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16.11.2016

Anerkennung von Pflegezeiten

Pflegebedürftige Angehörige zu Hause zu pflegen ist eine zeitaufwändige Aufgabe und führt oft dazu, dass eine eigene Berufstätigkeit eingeschränkt oder ganz aufgegeben werden muss. Nachteile bei der späteren Rente werden jedoch teilweise ausgeglichen.

Maniküre. Über 90 Prozent der Pflege durch Pflegepersonen in der häuslichen Pflege durch Angehörige sind Frauen. (© picture-alliance, chromorange)



Für Angehörige, die regelmäßig und über eine längere Zeit hinweg einen pflegebedürftigen Angehörigen versorgen, werden Rentenversicherungsbeiträge gezahlt. Finanzierungsträger sind die Pflegekassen. Anspruch auf diese Beitragszahlung besteht, soweit die Pflegebedürftigkeit anerkannt ist (Einordnung in Pflegestufen), die Pflege ehrenamtlich erfolgt und den Einsatz von mindestens 14 Wochenstunden erfordert. Die Pflegeperson darf daneben nicht mehr als 30 Stunden erwerbstätig sein und auch noch keine Altersrente beziehen.

In welcher Höhe die Pflegekasse Beiträge für das Rentenkonto der Pflegekraft einzahlt, hängt vom zeitlichen Aufwand für die Pflegetätigkeit und dem Grad der Pflegebedürftigkeit ab. Der maximale Beitrag entspricht 0,76 Entgeltpunkten, das entspricht rund drei Viertel des Beitrags für ein Durchschnittseinkommen. Wer z. B. im Jahr 2015 ganzjährig eine pflegebedürftige Person mit Pflegestufe I pflegt, erhöht damit den eigenen monatlichen Rentenanspruch um 7,40 Euro monatlich, in den neuen Bundesländern um 6,83 Euro. Bei höherer Pflegestufe (II oder III) und höherer Pflegeleistung (mindestens 21 oder 28 Stunden/Woche) kann durch ein Jahr Pflege der erwirkte monatliche Rentenanspruch bis zu 22,25 Euro und in den neuen Bundesländern 20,48 Euro betragen.

Die Entgeltpunkte aus der versicherungspflichtigen Beschäftigung und aus der Pflegezeit werden addiert.

Rentenversicherte Pflegepersonen 2004 – 2012 (PDF-Icon Grafik zum Download 43 KB) (© bpb)

Im Jahr 2012 wurden für etwa 295.000 Personen, die ihre pflegebedürftigen Angehörigen betreuen, von den Trägern der Pflegeversicherung Beiträge zur Rentenversicherung gezahlt. Gegenüber 2004 entspricht dies einem Rückgang von 44.542 oder 13,1 Prozent (Vgl. Abbildung "Rentenversicherte Pflegepersonen 2004 - 2012"). Dies ist bemerkenswert, weil sich auf der anderen Seite die Zahl der Pflegebedürftigen insgesamt im gleichen Zeitraum von 1,93 Mio. auf 2,63 Mio. oder um 36,3 Prozent erhöht hat. Da die Angehörigenpflege sich nicht auf die stationär versorgten Pflegebedürftigen bezieht, ist die Zahl der ambulant oder teilstationär Versorgten von Bedeutung: Hier zeigt sich ein Zuwachs von 1,30 Mio. auf 1,82 Mio. Das entspricht einem Plus von 40 Prozent.

Die rentenversicherten Pflegepersonen weisen für 2012 folgende Strukturen auf:
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Autoren: Gerhard Bäcker, Ernst Kistler für bpb.de
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Gerhard Bäcker, Ernst Kistler

Gerhard Bäcker

Gerhard Bäcker, Prof. Dr., geboren 1947 in Wülfrath ist Senior Professor im Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen. Bis zur Emeritierung Inhaber des Lehrstuhls "Soziologie des Sozialstaates" in der Fakultät für Gesellschaftswissenschaften der Universität Duisburg-Essen. Forschungsschwerpunkte: Theorie und Empirie des Wohlfahrtsstaates in Deutschland und im internationalen Vergleich, Ökonomische Grundlagen und Finanzierung des Sozialstaates, Systeme der sozialen Sicherung, insbesondere Alterssicherung, Arbeitsmarkt und Arbeitsmarktpolitik, Lebenslagen- und Armutsforschung.


Ernst Kistler

Ernst Kistler, Prof. Dr., geboren 1952 in Windach/Ammersee ist Direktor des Internationalen Instituts für Empirische Sozialökonomie, INIFES gGmbH in Stadtbergen bei Augsburg. Forschungsschwerpunkte: Sozial- und Arbeitsmarktberichterstattung, Demografie, Sozialpolitik, Armutsforschung.


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