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16.11.2016

Alterssicherungssysteme in Deutschland

Die Schichten der Alterssicherung in Deutschland sind unterschiedlich aufgebaut und dennoch gibt es Gemeinsamkeiten. Die Höhe der zu erwartenden Leistung im Alter hängt zum Beispiel von der vormaligen Stellung im Erwerbssystem und von der Dauer der Beschäftigung bzw. der Beitrags- oder Sparleistung ab.

Wer lange Jahre beschäftigt war, gut verdient hat und entsprechend hohe Vorleistungen getätigt hat, wird eine höhere Altersversorgung erhalten als Personen, die nur kurzfristig und/oder im Niedriglohnsektor beschäftigt waren. (© picture-alliance)



Will man, dass ältere Menschen ab einer bestimmten Altersgrenze nicht mehr erwerbstätig sein müssen, aber dennoch am sozialen Leben teilhaben können, dann bedarf es einer Einkommensübertragung von der jüngeren an die ältere Generation. Zu entscheiden ist,

Ziele der Alterssicherung

Mit der Alterssicherung werden drei (sich nicht ausschließende) Ziele verfolgt: Das Minimalziel besteht in der Vermeidung von Einkommensarmut. Als weiterreichendes Ziel gilt die Lebensstandardsicherung, denn die Einkommens- und Lebensbedingungen älterer Menschen sind nicht bereits "erfüllt", wenn das sozial-kulturelle Existenzminimum abgedeckt ist und eine Grundsicherung geleistet wird. Es geht auch darum, den in einem langen Berufsleben erarbeiteten Lebensstandard im Alter in etwa beizubehalten. Zum Dritten gilt es, gesellschaftlich unverzichtbare, aber nicht entlohnte Tätigkeiten bei der Rentenhöhe zu berücksichtigten. Hierzu zählen vor allem die Kindererziehung und die Pflege von Angehörigen, aber auch unfreiwillige Unterbrechungen des Erwerbslebens (Krankheit oder Arbeitslosigkeit).

Das Alterssicherungssystem in Deutschland ist historisch gewachsen. Es besteht aus einer Vielfalt unterschiedlicher Einzelsysteme, Institutionen sowie Leistungs- und Finanzierungsprinzipien. Eine Unterscheidung in vier Schichten verschafft jedoch einen Überblick Bezogen auf die ersten drei Schichten spricht man auch von den "drei Säulen" der Alterssicherung. Diese Schichten der Alterssicherung lassen sich auch nach ihrem Finanzierungsverfahren unterscheiden: Den im Umlageverfahren bzw. über Steuern finanzierten Systemen (Rentenversicherung, Beamtenversorgung, Grundsicherung), stehen die kapitalgedeckten Systeme (betriebliche Altersversorgung, private Vorsorge, Lebensversicherung) gegenüber.

Insgesamt lässt sich in den letzten Jahren eine Gewichtsverschiebung in Richtung der individuellen Vorsorge und der betrieblichen Altersversorgung erkennen. Mit der Einführung der "Riester-Rente" im Jahr 2001 sind die betriebliche und private Vorsorge zu einem Bestandteil der staatlichen Alterssicherungspolitik geworden. Im Jahr 2014 hatten etwa 50 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Privatwirtschaft Anwartschaften auf eine Betriebsrente erworben. Zur Zusatzversorgung im öffentlichen Dienst gehören die Versorgungseinrichtungen der Beschäftigten von Kommunen, Bund und Ländern, der ehemaligen Mitarbeiter von Bundesbahn und Bundespost sowie vieler kirchlicher Träger und von Wohlfahrtsverbänden. Es handelt sich um ein tariflich vereinbartes Pflichtsystem, das die meisten der hier Beschäftigten einbezieht.

Unterschiede in den Alterssicherungssystemen

Die Unterschiede zwischen den Systemen sind groß. Das gilt auch für die Regelsysteme Rentenversicherung und Beamtenversorgung: Die Altersversorgung der Beamten ist steuerfinanziert, die Ausgaben belasten die Haushalte des Bundes, der Länder und der Kommunen. Die Berechnung der Pension orientiert sich an der Dienstzeit und an der Höhe der letzten (ruhegehaltsfähigen) Dienstbezüge. Während bei der Rentenversicherung die Rentenanwartschaften die lebensdurchschnittliche Einkommensposition widerspiegeln, ist bei der Beamtenversorgung das letzte Entgelt entscheidend. Im Ergebnis dieser Komponenten kommt es zu deutlich höheren (allerdings voll zu versteuernden) Ruhegehältern in der Beamtenversorgung gegenüber den Versichertenrenten der Rentenversicherung. Zudem müssen Beamte keine Abgaben für ihre Alterssicherung leisten, ihre Bruttoentgelte werden nicht durch Sozialversicherungsbeiträge gekürzt.

Es gibt es aber auch Gemeinsamkeiten zwischen den verschiedenen Schichten. Die Höhe der zu erwartenden Leistung im Alter ist abhängig von der vormaligen Stellung im Erwerbssystem und von der Dauer der Beschäftigung bzw. der Beitrags- oder Sparleistung. Wer lange Jahre beschäftigt war, gut verdient und entsprechend hohe Vorleistungen getätigt hat, wird eine höhere Altersversorgung erhalten als Personen, die nur kurzfristig und/oder im Niedriglohnsektor beschäftigt waren. Dieses Entsprechungsverhältnis fällt bei der betrieblichen und privaten Vorsorge noch stärker als bei der gesetzlichen Rentenversicherung aus, da diese auch Zeiten, in denen keine Beiträge aus einer versicherungspflichtigen Beschäftigung entrichtet worden sind, zumindest teilweise anerkennt (Kindererziehung, Pflege, Arbeitslosigkeit, Krankheit usw.). Einen solchen Solidarausgleich kennen die betrieblichen und privaten Systeme nicht.

Auf einen Blick: Alterssicherungssysteme in Deutschland

Auf einen Blick: Alterssicherungssysteme in Deutschland (Stand: 2013/2014)
Zahl der Rentner der gesetzlichen Rentenversicherung 20,6 Mio.
Einfachrentner (Versichertenrente oder Hinterbliebenenrente) 16,6 Mio.
Mehrfachrentner (Versichertenrente und Hinterbliebenenrente) 4,1 Mio.
Zahl der aktiv Versicherten der gesetzlichen Rentenversicherung 36,2 Mio.
Versichertenquote in % der Wohnbevölkerung im Alter von 15 bis unter 65 Jahren 54,5 %
Versorgungsempfänger bei Bund, Ländern und Gemeinden sowie bei Bahn, Post und im mittelbaren öffentlichen Dienst 1,6 Mio.
Ausgaben der Beamtenversorgung (einschließlich Hinterbliebene) 43,8 Mrd. Euro.
Durchschnittliche Ruhegehaltsbezüge (brutto)
Männer
Frauen

3.000 Euro
2.400 Euro
Mindestruhegehaltsbetrag der Beamtenversorgung (brutto/ledig) 1.500 Euro
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Gerhard Bäcker

Gerhard Bäcker

Gerhard Bäcker, Prof. Dr., geboren 1947 in Wülfrath ist Senior Professor im Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen. Bis zur Emeritierung Inhaber des Lehrstuhls "Soziologie des Sozialstaates" in der Fakultät für Gesellschaftswissenschaften der Universität Duisburg-Essen. Forschungsschwerpunkte: Theorie und Empirie des Wohlfahrtsstaates in Deutschland und im internationalen Vergleich, Ökonomische Grundlagen und Finanzierung des Sozialstaates, Systeme der sozialen Sicherung, insbesondere Alterssicherung, Arbeitsmarkt und Arbeitsmarktpolitik, Lebenslagen- und Armutsforschung.


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