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Weltwasserforum Marseille 2012

Immer mehr Menschen haben Zugang zu sauberem Trinkwasser, gleichzeitig wird die Ressource Wasser weltweit immer knapper. Beim Weltwasserforum beratschlagen ab Montag internationale Experten die Zukunft des Wassers.

Ein Mädchen an einer Wasserstelle in einem Slum von Mumbai. (© picture-alliance, AP Photo)


Bisher ist es ein Phänomen, das hauptsächlich Entwicklungsländer betrifft: Wassermangel. In Zukunft wird jedoch auch Europa unmittelbar betroffen sein: Laut einer Studie der Vereinten Nationen wird das Trinkwasser im Jahr 2070 auch in Mittel- und Südeuropa knapp.

"Managing Water under Uncertainty and Risk" ist der Titel des neuen Weltwasserbericht der Vereinten Nationen. Der Bericht wird auf dem 6. Weltwasserforum in Marseille vorgestellt, das am Montag (12. März) beginnt. Seit 1997 findet alle drei Jahre das Weltwasserforum statt. Zum diesjährigen Forum werden etwa 25.000 Teilnehmer aus über 180 Staaten erwartet, unter ihnen auch Staats- und Regierungschefs. Organisiert wird das Weltwasserforum vom Weltwasserrat, der aus über 300 Vertretern von Regierungsinstitutionen, Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen und Wissenschaftlern besteht.

Die Autoren des UN-Berichts beschreiben einen beispiellosen Anstieg der Nachfrage nach Wasser. Grund dafür ist der steigende Bedarf an Nahrung, Energie und sanitärer Versorgung. Südasien und der Süden Afrikas sind die Regionen, in denen sich die Wasserknappheit am stärksten bemerkbar machen werde.

Ein Umdenken beim Wassermanagement sei notwendig, so der Bericht. Die globalen Süßwasserreserven würden nicht nachhaltig genutzt. Die drohende Knappheit von Trinkwasser bedrohe alle anderen großen Entwicklungsziele.

Warum fehlt es an Wasser?



Gründe für immer geringere Wasservorräte sind unter anderem Verschwendung, ineffiziente Bewässerung, der stetig steigende Bedarf der Landwirtschaft sowie die Umweltverschmutzung. In Schwellenländern tragen auch veränderte Konsumgewohnheiten zum steigenden Wasserverbrauch bei.

Auch Klimawandel und die Erderwärmung tragen zur Wasserknappheit bei. Regenfälle werden spärlicher, Gletscher schmelzen und der Meeresspiegel steigt. Bis 2050 wird die Weltbevölkerung von sieben auf neun Milliarden wachsen und so der Bedarf an Wasser noch weiter steigen. Insbesondere in Städten, in denen bis 2050 etwa 6,3 Milliarden Menschen leben werden, fehlt es häufig an einer ausreichenden sanitären Infrastruktur.

Konflikte um Wasser



Die Umweltorganisation WWF (World Wide Fund for Nature) erinnert anlässlich des Weltwasserforums daran, dass allein seit dem Jahr 2000 weltweit über 50 Konflikte mit Gewalteinwirkung über die Nutzung von Wasser ausgebrochen sind. Durch die immer weiter steigende Nachfrage nach sauberem Wasser, Nahrungsmitteln und Energie werde diese Zahl weiter steigen. Allerdings führen diese Konflikte in der Regel nicht zum Krieg, sondern werden durch diplomatische Vereinbarungen gelöst.

Die gute Nachricht?



Gleichzeitig hat sich die weltweite Versorgung mit sauberem Trinkwasser in den letzten zwanzig Jahren deutlich verbessert: 89 Prozent der Weltbevölkerung haben täglich sauberes Wasser, 1990 waren es erst 76 Prozent. Das hatte die UN Anfang März bekannt gegeben. In den im Jahr 2000 formulierten Milleniumszielen waren für das Jahr 2015 88 Prozent angestrebt worden. Vor allem China und Indien haben auf dem Gebiet Fortschritte erzielt.

Man könne jedoch keinen Sieg feiern, solange elf Prozent der Menschheit - 783 Millionen Menschen - keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser hätten, so UNICEF-Direktor Anthony Lake. Laut UNICEF sterben täglich 3.000 Kinder an Durchfallerkrankungen - verursacht durch verschmutztes Trinkwasser.


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