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14.2.2014

Beitragsfreie Familienmitversicherung und Ehegattensplitting

Im Rahmen der Familienversicherung sind nicht erwerbstätige Ehegatten und Kinder von GKV-Mitgliedern beitragsfrei mitversichert. Die Familienversicherung der Kinder endet mit dem 18. Lebensjahr. Wenn sie nicht erwerbstätig sind oder sich in der Schul- bzw. Berufsausbildung befinden, erhöht sich die Altersgrenze auf 23 bzw. 25 Jahre, bei Studierenden auf 30 Jahre. Ende 2012 waren von den insgesamt 69,9 Millionen GKV-Versicherten 52,4 Millionen (75,0 %) Mitglieder und 17,9 Millionen (25,0 %) mitversicherte Familienangehörige (BMG 2013b: 69f.).

Völlig unumstritten ist die beitragsfreie Mitversicherung von Kindern. Anders sieht dies bei nicht erwerbstätigen Ehegatten aus. Sie kann zu sehr unterschiedlichen Belastungen durch GKV-Beiträge für Familien mit gleichem Einkommen führen. Dies mag ein fiktives Beispiel verdeutlichen. Wir haben es mit zwei Ehepaaren zu tun. Das eine hat einen Alleinverdiener, der ein Einkommen von 8,000 Euro pro Monat erzielt, während der Ehepartner nicht erwerbstätig ist. Das andere besteht aus zwei Personen, die jeweils über ein Einkommen von 4.000 Euro beziehen. Beide Familien verfügen über ein Bruttoarbeitseinkommen von 8.000 Euro, aber die erste Familie muss Krankenversicherungsbeiträge in Höhe von 332,10 Euro entrichten, die zweite immerhin 656 Euro, also fast das Doppelte (siehe Tabelle).

 
Beitragsbelastung für Familien mit und ohne Familienmitversicherung bei identischem Einkommen (fiktives Beispiel)
 
Ehegatte 1Ehegatte 2FamilieneinkommenGKV-Beitrag
Familie 18.00008.000332,10
Familie 24.0004.0008.000656,00
Quelle: Eigene Darstellung..

Diese Unterschiede sehen zahlreiche Beobachter als sachlich nicht gerechtfertigt. Daher wird immer wieder die Forderung erhoben, für Familien mit einem Alleinverdiener ein Ehegattensplitting einzuführen. Dies bedeutet, dass das Einkommen des Alleinverdieners auf zwei Ehepartner umgerechnet und für die Berechnung des Krankenversicherungsbeitrags bei jedem einzelnen von ihnen die Hälfte des Bruttoeinkommens zugrunde gelegt wird. In manchen Modellen wird noch danach differenziert, ob die nicht erwerbstätigen Ehegatten Kinder erziehen oder Angehörige pflegen. Insbesondere Konservative argumentieren aber, dass die beitragsfreie Mitversicherung eines nicht erwerbstätigen Ehepartners Ausdruck des besonderen Schutzes für die Familie sei und weisen daher Forderungen nach einem Ehegattensplitting zurück.
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Autor: Thomas Gerlinger für bpb.de
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Thomas Gerlinger

Thomas Gerlinger

Prof. Dr. Dr. Thomas Gerlinger ist Professor an der AG 1: Gesundheitssysteme, Gesundheitspolitik und Gesundheitssoziologie an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften Universität Bielefeld


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