Politik

Hintergrund aktuell



Muslime in Deutschland

Am Mittwoch hat der Koordinierungsrat der Muslime (KRM) seine Arbeit aufgenommen. Die Bundesregierung begrüßte die Gründung des Dachverbandes der vier großen muslimischen Organisationen in Deutschland. Sie hofft auf einen besseren Dialog mit dem Islam.

Seit geraumer Zeit fordern zahlreiche deutsche Politiker, eine übergreifende Struktur der muslimischen Verbände in Deutschland zu schaffen. Mit der Gründung des Koordinierungsrats erfüllt sich nun dieser Wunsch. Der Rat soll für den Staat ein Ansprech- und Verhandlungspartner in Sachen Integration und Islampolitik sein. Gründungsmitglieder sind der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD), die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib), der Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland (IR) und der Verband der islamischen Kulturzentren (VIKZ). Die unter Beobachtung des Verfassungsschutz stehende Islamische Gemeinschaft Milli Görüs gehört offiziell nicht zu den Gründungsmitgliedern. Als Mitglied des Islamrats ist sie jedoch indirekt integriert.

Ziel der neuen Organisation sei unter anderem die rechtliche Gleichstellung des Islam. Erster Sprecher des KRM wurde der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Ayyub Axel Köhler. Er forderte so schnell wie möglich die Aufnahme von Gesprächen, "damit in allen Ländern ein Schulfach Islam angeboten wird". Mit der Gründung des KRM hätten die Muslime eine Bringschuld erfüllt. Der Vorsitz des Koordinationsrats soll halbjährlich wechseln.

Ohne auf die konkreten Forderungen einzugehen, fielen die Reaktionen aus Politik, Gesellschaft und Kirche überwiegend positiv aus. Bundesinnenminister Schäuble (CDU) sieht in dem Koordinierungsrat einen wichtigen Schritt im Hinblick auf die am 2. Mai stattfindende zweite Islamkonferenz. Die erste Islamkonferenz hatte im September 2006 stattgefunden. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, sagte: "Das kann dem Dialog nur gut tun." Positive Worte gab es auch vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann: "Beim Dialog ist es wichtig, verlässliche Partner zu haben", erklärte er.

Weil der KRM nicht die breite Mehrheit der Muslime im Land repräsentiere, sagte eine Sprecherin von Bundesinnenminister Schäuble, müsse bei der Islamkonferenz auch der Dialog mit den nichtorganisierten Muslimen fortgesetzt werden. In Deutschland leben rund 3,2 Millionen Menschen muslimischen Glaubens. Nur etwa zehn bis 15 Prozent von ihnen sind in Moscheenvereinen und anderen Organisationen zusammengeschlossen.

Mehr zum Thema

Nach oben © Bundeszentrale für politische Bildung Zur klassischen Website von bpb.de wechseln