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1.3.2012

Homöopathie

Die Homöopathie zählt zu der Alternativ- und Komplementärmedizin. Die dieser Heilmethode zugrunde liegenden Prinzipien wurden schon um 1800 vom deutschen Arzt Samuel Hahnemann formuliert und bis heute nur geringfügig verändert. Die Grundannahme einer jeden homöopathischen Behandlung besteht darin, dass "Ähnliches durch Ähnliches geheilt werde". Dieser Überlegung folgend, wird einer erkrankten Person stets eine verdünnte Substanz verabreicht, von der bekannt ist, dass sie die Krankheit hervorruft. Das Ähnlichkeitsgesetz (Simile-Prinzip) besagt, dass Kranke durch Arzneistoffe geheilt werden, die bei Gesunden möglichst ähnliche Krankheitssymptome hervorrufen würden.

Homöopathische Arzneimittel dürfen dann in der ärztlichen Praxis zur Anwendung kommen, wenn sie in einem Register bei der zuständigen Bundesbehörde eingetragen sind. Hierzu bedarf es, "soweit sich die Unbedenklichkeit des Arzneimittels nicht anderweitig (...) ergibt", zwar einer pharmakologischen-toxischen Prüfung, nicht aber einer expliziten Zulassung (§§ 38 und 39 AMG). Demnach nimmt die Homöopathie als eine Form der besonderen Therapierichtungen eine Sonderstellung im Arzneimittelgesetz (AMG) ein. Homöopathische Arzneimittel unterliegen letztlich nicht demselben strengen Prüfverfahren wie Arzneien der Schulmedizin. Diese wiederum müssen nämlich auf Grundlage des Arzneimittelgesetzes einen Nachweis über Wirksamkeit, Unbedenklichkeit und pharmazeutische Qualität erbringen, um in der medizinischen Versorgung überhaupt zugelassen zu werden. In Deutschland wird das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) mit der Erbringung jener Wirksamkeitsnachweise beauftragt.

Wirksamkeitsnachweise erfordern das Design einer randomisierten, kontrollierten Studie; schließlich ist die Wirkung eines Medikaments nur durch den Vergleich mit einer Kontrollgruppe, die nicht mit dem fraglichen Medikament behandelt wurde, explizit belegbar. Bei homöopathischen Leistungen konnte bislang kein Wirksamkeitsnachweis erbracht werden, der über einen Placeboeffekt hinausgeht. Befürworterinnen und Befürworter der Homöopathie begründen dies mit der besonderen Wirkweise dieser Heilmethoden: Diese stelle sich bei jedem Menschen anders dar. Daher werde der Vergleich mit einer Kontrollgruppe hinfällig. Die üblichen wissenschaftlichen Kriterien für einen Wirksamkeitsnachweis seien somit nicht auf die Homöopathie zu übertragen. Gleichwohl ist jedoch auch die generelle Wirkungslosigkeit nicht beweisbar. Das führt schließlich auch zu der erwähnten Sonderstellung homöopathischer Medikamente im Arzneimittelgesetz und zu der differenzierten Bewertung bei einem potenziellen Ausschluss aus dem einheitlichen Leistungskatalog (§ 34 Abs. 2 SGB V).

Trotz fehlender Wirksamkeitsnachweise und Nutzenbewertungen ist die Homöopathie nicht generell von der Erstattungsfähigkeit durch die gesetzliche Krankenversicherung ausgeschlossen. Seit 2007 (GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz) kann eine Krankenkasse hierzu einen Wahltarif anbieten (§ 53 Abs. 5 SGB V). Die Versicherten, die einen solchen Wahltarif nutzen wollen, müssen einen gegenüber dem allgemeinen Beitragssatz erhöhten Beitrag entrichten und haben Anspruch auf die Erstattung der Homöopathie. Diese Wahltarife gelten auch als ein Wettbewerbselement der gesetzlichen Krankenversicherungen. Mit einem solchen Angebot kann sich eine Krankenkasse von anderen Krankenkassen unterscheiden. Allerdings werden diese Wahltarife bisher nur wenig in Anspruch genommen, vor allem weil die betreffenden Tarife recht teuer sind. Für viele Versicherte ist es günstiger, die betreffenden Mittel direkt selbst zu bezahlen.
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