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Gespannte Lage in Somalia

Islamistische Milizen des Obersten Islamischen Gerichtsrats (UIC - Union of Islamic Courts) haben in Somalia die Hafenstadt Kismayo ohne Gegenwehr besetzt. Sie wollen damit den geplanten Einsatz einer afrikanischen Friedenstruppe verhindern.

Ein Viehzüchter bei Kismayo
Foto: United States Defense Visual Information Center

Die Truppen des Verteidigungsministers der somalischen Übergangsregierung, Barre Hiraale, sind geflohen. Seit 1991 bekämpfen sich in Somalia so genannte "Warlords" und Milizen. Um den Einsatz der Friedenstruppe hatte die somalische Übergangsregierung Anfang des Monats bei der Zwischenstaatlichen Behörde für Entwicklung (IGAD) nachgesucht. Zu ihren Mitgliedern zählen Äthiopien, Djibuti, Eritrea, Kenia, Sudan, Somalia und Uganda.

Die Stellung der im Jahr 2004 mit Hilfe der Vereinten Nationen eingerichteten Übergangsregierung ist außerordentlich schwach. Bereits Anfang Juli hatten die UIC-Milizen die Hauptstadt Mogadischu besetzt und seither ihren Einfluss im Land immer weiter ausgedehnt. Inzwischen kontrollieren sie ein Drittel des Landes. In den von ihnen besetzten Gebieten führten sie die Scharia ein, das islamische Recht.

In Kismayo reagiert die Bevölkerung unterschiedlich auf die neuen Herren der Stadt. Ein Teil scheint sie zu begrüßen, weil sie sich von ihnen mehr Sicherheit versprechen; andere fürchten den islamischen Fundamentalismus. Medienberichten zufolge soll es inzwischen zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den UIC-Milizen und Demonstranten gekommen sein, bei denen mindestens zwei Menschen starben. Viele tausend Menschen haben sich bereits in den vergangenen Tagen ins benachbarte Kenia geflüchtet. Nach Angaben der Vereinten Nationen erreichen täglich bis zu 600 Menschen die Lager im Grenzgebiet.

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