Deutsche verbraucht im Durchschnitt 4.000 Liter pro Tag. Mindestens 900 Millionen Menschen - die meisten von ihnen in Afrika und Asien - haben dagegen überhaupt keinen Zugang zu sauberem Wasser, mehr als 2,6 Milliarden haben keinen Zugang zu funktionierenden Sanitäranlagen. In Entwicklungsländern existiert ein Abwassersystem wie in den Industrieländern praktisch nicht. Über 90 Prozent der Abwässer werden ungereinigt in Flüsse und Seen geleitet.

Das hat katastrophale Folgen. UN-Angaben zufolge sterben jedes Jahr etwa 1,5 Millionen Kinder unter fünf Jahren an Krankheiten, deren Ursache eine unzureichende oder verunreinigte Wasserversorgung ist.

Drohende Wasserkrisen der Zukunft



Die globale Wasserversorgung wird eines der wichtigsten Themen des 21. Jahrhunderts sein. Bis 2050 könnten bis zu zwei Milliarden Menschen in 48 Ländern von Wasserknappheit betroffen sein. Auch kriegerische Auseinandersetzungen und große Migrationsbewegungen durch Wassermangel halten Forscher in Zukunft für möglich.

Seit über 20 Jahren widmet sich die Internationale Wasserwoche diesen Themen. Das "Stockholm International Water Institute" hat auch in diesem Jahr mehr als 2.500 Experten aus aller Welt eingeladen, um über weltweite Probleme der Wasserversorgung zu diskutieren.


In diesem Jahr steht dabei die Wasserversorgung von Städten im Mittelpunkt. Nach UN-Prognosen wird die Weltbevölkerung im Jahr 2050 neun Milliarden Menschen umfassen. Zwei Drittel von ihnen werden in Megastädten wie Mexiko City, Peking oder Mumbai leben. Schon heute lebt mehr als die Hälfte der Menschen in Städten.

Die im Jahr 2000 verabschiedeten Millennium-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen geben vor, dass die Zahl der Menschen, die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und funktionierenden Sanitäranlagen haben, bis 2015 halbiert werden soll. Ein Ziel, das kaum mehr zu erreichen sein dürfte.

Wasser als Menschenrecht



Lange war umstritten, ob das Recht auf Wasser ein Menschenrecht ist. Erst 2010 hatten die UN-Vollversammlung und der UN-Menschenrechtsrat bestätigt, dass ein Recht auf sauberes Wasser und funktionierende Sanitäranlagen bereits in geltenden Menschenrechtsabkommen enthalten und dadurch rechtlich verbindlich ist. Es liege im Verantwortungsbereich der Staaten, die Versorgung der Bürger mit sauberem Trinkwasser zu sichern.

In Ländern, in denen Wasserknappheit herrscht, ist die Privatisierung der Wasserversorgung ein lukratives Geschäft. Allerdings ist es eher die Versorgung großer Städte, um die Anbieter konkurrieren. Abgelegene Gebiete und Dörfer ans Wasser- und Abwassernetz anzuschließen, bleibt nach wie vor eine Aufgabe von Staaten und Hilfsorganisationen. In einigen Ländern, wie z.B. in Bolivien im Jahr 2000, führte die Privatisierung der Wasserversorgung zu Protesten und Ausschreitungen: Die Wasserpreise hatten sich in kürzester Zeit verdreifacht.

Für die begrenzten Süßwasservorräte der Erde müssen deshalb in Zukunft Regelungen gefunden werden, die eine faire Verteilung der wertvollen Ressourcen garantieren. Vor allem in Entwicklungsländern müssen hier auch Fragen der Nachhaltigkeit und ökologische Ziele beachtet werden.



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