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Fußball und Gewalt

Am vergangenen Sonntag (11.02.2007) wurden nach einem Fußballspiel in Leipzig 36 Polizisten und sechs Besucher verletzt. Seitdem wird auch in Deutschland über die Gewalt vor und im Stadion diskutiert. Drohen uns "italienische Verhältnisse"?

Gewaltfreie Begeisterung: Fahne in einem spanischen Fußballstadion
Foto: Gisela Royo

Die Bilder gingen um die Welt: Am 2. Februar kam der Polizist Filippo Raciti bei Krawallen nach dem Fußballspiel von Catania gegen Palermo ums Leben. Nur eine Woche später kam es in Deutschland zu ähnlichen Bildern. Nach dem Spiel 1. FC Lokomotive Leipzig gegen den FC Erzgebirge Aue II lieferten sich vermeintliche Fußballfans eine Straßenschlacht mit der Polizei. Etwa 800 Randalierer attackierten laut Behördenangaben 300 Polizisten. Ziegelsteine, Betonplatten und Feuerwerkskörper flogen, Hooligans machten Jagd auf Polizisten. Der Leipziger Polizeirat Mario Luda sprach von "einer Form von Gewalt", die den Polizisten bisher unbekannt gewesen sei.

Anfang der Woche reagierte der Deutsche Fußballbund (DFB). DFB-Präsident Theo Zwanziger verlangte als ein deutliches Zeichen Spielabsagen. Er nannte es einen "Akt der Solidarität" gegenüber der Polizei. Zwanziger schloss nicht aus, dass sich die Krawallmacher von Leipzig ein Beispiel an den Ausschreitungen in Italien genommen haben könnten, und forderte ein hartes Vorgehen gegen Hooligans und Randalierer. Er schränkte jedoch ein, dass "drei oder vier Standorte" den Ruf des Fußballs in ganz Deutschland beschädigten. Inzwischen hat der Sächsische Fußballverband etwa 60 Spiele am Wochenende abgesagt.

Seither wird gestritten, was der richtige Weg in der Auseinandersetzung mit gewaltbereiten Fußballfans ist. Der sächsische Innenminister Albrecht Buttolo (CDU) sagte, er werde keine "italienischen Verhältnisse" zulassen, und will härtere Strafen für Hooligans. In einem Interview mit dem Deutschlandradio forderte DFB-Vizepräsident Hans-Georg Moldenhauer Vereine und Polizei zur Zusammenarbeit auf. Vereine sollten sich von gewaltbereiten Fans distanzieren. Kritiker der Spielabsagen bemängelten, dass nun die Fußballer den Preis für die Randale bezahlen müssten. Das eigentliche Problem bliebe ungelöst. In einem Interview mit Inforadio Berlin kritisierte der Fan-Forscher Gunter Pilz die sächsische Landesregierung, weil sie sich aus der Finanzierung der Fan-Projekte verabschiedet habe. "Lok Leipzig" sei bekannt für seine "ausgeprägte rechtsradikale Szene". Deshalb habe das dortige Fanprojekt auch Antirassismus-Angebote enthalten.

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