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19.4.2017

Erwerbsmuster, Armut und Familienpolitik: Deutschland im europäischen Vergleich

Die Lebenslage von Familien wird durch sehr unterschiedliche Faktoren bestimmt: Neben der Familienpolitik gehören dazu auch die Steuer-, Sozial- und Arbeitsmarktpolitik. Erwerbsmöglichkeiten, Besteuerung oder Möglichkeiten der Kinderbetreuung haben Auswirkungen auf Alleinerziehende und Paarfamilien. Die beiden Soziologen, Thomas Bahle und Bernhard Ebbinghaus, arbeiten die verschiedenen Kombinationen dieser Politiken und ihre Auswirkungen im Ländervergleich heraus. Dadurch werden auch die Schwächen und Stärken der deutschen Familienpolitik deutlich.

Nicht nur die Familienpolitik entscheidet über die Lebenslage von Familien mit - zum Beispiel ist auch die Arbeitsmarktpolitik bedeutsam. Beim Blick auf die ökonomisch gleich hoch entwickelten EU-Ländern zeigt sich, dass Deutschland nach wie vor ein Defizit bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat. (© picture-alliance/dpa)


Deutschland erzielt im europäischen Vergleich durchschnittliche Ergebnisse, betrachtet man zum Beispiel die Geburtenrate. Rund 15 Prozent der Kinder unter 18 Jahren waren 2015 armutsgefährdet, obwohl verhältnismäßig viel Geld für Familienpolitik aufgewendet wird [1]. Gegenüber ökonomisch gleich hoch entwickelten EU-Ländern hat Deutschland nach wie vor ein Defizit bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Mangelnde Erwerbsintegration und Armut hängen eng zusammen, doch ebenso spielen Faktoren wie die Höhe der Erwerbseinkommen und die soziale Sicherung von Familien eine Rolle.

Dieser Beitrag stellt die Erwerbsmuster und Armutsrisiken von Familien in Deutschland im Vergleich zu Dänemark, Frankreich, den Niederlanden und Großbritannien dar. Anschließend wird aufgezeigt, wie die verschiedenen Familien- und Sozialpolitiken in diesen Ländern diese Strukturen beeinflussen. Dadurch werden auch die Stärken und Schwächen der deutschen Familienpolitik verdeutlicht. (Siehe auch den Beitrag "Familienpolitik in den EU-Staaten: Unterschiede und Gemeinsamkeiten", der Muster der Familienpolitik innerhalb der EU beschreibt.)

In Deutschland sind rund 70 Prozent der Mütter mit Kindern unter 18 Jahren beschäftigt. In Europa ist dies ein mittlerer Wert (siehe Schaubild 1). In den nordischen und allen anderen kontinentaleuropäischen Ländern sind Mütter in Paarbeziehungen häufiger beschäftigt. Osteuropa liegt gleichauf zu Deutschland, nur in Südeuropa mit Ausnahme Portugals und im katholischen Irland ist diese Quote niedriger. Alleinerziehende Mütter sind in vielen Ländern seltener beschäftigt als Mütter in Paarbeziehungen, weil sie im Durchschnitt jünger sind, kleinere Kinder haben und ohne Partner vor einem größeren Problem der Vereinbarkeit von Familie und Beruf stehen. In Deutschland gibt es jedoch wie in einigen anderen Ländern keinen Unterschied in der Erwerbsquote von Müttern mit und ohne Partner.

Schaubild 1: Beschäftigungsquote von Müttern, 2014 (PDF-Icon Grafik zum Download) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Wenn man diese Erwerbsquoten jedoch zwischen Voll- und Teilzeitbeschäftigung und für verschiedene Familientypen differenziert, fallen die Unterschiede zwischen den hier betrachteten fünf Ländern deutlicher aus.[2]

Deutschland hat ein relativ traditionelles Erwerbsmuster. 2008 waren bei nur 14 Prozent aller Paare mit Kindern unter 18 Jahren beide Partner in Vollzeit beschäftigt (siehe Tabelle 1). Lediglich die Niederlande haben einen noch niedrigeren Anteil (8 Prozent). In Deutschland dominiert der Familientyp, in dem ein Partner in Vollzeit und einer (meist die Partnerin) in Teilzeit beschäftigt ist. Der Typ, in dem ein Partner in Vollzeit und einer nicht beschäftigt ist und somit "zuhause bleibt", steht an zweiter Stelle. Im Gegensatz dazu arbeiten in Dänemark und Frankreich in den meisten Paarfamilien beide Partner in Vollzeit. In den Niederlanden dominiert mit einem Anteil von zwei Dritteln die Kombination, in der ein Partner in Vollzeit und einer in Teilzeit beschäftigt ist. In Großbritannien gibt es kein dominierendes Modell. Diese Zahlen belegen für Deutschland eine niedrige Erwerbsbeteiligung von Müttern in Paarfamilien (gemessen in Wochenarbeitsstunden). Noch deutlicher zeigt sich dieser Befund bei Alleinerziehenden (siehe Tabelle 2). In Deutschland sind jeweils rund ein Drittel der Alleinerziehenden in Vollzeit, Teilzeit oder nicht beschäftigt. Nur in Großbritannien liegt der Anteil nicht beschäftigter Alleinerziehender mit 40 Prozent darüber.

Tabelle 1: Erwerbsmuster und Armutsquoten von Paarfamilien1

Erwerbsmuster2VZ/VZVZ/TZVZ/NENE/NEAndere3Insgesamt
Deutschland
Anteil in %14,446,431,03,54,7100
Armutsquote3,82,710,873,328,09,0
Dänemark
Anteil in %67,117,912,01,81,2100
Armutsquote3,36,811,965,717,06,2
Frankreich
Anteil in %43,126,923,63,62,8100
Armutsquote3,14,824,065,214,011,0
Niederlande
Anteil in %8,365,015,01,210,5100
Armutsquote8,22,716,158,16,06,2
Vereinigtes Königreich
Anteil in %31,036,720,26,95,2100
Armutsquote1,24,010,557,538,09,9

Armutsrisikogrenzen jeweils 60% des Median des verfügbaren Einkommens aller Haushalte
1Kinder unter 18 Jahren oder unter 24, falls im Haushalt der Eltern lebend und nicht erwerbstätig; ohne Rentnerhaushalte
2VZ/VZ: Vollzeit/Vollzeit; VZ/TZ: Vollzeit/Teilzeit; VZ/NE: Vollzeit/Nicht erwerbstätig; NE/NE: Nicht erwerbstätig/Nicht erwerbstätig
3alle möglichen anderen Kombinationen zusammen; inhaltlich nicht interpretierbar
Quelle: EU-SILC , Referenzjahr 2008, eigene Auswertungen


Tabelle 2: Erwerbsstatus und Armutsquoten von Alleinerziehenden1

ErwerbsstatusVollzeitTeilzeitNicht-
beschäftigt
Insgesamt
Deutschland
Anteil in %35,035,329,7100
Armutsquote13,626,970,235,1
Dänemark
Anteil in %74,910,814,3100
Armutsquote10,133,344,417,5
Frankreich
Anteil in %58,319,122,6100
Armutsquote13,033,165,728,8
Niederlande
Anteil in %32,049,418,6100
Armutsquote8,317,667,524,0
Vereinigtes Königreich
Anteil in %32,426,940,7100
Armutsquote8,618,752,729,3

Armutsrisikogrenzen jeweils 60% des Median des verfügbaren Einkommens aller Haushalte
1Kinder unter 18 Jahren oder unter 24, falls im Haushalt der Eltern lebend und nicht erwerbstätig; ohne Rentnerhaushalte
Quelle: EU-SILC , Referenzjahr 2008, eigene Auswertungen


Eine niedrige Erwerbsbeteiligung führt in der Regel zu einem höheren Armutsrisiko. Doch unterscheiden sich die Länder hierbei stark voneinander, weil zusätzliche Faktoren wirken.

Dänemark und die Niederlande haben mit jeweils 6 Prozent aller Paarfamilien die niedrigsten Armutsrisikoquoten im Ländervergleich. Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des jeweils nationalen Medianeinkommens (mittleren Einkommens) hat. Deutschland liegt mit 9 Prozent in der Mitte, gefolgt von rund 10 Prozent in Großbritannien und 11 Prozent in Frankreich. Doch diese Durchschnittswerte verdecken entscheidende strukturelle Unterschiede zwischen den Ländern. Denn die Anteile der verschiedenen Familientypen und deren jeweiligen Armutsrisiken variieren zwischen den Sozialstaaten. In Deutschland ist die traditionelle Familienform mit nur einem beschäftigten Partner zwar relativ gut vor Armut geschützt: Nur knapp 11 Prozent dieser Paare sind arm. In den anderen Ländern (außer Großbritannien) sind die Armutsrisikoquoten dieses Typs höher. Doch im Vergleich zu den Typen mit höherer Erwerbsintegration, wie zum Beispiel beide Vollzeit, ist das Armutsrisiko des Alleinernährermodells auch in Deutschland höher. Und da dessen Anteil in Deutschland mit 31 Prozent relativ hoch ist, steigt tendenziell das durchschnittliche Armutsrisiko von Paarfamilien.

Hinzu kommt, dass Familien mit sozialen Risiken in Deutschland nicht gut vor Armut geschützt sind: Erwerbslose Paare mit Kindern sowie Alleinerziehende ohne Beschäftigung haben mit über 70 Prozent sehr hohe Armutsrisikoquoten. Diese sind in den anderen Ländern deutlich niedriger, was vor allem auf eine bessere soziale Absicherung zurückzuführen ist. Besonders negativ schlägt dieser Zusammenhang zwischen Erwerbsmuster und Armut bei Alleinerziehenden durch. In Deutschland sind mehr als ein Drittel aller Alleinerziehenden armutsgefährdet, weil ein relativ hoher Anteil nicht beschäftigt ist (30 Prozent) und zugleich ein außergewöhnlich hohes Armutsrisiko hat. Auch die teilzeitbeschäftigten Alleinerziehenden (35 Prozent) haben mit 27 Prozent ein relativ hohes Armutsrisiko, das in den Niederlanden und Großbritannien (Ländern mit ebenfalls hoher Teilzeitbeschäftigung) deutlich niedriger ist.

Umverteilung und Armut von Alleinerziehenden



Ohne sozialstaatliche Umverteilung wäre Armut jedoch noch weiter verbreitet (siehe Schaubild 2). Das Schaubild zeigt, wie stark das Armutsrisiko Alleinerziehender durch sozialstaatliche Umverteilung reduziert wird.[3] In Großbritannien ist das Armutsrisiko Alleinerziehender vor Steuern und Transfers im Ländervergleich mit Abstand am höchsten, es wird jedoch durch die sozialstaatliche Umverteilung erheblich reduziert. Großbritannien liegt deshalb bei den verfügbaren Einkommen im Ländervergleich auf einem mittleren Platz. Frankreich und Deutschland starten im Vergleich dazu von niedrigeren Armutsrisikoquoten vor Steuern und Transfers, erzielen aber nach Umverteilung schlechtere Ergebnisse als Großbritannien. Die Niederlande und Dänemark haben sowohl vor als auch nach Steuern und Transfers die niedrigsten Armutsrisikoquoten im Ländervergleich. Doch in Dänemark ist die Wirkung der Umverteilung deutlich größer als in den Niederlanden, sodass Alleinerziehende in Dänemark mit Abstand das niedrigste Armutsrisiko bei den verfügbaren Einkommen haben.

Schaubild 2: Armutsrisikoquoten Alleinerziehender vor und nach Steuern und Transfers, 2014 (PDF-Icon Grafik zum Download) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Auf Grundlage dieser Befunde lassen sich für Deutschland drei zentrale familienpolitische Defizite identifizieren. Erstens gibt es eine in Wochenstunden bemessene niedrige Erwerbsintegration von Müttern. Zweitens sind die Erwerbseinkommen von Familien teilweise niedrig, vor allem bei Teilzeitbeschäftigung. Drittens ist die Absicherung von Familien mit sozialen Risiken unzureichend. Diese drei Probleme führen zusammengenommen zu einem höheren Armutsrisiko. Im Vergleich zu Deutschland werden diese Probleme in den vier Vergleichsländern zum Teil besser gelöst. Dafür ist nicht nur die Familienpolitik im engeren Sinn verantwortlich, sondern auch die jeweilige Steuer-, Sozial- und Arbeitsmarktpolitik.

In Dänemark zielt die Politik in erster Linie auf die Erwerbsintegration von Eltern. Die Dominanz des Doppel-Vollzeit-Modells wird durch das sehr gut ausgebaute System der Kinderbetreuung und die individuelle Einkommensbesteuerung erreicht. Dieses individuelle Modell der Besteuerung macht traditionellere Partnerschaftsmodelle mit nur einem Verdiener oder einer Kombination aus Vollzeit und Teilzeit unattraktiv, weil damit keine steuerlichen Einkommensvorteile verbunden sind. Das Steuersystem begünstigt demnach nicht bestimmte Familienformen. Doch macht die generell relativ hohe Steuerbelastung in der Regel zwei volle Erwerbseinkommen nötig, um ein durchschnittliches Familieneinkommen zu erzielen. Von der Vereinbarkeit von Familie und Beruf profitieren in besonderem Maße Alleinerziehende, auch wenn die Familienpolitik diese gar nicht gezielt unterstützt. So arbeiten drei Viertel der Alleinerziehenden in Dänemark in Vollzeit und sind gut gegen Armut geschützt. Die zweite Säule der dänischen Politik ist eine gute soziale Absicherung von Familien mit sozialen Risiken, die weniger über klassische familienpolitische Leistungen wie Kindergeld erreicht wird, sondern durch eine gute Absicherung bei Arbeitslosigkeit und eine relativ hohe soziale Mindestsicherung aller. Untermauert wird das dänische Modell durch den frei zugänglichen öffentlichen Gesundheitsdienst und ein Rentensystem mit allgemeiner Grundsicherung im Alter. Es setzt primär auf volle Erwerbsintegration und universale soziale Sicherung und erzielt damit insgesamt herausragende Resultate.

Frankreich kommt Dänemark im Hinblick auf die Erwerbsintegration am nächsten, bleibt jedoch im Ergebnis deutlich dahinter zurück. Trotz der gut ausgebauten Kinderbetreuung sind nur in rund 40 Prozent der Paarfamilien beide Partner in Vollzeit beschäftigt. Dies liegt zum einen an der insgesamt höheren Arbeitslosigkeit, zum anderen aber auch am Steuersystem, denn das französische Familiensplitting begünstigt traditionelle Familienformen. So wirken die verschiedenen familienpolitischen Leistungen nicht in eine Richtung wie das in Dänemark der Fall ist. Dies beeinträchtigt auch die Erwerbschancen und Armutsrisiken von Alleinerziehenden im Vergleich zu Dänemark. Im Unterschied zu Dänemark ist auch die Absicherung von Familien mit sozialen Risiken weniger umfangreich. Die soziale Sicherung ist wie in Deutschland stark am Erwerbsstatus und am Einkommen ausgerichtet und schließt Familien mit sozialen Risiken tendenziell aus. Für diese Familien bietet auch die soziale Mindestsicherung kein gutes Auffangnetz, weil die Leistungen relativ niedrig sind.

Die Niederlande erzielen eine ähnlich hohe Erwerbsintegration von Eltern wie Dänemark, aber nach einem anderen Muster. In Paarfamilien dominiert eindeutig das Vollzeit/Teilzeit-Mischmodell. Wenig verbreitet ist heute hingegen die traditionelle Familie mit nur einem beschäftigten Partner. Die meisten Alleinerziehenden arbeiten in Teilzeit und Arbeitslosigkeit ist kein großes Problem, im Gegensatz zu Deutschland und Großbritannien. Der Schlüssel zu diesem Muster bei Paarfamilien und Alleinerziehenden ist die große Unterstützung und Akzeptanz der Teilzeitarbeit in den Niederlanden. Teilzeitarbeit wird steuerlich stark gefördert und sozial gut abgesichert. Ermöglicht wird dieses abgesicherte flexible Modell durch ein gut ausgebautes System der Kinderbetreuung, das auf die Bedürfnisse Teilzeitbeschäftigter zugeschnitten ist. Hinzu kommt ein soziales Sicherungssystem mit starken universalen Elementen. In der Rentenversicherung gibt es eine einheitlich hohe Basissicherung für alle Menschen, die dauerhaft in den Niederlanden wohnen, unabhängig von der Erwerbstätigkeit. Das vermeidet spätere Altersarmut bei Müttern.

Großbritannien erzielt im Ländervergleich keine so negativen Ergebnisse wie oft behauptet. Das britische Modell setzt stark auf eine steuerliche Förderung niedriger Erwerbseinkommen, um Armut zu vermeiden. Steuergutschriften spielen vor allem für Familien mit niedrigem Erwerbseinkommen eine wichtige Rolle. Daneben ist die soziale Mindestsicherung als soziales Bürgerrecht etabliert und bietet für Familien mit sozialen Risiken im internationalen Vergleich relativ hohe Leistungen. Langzeitarbeitslose Familien sind hier relativ zum Durchschnittseinkommen besser abgesichert als in Deutschland. Die Schwachstelle der britischen Familienpolitik ist die fehlende Unterstützung der Erwerbsintegration von Eltern. Der eklatante Mangel an für niedrige Einkommen bezahlbarer Kinderbetreuung führt zu Hürden bei der Integration in den Arbeitsmarkt.

Erwerbsintegration und soziale Absicherung



Der Ländervergleich zeigt, dass Dänemark und die Niederlande eine hohe Erwerbsintegration und eine niedrige Armut von Familien in Europa erzielen. Dazu tragen gut ausgebaute Kinderbetreuungsangebote, eine die Erwerbsintegration fördernde Steuerpolitik und eine gute Absicherung von Familien mit sozialen Risiken bei. Beide Länder haben ein soziales Sicherungssystem mit starken universalen und grundsichernden Elementen. Aber auch die britische Politik, die gezielt auf Familien mit niedrigen Einkommen ausgerichtet ist, erzielt teilweise gute Ergebnisse im Hinblick auf Armut. Die Erwerbsintegration bleibt jedoch niedrig, weil sie familienpolitisch nicht gefördert wird.

Aus dem Vergleich ergibt sich für Deutschland die Empfehlung, eine besser ausgebaute Kinderbetreuung, eine reformierte Besteuerung von Familien und eine gezielte Unterstützung und bessere soziale Absicherung von Familien mit sozialen Risiken anzustreben, um einige der festgestellten vorhandenen Defizite der Familienpolitik zu mildern.

Weiterführende Literatur



Bahle, Thomas (2008): Family policies in the enlarged European Union. In: Alber, Jens, Tony Fahey and Chiara Saraceno (eds.): Handbook of Quality of Life in the Enlarged European Union. London: Routledge: pp. 100-125.

Bahle, Thomas, Bernhard Ebbinghaus und Claudia Göbel (2015): Familien am Rande der Erwerbsgesellschaft. Erwerbsrisiken und soziale Sicherung familiärer Risikogruppen im europäischen Vergleich. Baden-Baden: Nomos, Edition Sigma.

Jaehrling, Karen, Thorsten Kalina und Leila Mesaros (2014): Mehr Arbeit, mehr Armut? Ausmaß und Hintergründe der Entkopplung von Erwerbsarbeit und materieller Sicherheit von Alleinerziehenden im Ländervergleich. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Vol. 66: 343-370.

Mühling, Tanja und Johannes Schwarze (Hrsg.) (2011): Lebensbedingungen von Familien in Deutschland, Schweden und Frankreich. Ein familienpolitischer Vergleich. Opladen: Verlag Barbara Budrich.
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Autoren: Bernhard Ebbinghaus, Thomas Bahle für bpb.de
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Fußnoten

1.
Armutsgefährdung oder Armutsrisiko wird definiert als äquivalenzgewichtetes Einkommen, das unter 60 Prozent des jeweiligen gesamtgesellschaftlichen Median liegt; siehe auch Fußnote 3.
2.
Die folgenden Zahlen beruhen auf einer Analyse des EU-SILC und beziehen sich auf das Jahr 2008. Die Werte sind deshalb nicht durch den Einfluss der Wirtschaftskrise verzerrt und spiegeln die strukturellen Unterschiede zwischen den Ländern wider.
3.
Das Schaubild 2 stellt das Markteinkommen vor Steuern und Transfers dem verfügbaren Einkommen nach Steuern und Transfers gegenüber. Methodisch wird dabei eine fiktive Einkommensverteilung (Markt ohne staatliche Umverteilung) mit einer tatsächlichen Verteilung verglichen. Dennoch ist das Verfahren geeignet, das Ausmaß der staatlichen Umverteilung im Ländervergleich zu erfassen. Armutsrisiko wird definiert als äquivalenzgewichtetes Einkommen (vor oder nach Steuern und Transfers), das unter 60 Prozent des jeweiligen gesamtgesellschaftlichen Median liegt. Die Armutsrisikogrenze wird dabei für beide Einkommensarten auf der Basis des verfügbaren Einkommens festgelegt. Dadurch sind die Armutsrisikoquoten einheitlich definiert und können direkt miteinander verglichen werden. Äquivalenzeinkommen ist das Einkommen, das jedem Mitglied eines Haushalts, wenn es erwachsen und allein lebend wäre, den gleichen Lebensstandard ermöglichen würde, wie es ihn innerhalb des gemeinsamen Haushaltes hat.

Bernhard Ebbinghaus, Thomas Bahle

Bernhard Ebbinghaus

Bernhard Ebbinghaus

Dr. Bernhard Ebbinghaus ist Professor für Sozialpolitik und Fellow am Green Templeton College der Universität Oxford und External Fellow des Mannheimer Zentrums für Europäische Sozialforschung der Universität Mannheim.


Thomas Bahle

PD Dr. Thomas Bahle ist Soziologe und lehrt an der Universität Mannheim. Sein Hauptinteresse gilt der international-vergleichenden Sozialpolitik- und Wohlfahrtsstaatsforschung. Dabei hat er unter anderem über Familienpolitik, soziale Mindestsicherung und Kinderarmut geforscht und publiziert. Ein weiterer Forschungsschwerpunkt sind soziale Dienstleistungen.


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