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Kino und Gesellschaft

Die 56. Berlinale hat begonnen. Bis zum 19. Februar warten 360 Filme und 520 Regisseure auf mehr als 18.000 Besucher. Ein kleiner Lichtblick für eine Branche in der Krise. Denn seit Jahren läuft dem Kino sein Publikum weg. Welche Rolle spielen Filme heute noch in der Gesellschaft?

Das deutsche Kino erlebte 2005 den heftigsten Einbruch seit zehn Jahren, so die Filmförderungsanstalt in Berlin. Laut Media Control fiel die Besucherzahl von 93,4 Mio. im Vorjahr auf 74,5 Mio. – das sind mehr als 20 Prozent. Die Gegenwart gehört anscheinend den neuen Medien: DVDs, Heimkino-Anlagen und Computerspiele halten die Menschen auf dem heimischen Sofa. Medienkritiker machen eher das Kino selbst für seine Krise verantwortlich: Statt auf Qualität setze die Branche auf Remakes, Fortsetzungen und wenige, aufgebauschte Großproduktionen.

Hat der Film also seine Rolle als Lieferant der Bilder, Mythen und großen Erzählungen eingebüßt? Berlinale-Direktor Dieter Kosslick zeigte sich in einem Interview mit dem Politmagazin "Cicero" optimistisch: "Von einer Krise kann keine Rede sein." Die neuen Medien öffnen auch neue Kanäle für kleinere, alternative Produktionen. Den Eventfilmen der großen Studios steht ein Trend zu zeitgeschichtlichen und kritischen Dokumentationen und Dokudramen gegenüber - die deutsche Produktion "Sophie Scholl" ist für einen Oscar nominiert. Wichtiger Programmpunkt der Berlinale ist der letzte Teil der vielbeachteten Filmreihe "Selling Democracy". Die beleuchtet die filmische Propaganda für den Marshallplan, Demokratie und den "american way of life" im deutschen Nachkriegskino. Wie man anderen Demokratie verkauft – politisch aktueller könnte Kino kaum sein.


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