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Chile nach Pinochet

Selbst im Tod spaltet der ehemalige chilenische Diktator Augusto Pinochet sein Land. Nach der Nachricht über seinen Tod kam es zu Straßenkämpfen zwischen Pinochet-Kritikern und der Polizei; zugleich trauerten rund 2.000 Anhänger vor seinem Krankenhaus. Unter Pinochets Militärherrschaft wurden zehntausende Oppositionelle gefoltert und ermordet.

Mahnmal in Chile für die unter Pinochet Verschwundenen
Foto:stock.xchng

Am Sonntag war der ehemalige Machthaber Chiles im Alter von 91 Jahren in einem Militärkrankenhaus von Santiago gestorben, in das er vor einer Woche nach einem Herzinfarkt eingeliefert worden war. Dort und in anderen Regionen Chiles kam es nach Bekanntwerden seines Todes zu Straßenfesten. In Santiago setzte die Polizei Wasserwerfer gegen Pinochet-Gegner ein, als sie den Regierungspalast zu erreichen versuchten, Feuer entfachten und Metallstäbe und Flaschen auf die Polizisten warfen. Rund 2.000 Anhänger des Diktators versammelten sich gleichzeitig vor dem Militärkrankenhaus und sangen dort die Nationalhymne. Die Polizei musste auch eine Demonstration von Pinochet-Anhängern vor dem Wohnhaus der sozialistischen Präsidentin Michelle Bachelet auflösen.

Bachelet, die erst im Januar zur Präsidentin gewählt wurde, gehörte selbst zu den Opfern des Terrors der Pinochet-Diktatur: Ihr Vater wurde kurz nach dem Putsch zu Tode gefoltert; sie und ihre Mutter wurden misshandelt. Ein Pressesprecher der Präsidentin erklärte, dass es für Pinochet kein Staatsbegräbnis geben werde. Lediglich mit "militärische Ehren" soll der Ex-Diktator am Dienstag beerdigt werden.

Am 11. September 1973 hatte der damals 58-jährige Pinochet den demokratisch gewählten sozialistischen Präsidenten Salvador Allende gestürzt. Unmittelbar nach der Machtübernahme erklärte Pinochet, er wolle Chile vom "Joch des Marxismus" befreien. Dazu installierte er ein rücksichtsloses Regime, das politische Gegner im In- und Ausland verfolgte. Folter und Mord wurden zu Mitteln der Politik. In den 17 Jahren ihrer Gewaltherrschaft brachte die Militärjunta Pinochets mehr als 3.000 Menschen um, mindestens 28.000 Fälle von Folter konnten durch die Untersuchung der nationalen "Kommission für Wahrheit und Versöhnung" belegt werden. Pinochets Regime war auch wesentlich an der "Operation Condor" beteiligt. Unter diesem Namen folterten und ermordeten in den 70er und 80er Jahren die Militärregierungen von Argentinien, Chile, Paraguay, Uruguay, Bolivien und Brasilien mit Billigung der USA tausende Lateinamerikaner, um Regimegegner und Marxisten auszuschalten.

Bis zuletzt konnte sich Pinochet einer Bestrafung entziehen. Bevor er 1990 die Macht an eine demokratisch gewählte Regierung abtrat, sorgte er mit einem Amnestiegesetz dafür, dass er juristisch nicht verfolgt werden konnte. Selbst nach 1990 blieb Pinochet noch acht Jahre Oberkommandierender des Heeres. Erst als ein spanischer Richter 1998 einen Haftbefehl gegen Pinochet erlassen hatte, sah er sich einer Reihe von Anklagen gegenüber. Nach einer Verhaftung in Großbritannien kehrte Pinochet nach 17 Monaten in Untersuchungshaft im März 2000 nach Chile zurück. Ein Gericht hob seine Immunität als "Senator auf Lebenszeit" auf - ein Amt, das Pinochet für sich hatte einrichten lassen. Mit Hinweis auf seinen Gesundheitszustand konnten seine Anwälte bis zuletzt immer wieder angestrengte Gerichtsprozesse gegen ihn blockieren.

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