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9. November 1989

"Das tritt nach meiner Kenntnis... ist das sofort, unverzüglich." So lautete die knappe Antwort des DDR-Politbüro-Mitglieds Günter Schabowski auf die Frage eines Reporters, wann die beschlossene Reiseregelung in Kraft trete. Mit dieser neuen Freiheit besiegelte er am 9.November 1989 nach 28 Jahren den Fall der Mauer.

Erste Vorboten der Friedlichen Revolution in der DDR gab es bereits Anfang 1989. Am 15. Januar demonstrierten etwa 500 Bürger auf dem Marktplatz in Leipzig für Meinungs-, Versammlungs- und Pressefreiheit. Es war die erste, nichtgenehmigte Demonstration der 1980er Jahre und der Beginn für die späteren Montagsdemonstrationen. In den folgenden Monaten kamen immer mehr Menschen zu den Friedensgebeten, die montags in der Nikolaikirche stattfanden.

Gleichzeitig verliehen viele DDR-Bürgerinnen und -Bürger ihrer Kritik über die Lebensverhältnisse in der DDR Ausdruck, indem sie Ausreiseanträge stellten. Im ersten Halbjahr 1989 waren es mehr als Einhunderttausend, die von der DDR in die Bundesrepublik übersiedeln wollten. Vor dem Hintergrund des zerfallenden Ostblocks zeigten sich Anfang Mai erste Löcher im "Eisernen Vorhang". Ungarn begann ab dem 2. Mai 1989 mit dem Abbau der Sperranlagen an der Grenze zu Österreich. Die Folge war eine Fluchtwelle von DDR-Bürgern über Ungarn. Andere hofften über die bundesdeutschen Botschaften in Budapest und in Prag in den Westen zu gelangen. Bald waren es Zehntausende, die so die DDR zu verlassen suchten.

Anfang Oktober entwickelten sich die Demonstrationen in Leipzig zu einer Massenbewegung. Die SED drohte den Demonstranten vor der Kundgebung am 9. Oktober 1989, zwei Tage nach dem 40. Jahrestag der DDR in der "Leipziger Volkszeitung": "Wir sind bereit und willens, das von uns mit unserer Hände Arbeit Geschaffene wirksam zu schützen, um diese konterrevolutionären Aktionen endgültig und wirksam zu unterbinden. Wenn es sein muss, mit der Waffe in der Hand!" Dennoch protestierten am 9. Oktober mindestens 70.000 Menschen in Leipzig mit dem Ruf "Wir sind das Volk" gegen das Regime und für Reformen. Die Sicherheitskräfte schritten nicht ein. Der 9. Oktober wurde zum Tag der Entscheidung. Die Proteste breiteten sich in der ganzen DDR aus. Und die SED-Führung wusste sich nicht anders zu helfen, als ein neues Reisegesetz zu erlassen, das am 9. November - früher als beabsichtigt - von Günter Schabowski verkündet und in Kraft gesetzt wurde. Die Mauer fiel über Nacht.

Alles Wissenswerte über die Mauer, die Berlin in zwei Hälften unterteilte, kann auf der gemeinsamen Projektseite des Deutschlandradios, des ZZF und der Bundeszentrale für politische Bildung im Internet unter www.chronik-der-mauer.de nachgelesen werden. Dort findet sich neben einer Chronik der Jahre 1961 bis 1989 eine umfangreiche Materialsammlung mit Dokumenten, Radio- und Fernsehbeiträgen sowie O-Tönen. Eine Fotosammlung stellt die Grenzanlagen in den 80er Jahren und ihren heutigen Zustand im Vergleich dar.

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