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Gedenken in Japan

In der japanischen Stadt Hiroshima haben etwa 50.000 Menschen der Opfer des ersten Atombombenabwurfs gedacht. Im August 1945 hatten US-Bomber zwei Atombomben über den Städten Hiroshima und Nagasaki abgeworfen. Zehntausende kamen dabei ums Leben. Bis heute leiden die Menschen an den Folgen der nuklearen Verseuchung.

6. August 1945, ca. 580 m über Bodennull, 8.16 Uhr: Über der japanischen Stadt Hiroshima detoniert die Atombombe mit dem Codenamen "Little Boy". Drei Tage später erfolgt der Abwurf der Atombombe "Fat Man" über der Stadt Nagasaki, die damals ein wichtiger Kriegshafen war. Wenige Tage später, am 15. August 1945, gab Japan seine Kapitulation bekannt. Damit war der 2. Weltkrieg beendet. Bei dem Abwurf der Atombombe auf Hiroshima kamen 80.000 Menschen ums Leben, in Nagasaki starben 75.000 Menschen. In den darauffolgenden Wochen starben mehr als 100.000 Menschen an den Folgen der radioaktiven Verstrahlung.

Anlässlich des 64. Jahrestages gedachten wie jedes Jahr tausende Menschen am Donnerstag (06.08.2009) mit einer Schweigeminute des Atombombenabwurfs über Hiroshima. Unter ihnen war Japans Ministerpräsident Taro Aso wie auch der Bürgermeister von Hiroshima, Tadatoshi Akiba. In seinem Friedensappell bezog sich Akiba auf den Aufruf von US-Präsident Barack Obama zu einer atomwaffenfreien Welt und forderte die Abschaffung aller Atomwaffen bis 2020.

Unter der atomaren Katastrophe leidet Japan bis heute: Jährlich sterben tausende Menschen an den Folgen der atomaren Verstrahlung. Insgesamt sind es bis heute mehr als 360.000. Seit 1965 stellt ein Gesetz die kostenlose medizinische Versorgung der Opfer der Atombombenanschläge, "hibakusha" genannt, sicher. Zuvor mussten die Opfer die Kosten dafür selbst tragen. Allerdings erhalten nur etwa zwei Prozent der noch rund 240.000 Überlebenden kostenlose medizinische Versorgung. Deshalb kommt es immer wieder zu juristischen Streitigkeiten zwischen dem japanischen Staat und den Betroffenen. Viele Anträge wurden seitens der Regierung abgelehnt, weshalb die Opfer zahlreiche Gerichtsverfahren in die Wege geleitet haben.

Die Atombombenabwürfe markierten den Anfang einer neuen Epoche, geprägt vom Wettrüsten zwischen den beiden Supermächten USA und Sowjetunion. Für Japan spielt die Katastrophe noch immer innenpolitisch, vor allem aber in den internationalen Beziehungen eine Rolle. Insbesondere die nordkoreanischen Tests von Atom- und Langstreckenraketen - zuletzt im vergangenen Monat - stellen Japan vor eine diplomatische Herausforderung: Denn der Abschussort und die Reichweiten der nordkoreanischen Raketen rücken auch Japan ins Visier, das bis heute auf eine atomare Bewaffnung verzichtet.

Das Land lehnt nach den so genannten "Nicht-Nuklearprinzipien" aus dem Jahr 1967 die Herstellung, den Besitz sowie die Einfuhr von Atomwaffen ab. Zwar haben diese Prinzipien nicht Gesetzescharakter, gelten aber als eherne Grundsätze des ostasiatischen Landes und sind fest im Bewusstsein der Bevölkerung verankert. Eine Mehrheit der japanischen Bevölkerung, insbesondere die akademische Elite, ist pazifistisch geprägt. Dies ist auch ein Grund dafür, warum Artikel 9 der Verfassung, der nationale Streitkräfte verbietet, bis heute unangetastet ist. Außenpolitisch bekommt das Land Rückendeckung von den USA, die im Rahmen des bilateralen Allianzvertrags einen "nuklearen Schutzschirm" garantieren.


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